18.05.2014 09:33 Die Ausweitung der Gürtellinie in unerforschte Gebiete

Zum Tod Maria Lassnig: Am Äquator - Erzählungen von Isolde Schaad

Maria Lassnigs Selbstportraet mit Affen aus dem Jahr 2001

Es war Isolde Schaad ein besonderes Anliegen, Maria Lassnigs Selbstporträt mit Affen auf dem Cover ihres jüngsten Erzählbandes Am Äquator abbilden zu dürfen (c) Limmat Verlag

Von: GFDK - Buch Contact

Seelenverwandtschaft wäre vielleicht ein zu großes Wort die Autorin Isolde Schaad und verstorbene große Künstlerin Maria Lassing zu beschreiben. Doch beide, die eine malend, die andere schreibend, versuchten und versuchen zu desillusionieren, uns dahin zu führen, wo man lieber wegschaut, zu Gefühlen, die weh tun, zum Innersten.

Nun ist also die große alte Dame der wienerischen Malerei, die jeden Schmäh auf Ihre Bilder weidlich auslebte und von deren Können Ausstellungen auf der documenta-Weltschauen und der Biennale in Venedig zeugten im Alter von 94 Jahren verstorben.

Doch wer der Intention ihrer Bilder in literarischen Texten nachspüren will, dem sei das erzählerische Werk Isolde Schaads, der wichtigen Schweizer Autorin der 68er Generation, empfohlen.

Auf dem Buchcover: Maria Lassnigs Selbstporträt mit Affen aus dem Jahr 2001

Worum geht es also in den Erzählungen von Isolde Schaad: Unser Grosshirn liegt näher an der Gürtellinie, als uns lieb ist. Wider alle Vernunft und Intellektualität: Es ist der Bauch, der unsere Geschichte erzählt. Sechs Erzählungen und acht Minigeschichten führen uns dorthin, wo wir nicht unbedingt hingewollt haben.

Ins Fettnäpfchen treten sie alle: Eine geschasste russische Tänzerin, ein verklemmter Restaurator, eine Feministin auf Abwegen. In besonderem Masse geraten eine hochgestimmte Professorin in spe sowie ein gutmeinender Forscher und glückloser Familienvater in die Fänge dessen, was man ahnungslos die ‹niederen Instinkte› nennt. Und jenseits des Wendekreises, in gefährlicher Nähe zum überhitzten Äquator, entbrennt eine im Feld gestählte IKRK-Delegierte leidenschaftlich für einen afrikanischen Arzt, der in den Untergrund geht. Isolde Schaad, bekannt für ihren Scharfsinn und Witz, gelingt mit ihrem neuen Buch ein erzählerischer Wurf, der in seiner Brisanz und Menschenkenntnis vieles, was heute im literarischen Trend liegt, hinter sich lässt.

Isolde Schaad wurde 1944 in Schaffhausen geboren und lebt als freie Schriftstellerin und Publizistin in Zürich. Zahlreiche Studienaufenthalte in Ostafrika, Nahost, Indien. Gastautorin einer amerikanischen Universität. Ihr Werk wurde mehrfach ausgezeichnet, 2014 mit der Goldenen Ehrenmedaille des Kantons Zürichs. Im Limmat Verlag sind zuletzt erschienen: Die Romane «Keiner wars» sowie «Robinson und Julia» und der Essayband «Vom Einen. Literatur und Geschlecht. Elf Porträts aus der Gefahrenzone».

Limmat  März 2014 presse@limmatverlag.ch, l.wigand@buchcontact.de