11.01.2013 09:00 Vorführungen im Berliner ACUD Kino

"Czech on Tour" bringt einen Querschnitt der aktuellen tschechischen Filmszene in die deutschen Kinos

"Czech on Tour" bringt einen Querschnitt der aktuellen tschechischen Filmszene in die deutschen Kinos

Bild 1: Lidice / Quelle: Zoom Medienfabrik

Bild 2: Der Personalausweis / Quelle: Zoom Medienfabrik

Bild 3: Der Heiratsvermittler / Quelle: Zoom Medienfabrik

Bild 4: ...und es kommt noch schlimmer / Quelle: Zoom Medienfabrik

Von: GFDK - Zoom Medienfabrik

Das Festival „Czech on Tour“, eine Initiative des Tschechischen Filmcenters und des  Bundesverband Kommunale Filmarbeit, bringt einen Querschnitt der aktuellen tschechischen Filmszene in die deutschen Kinos. Nachdem die Tour bereits im Dezember letzten Jahres in Potsdam Halt gemacht hat kommt sie im Januar 2013 nach Berlin. Vom  18. 01. bis 23.01 2013 wird das Programm im Berliner ACUD Kino gezeigt.

Im Programm sind Spiel- („Grandhotel“) und Dokumentarfilme („Ivana & Václav“), sowie Filme, die bereits vor internationalen Festivalpublikum reüssierten („Bürger Havel“, „Neujahrsnacht“), aber auch Filme, die dem deutschen Publikum nun erstmals vorgestellt werden („Personalausweis“), Schwarz-Weiss-Filme („…und es kommt noch schlimmer“) und Farbfilme („Der Heiratsvermittler“), minimalistisch erzählte Filme („Achtzig Briefe“), aber auch epische Historienfilme („Lidice“), Werke renommierter Regisseure (Petr Nikolaev, Helena Třeštíková, David Ondříček) wie auch Debütfilme junger Regisseure (Olmo Omerzu).


Erstmals sind sämtliche Werke deutsch untertitelt und können damit Publikum über die festivalerprobte Cineastenszene hinaus ansprechen. „Tschechische Filme sind in Deutschland leider nur selten im Kinos sehen“, konstatiert Markéta Šantrochová (Czech Film Center). „Für die diesjährige „Tour“ haben wir ganz verschiedene Filme ausgewählt, damit wir dem deutschen Publikum das breite Spektrum der Produktion, aber auch des Lebens in der heutigen Tschechischen Republik zeigen können.“

 


Folgende Filme der Reihe laufen im ACUD KINO BERLIN:


Fr 18.1. 19:00 Uhr: Grandhotel - Film & Gespräch mit Jaroslav Rudiš

David Ondříček

Grandhotel von David Ondříček lebt von der beeindruckenden Kulisse seines Drehorts und dem schrulligen Charme seines Antihelden: Fleischmann ist Hausmeister in einem futuristisch anmutenden Architekturdenkmal der Nachkriegsmoderne. Einem kegelförmigen, 100 Meter hohen Turm auf dem Gipfel des Jěstěd im Isergebirge. Dieser merkwürdige, seines ideologischen Auftrags mittlerweile entledigte Prestigebau aus den 60ern ist zugleich Hotel und Fernsehturm und immer noch Projektionsfläche menschlicher Sehnsüchte. In sozialistischen Zeiten wohl ein Sinnbild für die verheißungsvolle Zukunft des neuen Menschen ist er in der Gegenwart auch eine beliebte Station von älteren Reisenden aus Deutschland, die sich im ehemaligen Reichenberg, auf die Suche nach der Vergangenheit und den Spuren der eigenen sudetendeutschen Herkunft machen. Fleischman hingegen ist besessen von der Idee, von hier aus, mit einem Ballon in den Himmel zu schweben, und dem Hotel, der Provinzstadt Liberec und dem Leben, das ihm überhaupt nicht zu gelingen scheint, zu entfliehen. Liberec, ist für ihn ein Gefängnis und ein Ort, der ihn durch ein vor langer Zeit gegebenes Versprechen festhält. Einzig Ilja, ein schüchternes Zimmermädchen, holt seine Gedanken zurück auf die Erde.

CZ 2006 / 95 Min. / 35 mm / tschechische OF mit dt. UT / Spielfilm

 


Sa 19.1. 19:00 Uhr: Personalausweis

Ondřej Trojan

Diese bunte Tragikomödie von Ondřej Trojan basiert auf dem gleichnamigen Roman von Petr Šabach. Petr, Aleš, "Aschenputtel" und Míťa wachsen in einer Zeit auf, in der man leicht in Schwierigkeiten geraten konnte, wenn man seinen Personalausweis nicht bei sich hatte, und in der der obligatorische Wehrdienst für viele eines der größten Schreckensgespenster war. Die Geschichte der vier jungen Helden spielt wie …a bude hur in den 70ern. Sie umfaßt die drei Jahre zwischen der öffentlichen feierlichen und Überreichung der Personalausweise und dem drohenden Eintritt in die verhaßte Armee. Jeder der Jungs versucht auf seine Weise, diesem Unheil zu entgehen. Wir erhalten Einblick in die sozialistischen Initiationsrituale und in einen den Schulalltag, in dem Konformität oberste Regel und der Bruch des herrschenden Regelwerks doch für einige das höchste Ziel war. Im ständigen Wechsel von ironischem Erzählen, grotesken Perspektiven und nüchterner Kritik erleben wir die Demontage elterlicher Autorität unter den Schikanen einer Diktatur, einen gescheiterten Fluchtversuch, die mutige Engagement einer sehr hübschen Lehrerin und die äußerste Konsequenz im Handeln des Empfindsamsten der vier Jungen.

CZ, SK 2010, 137 Min., 35 mm, tschechische OF mit dt. UT Spielfilm

 


So 20.1. 19:00 Uhr: Ivana & Vaclav

Helena Třeštíková

Ivana & Václav ist eine von 6 Langzeitbeobachtungen von jungen Ehepaaren, die die Dokumentarfilmerin Helena Třeštíková Anfang der 80er Jahre begonnen und Anfang des neuen Jahrtausends wieder aufgenommen hat. Entstanden ist eine außergewöhnliche Studie über das wechselvolle Leben ihrer Protagonisten und den Wandel der tschechischen Gesellschaft in den letzten 30 Jahren.

Wir lernen Ivana und Václav noch in der CSSR als ein verliebtes Paar von Architekturstudenten kennen, erleben sie aufgeregt bei ihren Diplomprüfungen und mit dem ersten Kind in der ersten gemeinsamen, kleinen Wohnung. Wir sind Zeuge ihres Aufbruchs in ein gemeinsames Leben. Der junge Mann präsentiert stolz die selbstgebaute Kücheneinrichtung, die junge zarte Frau bringt die Tochter in den Kindergarten, in ihrer knappen Freizeit malt sie Bilder, die sie später auf dem Markt verkauft. In der "neuen Zeit" – sie haben mittlerweile schon fünf Kinder, wohnen in der Vorstadt und sind echte workaholics - treten die beiden unerschrocken an, einen Traum in die Tat umzusetzen: Sie restaurieren ein Mietshaus im Stil der Neorenaissance im Zentrum von Prag und wollen dort den „größten europäischen Laden für Stühle“ eröffnen.

CS 1987 und CZ 2006 / 92 Min. / Blu-Ray / tschechische OF mit dt. UT / Dokumentarfilm

 


Mo 21.1. 19:00 Uhr: ... und es kommt noch schlimmer

Petr Nikolaev

…und es kommt noch schlimer handelt von Sex, Drugs and Rock ‘n‘ Roll im kommunistischen Nordböhmen der 70er Jahren. Einer Zeit nach der Zerschlagung des Prager Frühlings, in der alles im Grau versank. Dieser nach einem Kultroman von Jan Pelc gedrehte Spielfilm in s/w ist sicher einer der schönsten und kühnsten Filme, die in den letzten Jahren in der CR gedreht wurden. Olin, der sich die Pulsadern aufgeschnitten hat, um dem Militär zu entkommen, stürzt sich nach einem Aufenthalt in der Psychiatrie noch einmal in den Underground seiner Heimatstadt, ehe er am Ende beschließt, in den Westen zu fliehen. Unter den Ausgeflippten, Säufern, Obdachlosen und Freaks trifft er Olina wieder. Aber das heißt nicht, dass sie mit ihm schläft. Bier und Schnaps fließen in Strömen und es findet sich immer ein Keller, in dem man übernachten kann.…und es kommt noch schlimer „dokumentiert“ die weniger bekannte Phase der Normalisierung, in der der sogenannte „tschechische Underground“ für einige Wenige die einzige Hoffnung war. Ungeahnte Abgründe und eine ungeahnte, störrische Schönheit liegen in diesem Film nah beieinander.

CZ 2007 / 84 Min. / Blu-Ray / tschechische OF mit dt. UT / Spielfilm

 


Di 22.1. 19:00 Uhr: Der Heiratsvermittler

Erika Hníková

Von japanischen Dörfern hat man ja schon gehört, dass dort früher die Bürger über Lautsprecher aufgefordert worden sind, den Tag "fröhlich zu beginnen". Aber dass es in der Slowakei der Gegenwart ein Provinznest gibt, dessen Bürgermeister regelmäßig seine Schäfchen mit Aufforderungen zur Familiengründung beschallt, das ist ganz unglaublich. Das Örtchen Zemplínske Hámre ist durch die kontinuierliche Abwanderung seiner Einwohner existentiell bedroht, und der dortige Bürgermeister möchte sich nicht so leicht geschlagen geben. Er kämpft mit den verschiedensten Mitteln gegen schrumpfenden Einwohnerzahlen und die Einsamkeit der Dreißigjährigen: er offeriert für jedes neugeborene Kind einen nicht eben geringen Geldbetrag, regt - wie gesagt - über die örtliche Lautsprecheranlage zur Zeugung von Kindern an und veranstaltet letztlich sogar einen Kennenlern-Abend für Alleinstehende. Erika Hníková ist mit Heiratsvermittler ein wunderbarer Dokumentarfilm über das Leben in der mitteleuropäischen Provinz gelungen und zugleich eine Studie über die die Vor- und Nachteile des Single-Daseins.

CZ, SK, 2010 / 72 Min. / 35 mm / slowakische OF mit dt. UT / Dokumentarfilm

 

 

Mi 23.1. 19:00 Uhr: 80 Briefe

Václav Kadrnka

"Als Vasek morgens aufsteht, hat seine Mutter schon das Haus verlassen. Er läuft ihr hinterher und begleitet sie einen Tag lang dabei, alle notwendigen Papiere für einen Ausreiseantrag zusammenzubekommen. Mutter und Sohn wollen nach Großbritannien, wohin der Vater emigriert ist. Ausschnitte aus Briefen der Mutter an den Vater im Off geben Hinweise auf die Familiengeschichte und zeugen von der Verbundenheit zwischen den Eltern. Václav Kadrnkas Film trägt autobiografische Züge und ist historisch genau verortet: Er spielt am 29. März 1987 in der Tschechoslowakei. Die Farben, die Innenausstattung, die Drehorte sind mit Sinn für Details gewählt (...). Dennoch ist Osmdesát dopisůkein gewöhnlicher Geschichtsfilm, der Nachhilfeunterricht zu vergangenen Zeiten erteilt. Zwar gelingt es ihm mit einem außerordentlichen Gespür für Einstellungsgrößen, Bilddetails und Dauer sehr eindringlich, das Ausgeliefertsein an die Bürokratie spürbar zu machen. Doch darüber hinaus spricht er sehr sensibel von zwei Menschen an der Schwelle zu einem ungewissen Aufbruch mit allen damit verbundenen Unsicherheiten und Verlusten. Und diese Verknüpfung von historischer Präzision und persönlichem Erleben macht ihn zu einem Kunstwerk." (Katalog, Internationales Forum des Jungen Films, Berlinale 2011)

CZ 2011 / 75 Min. / 35 mm / tschechische OF mit dt. UT / Spielfilm

 

Deutschlandweit macht die Tour in Folgenden Kinos halt:

  • 24. - 30. 1. 2013 - WEIMAR - Mon Ami 
  • 29. 1. - 29. 3. 2013 - KARLSRUHE - Kinemathek
  • 17. - 27. 2. 2013 - NÜRNBERG - Filmhaus
  • März 2013 - WALDKREIBURG - Kulturamt
  • 20. 3.- 30. 4. 2013 - SAARBRÜCKEN - Kino Achteinhalb
  • Mai 2013 - FREIBURG - Koki
  • Mai 2013 - MÜNSTER - Cine K

 

 

Internet: www.filmcenter.cz

Internet: www.zoommedienfabrik.de