22.02.2015 08:00 sozial vorbestimmtes Schicksal

Bande de filles - realistisches Porträt einer energiegeladenen Teenagerclique aus der Pariser Banlieue

Bande de filles kino

Marieme lebt mit Mutter, älterem Bruder und zwei Schwestern in einem Betonklotz, leidet unter dem patriarchalischen Kodex der Pariser Vorstadt; (c) Peripher

Bande de filles filmBande de filles dramakino aktuellkinofilm aktuelldrama aktuell
Von: GFDK - Peripher/kino.de

Realistisches Porträt einer energiegeladenen Teenagerclique aus der Pariser Banlieue, die ihren eigenen Weg und Freiraum sucht.

Bande de filles demnächst im Kino

Fast könnte man schon von einem eigenen Genre bei den Filmen aus den Vorstädten mit ihren prekären Verhältnissen sprechen. Zu ihnen gehören Mathieu Kassovitz'"Hass", eine Fokussierung auf sozialen Realismus, oder Abdellatif Kechiches "L'Esquive" mit dem Schwerpunkt auf Sprache. Céline Sciamma konzentriert sich dagegen nicht auf Minderheitenprobleme und Ungerechtigkeit, sondern auf eine klassische Coming-of-Age-Geschichte in eben diesem nie geschönten sozialen Brennpunkt. Der Impuls für dieses Projekt kam von den Figuren selbst, die die Regisseurin in der Nähe eines Einkaufszentrums, der Metro und am Gare du Nord herumhängen sah und für ihren Film engagierte.

Marieme ist eine wie viele, sie wächst bei ihrer alleinerziehenden Mutter im Betonklotz mit zwei Schwestern und dem Bruder auf, der sich zum Herrn im Haus aufschwingt. Als sie drei andere farbige Mädchen kennen lernt und sich deren Gang anschließt, kommt Bewegung in ihr bis dahin nicht gerade aufregendes Leben. Unterwarf sie sich bisher widerwillig dem patriarchalischen Kodex sowie den Wertvorstellungen der Religion, realisiert sie plötzlich, es geht auch anders. Sie bewundert die sexy Coolness der neuen Freundinnen, die sich den Mund nicht verbieten lassen und ihr Ding durchziehen, inklusive Klamotten klauen. Marieme heißt jetzt "Vic" (von Victoire, Sieg) und die Parole lautet "du machst, was du willst". Raus aus der Vorstadt mit ihren festen Regeln geht's rein in die Lockungen von Paris und den Genuss kleiner Freiheiten.

Realistisches Porträt einer energiegeladenen Teenagerclique aus der Pariser Banlieue

Sciamma, deren Filme "Water Lillies" und "Tomboy" schon um das Thema Identitätsfindung kreisten, zeichnet die Suche nach sich selbst und Flucht aus einengenden Strukturen in episodenhafter Erzählweise. In einer Szene tanzen die Mädels selbstvergessen auf Rihannas Aufforderung "Shine like a diamond", ein Moment kollektiven Glücks mit Strahlwirkung, in dem die "girl group" die Wut, Kraft und Energie dieser Jugend ahnen lässt, die sich gegen ein sozial vorbestimmtes Schicksal wendet und einen eigenen Weg gehen wird. Die Wandlung Vics geschieht fast wie im Märchen, aus dem hässlichen Entlein wird nach einigen Anläufen ein Schwan. Sie trägt die Haare locker und provokative Kleidung. Dies und ihr offener Blick begleiten die Entwicklung zu einer komplexen Persönlichkeit. Gefilmt wurde in langen Plansequenzen und Kamerafahrten. Kamerafrau Crystel Fournier bleibt immer nahe an den Protagonisten, neue Gesichter, die mit ihrer Lebendigkeit dem Film einen starken femininen Schub verleihen. mk.

Kinostart: 26.2.2015