14.02.2014 08:30 Jetzt im Kino

30 Jahre nach dem Honeymoon: Ein zweiter Versuch für die Flitterwochen in "Le Weekend"

Film Le Weekend 1

Die dritte Zusammenarbeit zwischen Kureishi und Michell nach "Venus" und "The Buddha of Suburbia" über das Suchen und Wiederfinden der Liebe wärmt das Herz wie ein guter alter Cognac. © Prokino (Fox)

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Von: kino.de

Wenn sich zwei wie Erfolgsautor Hanif Kureishi ("Mein wunderbarer Waschsalon") und Roger Michell, unvergesslich seit "Notting Hill", zusammen tun, dann muss das Ergebnis super sein. Ist es auch. Auf Paris als Stadt der Liebe in rotem Zuckerguss und die alt bekannten Klischees oder auf Woody Allens Postkartenbilder verzichtet Michell großzügig. Die Metropole offenbart sich aus der Perspektive englischer Touristen als Gewirr von Straßen und Menschen.

Er lässt Nick und Meg in die französische Hauptstadt reisen, die ihrer Ehe nach 30 Jahren neuen Schwung geben möchten und ein Flitterwochen-Revival versuchen. Der Start ist holprig. Das einst romantische Hotel ist inzwischen eine Bruchbude, die Suite im Hotel viel zu teuer, sodass Megs Kreditkarte am Ende streikt und die Luxus-Bleibe durch den Hintereingang verlassen werden muss. Dazwischen liegt ein Wochenende voller Erinnerungen, ziemlich viel Zoff und eine emotionale Auffrischung mit Tücken. Man liegt sich in den Haaren und in den Armen.

Die dritte Zusammenarbeit zwischen Kureishi und Michell nach "Venus" und "The Buddha of Suburbia" über das Suchen und Wiederfinden der Liebe wärmt das Herz wie ein guter alter Cognac. Die Stärke in diesem sowieso starken Werk liegt in dem imponierenden Aufgebot an Schauspielern. Wenn Oscarpreisträger Jim Broadbent mit Charakterdarstellerin Lindsay Duncan alle Höhen und Tiefen durchleben, dann ist man mittendrin im Gefühlschaos, bibbert um ein Happy End. Wie Hefe im Teig wirkt der weltmännische und sehr amerikanische Jeff Goldblum als Nicks Freund aus Cambridge-Tagen.

Seine Figur provoziert die Katharsis der Endfünfziger in dieser tragikomischen und streckenweise sehr melancholischen Geschichte. Die Musik ist - wie der ganze Film - eine kleine Hommage an das französische Kino. So verwendet Komponist Jeremy Sams schon zu Beginn auf der Zugreise Musik von Miles Davis aus Louis Malles "Fahrstuhl zum Schafott", auch eine doppeldeutige Interpretation der folgenden Handlung. Im Fahrwasser eines pointierten Drehbuchs mit brillanten Dialogen und anrührenden Momenten, nimmt dieses Filmjuwel Kurs auf einen unvergesslichen Weekend-Trip, bei dem die Protagonisten ihre Lust an der Anarchie, auf das Leben und die Liebe wieder entdecken -und das alles mit britischem Humor und Understatement.

Filmhandlung & Hintergrund zu Le weekend

Eine britisches Ehepaar Ende fünfzig reist nach Paris, um nach 30 Jahren Ehe der Liebe neuen Schwung zu geben. Der Weekend-Trip verläuft anders als geplant. Das Hotel aus den Flitterwochen ist eine Bruchbude, die neue Luxusbleibe eigentlich unerschwinglich. Man zankt sich. Als dann noch Jeffs Freund aus Cambridge-Tagen auftaucht, spitzt sich die emotionale Lage zu, wird die sowieso schon fragile Beziehung auf eine schwere Probe gestellt.