11.08.2012 07:46 unangenehme Wahrheiten, verdrängte Erinnerungen

Der Vorname - Brilliante Ensemble-Komödie nach einem erfolgreichen Bühnenstück um einen angehenden Vater, gespielt von Patrick Bruel

Der Vorname Foto: Warner

Von: Kino.de - 12 Bilder

Zwei Paare und ein männlicher Single treffen sich zum gemütlichen Dinner in Paris. Beim Warten auf die schwangere Gattin verrät der Mittvierziger Vincent den Vornamen des Babys, ein absoluter Tabu-Name, der zum Eklat führt und zum Aufdecken persönlicher Lebenslügen. Was die Beteiligten lange unter den Teppich kehrten, kommt bei bestem Wein und marokkanischen Köstlichkeiten und ohne Kompromisse auf den (Ess)Tisch - unangenehme Wahrheiten, verdrängte Erinnerungen und falsche Verdächtigungen.

Kritik

Brillante Theaterverfilmung, in der eine Runde von Salonsozialisten sich über den Tabu-Namen für ein Baby echauffiert und persönliche Lebenslügen offenlegt.

In Roman Polanskis "Der Gott des Gemetzels" gaben sich die Protagonisten kein Pardon, und am Anfang von "Der Vorname" scheint das Muster ähnlich. Der Film ist die Adaption eines erfolgreichen Theaterstücks, spielt in einer Wohnung, im Laufe eines Abends lassen zwei Paare und ein männlicher Single die Masken fallen. Aber nie geht es so hart zu wie beim Altmeister. Nach einem verbalen Schlag unter die Gürtellinie, folgt ein charmanter Rückzieher.

Bei bestem Wein und marokkanischen Delikatessen bleiben höfliche Formen auf der Strecke. Der erfolgreiche Mittvierziger Vincent sieht erstmals Vaterfreuden entgegen, seine Schwester und ihr Mann laden ihn, seine Frau und einen Jugendfreund zum Abendessen ein.

Während das Quartett auf die werdende Mutter wartet, verrät der Papa in spe den Namen des Babys, ein absoluter Tabu-Name, der zum großen Streit führt und zum Aufdecken persönlicher Lebenslügen. Was die Beteiligten lange unter den Teppich kehrten, kommt jetzt vehement auf den (Ess)Tisch - unangenehme Wahrheiten, verdrängte Erinnerungen und falsche Verdächtigungen.

Matthieu Delaporte und Alexandre de la Patellière übernehmen aus dem von ihnen geschriebenen Bühnenstück die Einheit von Ort und Zeit und bleiben der Dynamik des Originals treu, benutzen aber die Bildsprache des Kinos mit Handkamera, Totaler, Nahaufnahmen oder langen Einstellungen. Gedreht wurde gleichzeitig mit zwei Kameras. Durch die Verlagerung des Blickwinkels erlangt der Film eine neue Intimität.

Das anfänglich sehr französisch wirkende Geplapper entpuppt sich bald als rasiermesserscharfe Dialogkultur, vor allem wenn die Salonsozialisten aufs Korn genommen werden. Charles Berling glänzt als Professor im schäbigen Cordlook, seine Frau als Hüterin der Familie, die immer zu beschwichtigen versucht, bis auch ihre Emotionen überkochen, und Patrick Bruel als charmanter Selfmade-Man mit überschaubarem intellektuellen Anspruch, der eine kindliche Freude an Provokation entwickelt.

Stille Zeitgenossen mit Explosionspotenzial mimen Guillaume de Tonquédec, der nach langer Zurückhaltung mitreißend seine (Liebes)Geschichte erzählt und Judith El Zein, die bald das Image der eleganten Blondine abwirft. Eine weitere Rolle spielt die Wohnung, in einer großartigen Leistung der Produktionsdesignerin bestens ausgestattet bis zu den kleinsten Kleinigkeiten wie Zeichnungen oder Kinderspielzeug und natürlich die unvermeidlichen Bücherwände.

In der vor Witz funkelnden Ensemble-Komödie darf nach der Konfrontation mit eigenen Fehlern und Schwächen die finale Erlösung und Harmonie nicht fehlen. mk.

Frankreich/Belgien 2012
Laufzeit: 110 Min.
FSK: ab 12 Jahre

Patrick Bruel
Valérie Benguigui
Charles Berling

Regie: Alexandre de la Patellière, ...
Verleih: Warner

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