23.07.2012 07:37 Romanautor Frédéric Beigbeder gibt sein Regiedebüt

Das verflixte 3. Jahr mit Gaspard Proust und Louise Bourgoin - inspiriert von dem Buch um die Liebes- und Lebensabenteuer eines Literaturkritikers und Bohemien

Das verflixte 3. Jahr - Louise Bourgoin, Gaspard Proust (c)Foto: Prokino (Fox)

Von: Kino.de - 12 Bilder

Ein egomanischer Literaturkritiker und Gesellschaftskolumnist fällt nach der Scheidung in eine Depression und versucht sich als Schriftsteller mit der These, die Liebe dauere nur drei Jahre. Das unter Pseudonym veröffentlichte Buch mit vielen Machosprüchen wird ein Riesenerfolg, nur findet die neue Geliebte das Werk des Unbekannten furchtbar.

Als sie herauskriegt, dass ihr sonst so zärtlicher Lover dahintersteckt, ist erst einmal Schluss mit Gefühl und Sex, auch ohne "das verflixte 3. Jahr".

kritik:

Leicht autobiografisches Regie-Debüt von Bestseller-Autor Frédéric Beigbeder über die Halbwertzeit von Liebe und die Wandlung vom Zyniker zum Romantiker.

"Im ersten Jahr kauft man die Möbel. Im zweiten Jahr stellt man sie um. Im dritten Jahr teilt man sie auf". Dieser Lehrsatz von den drei Phasen hört sich nicht gerade nach ewiger Liebe an. Literaturkritiker und Gesellschaftskolumnist Marc Marronnier, Alter Ego von Frédéric Beigbeder, ist ein gebranntes Kind. Seine Ehe endete vor dem Scheidungsrichter und statt darüber ernsthaft nachzudenken, philosophiert er großspurig und mit einer gehörigen Portion Zynismus über die Unmöglichkeit von Liebe und bringt das Ganze auch noch zu Papier.

Nach vielen Absagen, erkennt eine Verlegerin das Potenzial und veröffentlicht sein mit flotten Macho-Sprüchen verziertes Werk unter Pseudonym. Es wird ein Bombenerfolg. Nur kann der eitle Zeitgenosse ihn nicht genießen, hat er sich doch unsterblich in eine atemberaubende, leider verheiratete Schöne verknallt, die sich ausgerechnet über den unbekannten Schreiberling und seinen Männlichkeitsfimmel erbost. Als sie herauskriegt, dass ausgerechnet ihr sonst so zärtlicher Lover dahintersteckt, ist erst einmal Schluss mit Sentiment und Sex-Sause.

Beigbeder, der sich über den Schriftsteller Beigbeder lustig macht und von seinem Protagonisten behauptet, "Marc Marronnier, das bin ich, nur noch viel schlimmer", lässt Gaspard Proust als Mischung zwischen Fiesling und Verführer die komischen Seiten ausleben. Selbst wenn den Depressiven Selbstmordgedanken plagen, wirkt die Verzweiflung skurril.

In der beschwingten und mit Ironie gespickten RomCom überzeugen alle Figuren - die auch mal improvisieren dürfen - von Prousts Figur als Egomanen, der nicht erwachsen werden will, über die explosive und unwiderstehliche Louise Bourgoin als Love-Interest bis hin zu den Nebenrollen, etwa Nicolas Bedos als gehörnten Ehemann mit Minipenis (den man aber nie sieht) oder Annie Dupery als feministisch angehauchte und nicht gerade mütterliche Mutter.

Wenn intelligent und witzig Woody Allen, Claude Lelouche oder Jacques Demy zitiert werden oder französische Intellektuelle wie Alain Finkielkraut oder Pascal Bruckner ihre Cameo-Auftritte zelebrieren, genießt man dies als unterhaltsame Spielerei im elitären Zirkel.

Die Aktualisierung und Verfilmung seines Romans, eigentlich "ein privates Tagebuch mit kleinen zynischen Aphorismen" ist Beigbeder mit Bravour, Bonmots und Biss gelungen. mk.

Frankreich 2011
Laufzeit: 98 Min.
FSK: ab 12 Jahre

Gaspard Proust
Louise Bourgoin
Joey Starr

Regie: Frédéric Beigbeder
Verleih: Prokino (Fox)

www.kino.de