26.03.2014 08:25 posthum erschienen

Über Kunst und Künstler - Die Wiederkehr der Wunderkammer von Henning Ritter

Die Wiederkehr der Wunderkammer von Henning Ritter

Bild: The Archduke Leopold Wilhelm in His Gallery at Brussels by David Teniers the Younger (1610-1690) 1651. Kunsthistorisches Museum, Vienna, Hanser Verlag

Von: GFDK - Hanser Berlin

Am 17. März erschien das letzte Buch, das Henning Ritter, langjähriger Redakteur des Ressorts „Geisteswissenschaften“ in der F.A.Z., noch vor seinem Tod geschrieben hat.

Das Kunstmuseum, eine der erfolgreichsten Erfindungen der europäischen Kulturgeschichte, durchlief eine dramatische Entwicklung. An seinem Beginn stand die Auflösung der Wunderkammer fürstlicher Provenienz. Erst in der Zeit der Französischen Revolution, als Vandalismus die Kunst bedrohte und Napoleons Kunstraub Gemälde und Statuen aus ganz Europa nach Paris brachte, fand es im Louvre zu einer vorläufigen Form. Am Beispiel der Museumsinsel in Berlin zeigt Ritter schließlich die kontroverse Geschichte des Museumsgedankens selbst. So sollte ausgerechnet die Integration von Gegenwartskunst – in diesem Fall jener des späten 19. Jahrhunderts – dem Museum als Hort und Symbol der Vergangenheitsbewahrung neues Leben einhauchen.

Die Wunderkammer als Vorläufer des Museums

"Ein wunderbar flüssiger und schlüssiger Text, dessen Teile sich zwar wie Essays lesen lassen, aber erst im Zusammenhang die ganze Tiefe der Auseinandersetzung mit dem Stoff zu erkennen geben. (…) Als unermüdlichen Gesprächspartner und Anreger wird jeder seiner Freunde und Kollegen Henning Ritter im Gedächtnis behalten. Und als den großartigen Stilisten, als der er sich hier noch einmal erweist." Andreas Platthaus, Frankfurter Allgemeine, 05.03.14

Hennings Ritters posthum erschienener Band über die "Wiederkehr der Wunderkammer" wirft auch einen Blick auf aktuelle Ausstellungspolitiken. Die Wunderkammer als Vorläufer des Museums sei heute wieder aktuell, argumentiert der ehemalige Redakteur der "FAZ"

Henning Ritter hätte das nicht gewundert. Denn die Wunderkammer ist der Dreh- und Angelpunkt des modernen Kunstsystems, dessen Herausbildung der 1943 geborene und 2013 verstorbene, ehemalige Redakteur der “FAZ” in seinem postum erschienenen Buch über “Kunst und Künstler” nachzeichnet. (Deutschlandradio Kultur)

Henning Ritter, 1943 geboren, starb 2013 in Berlin. Von 1985 bis 2008 verantwortete er das Ressort Geisteswissenschaften der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Zuletzt veröffentlichte er Notizhefte (2010), für die er 2011 mit dem Preis der Leipziger Buchmesse ausgezeichnet wurde, Verehrte Denker (2013) und Die Schreie der Verwundeten (2013).

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