31.12.2014 08:58 Wohlstand und Ungleichheit

Spiegel-Bestseller 2014: Das Kapital im 21. Jahrhundert - wohin führt der Kapitalismus?

Bestseller von Thomas Piketty - Das Kapital

Das Werk "Das Kapital" von Thomas Piketty ist eines der am meisten diskutierten Bücher 2014 (c) C.H.Beck

Von: GFDK - C.H.Beck

"Das Kapital im 21. Jahrhundert" von Thomas Piketty, Star-Ökonom, der an der Paris School of Economics lehrt, ist eines der am meisten diskutierten Bücher in 2014. Ein Werk von außergewöhnlichem Ehrgeiz, von großer Originalität und von beeindruckendem Rigorismus. Es lenkt unser ganzes Verständnis von Ökonomie in neue Bahnen und konfrontiert uns mit ernüchternden Lektionen für unsere Gegenwart.

Wie funktioniert die Akkumulation und Distribution von Kapital? Welche dynamischen Faktoren sind dafür entscheidend? Jede politische Ökonomie umkreist die Fragen nach der langfristigen Evolution von Ungleichheit, der Konzentration von Wohlstand und den Chancen für ökonomisches Wachstum. Aber befriedigende Antworten gab es bislang kaum, weil geeignete Daten und eine klare Theorie fehlten. In "Das Kapital im 21. Jahrhundert" untersucht Thomas Piketty Daten aus 20 Ländern, mit Rückgriffen bis ins 18. Jahrhundert, um die entscheidenden ökonomischen und sozialen Muster freizulegen.

Die Reichen werden reicher, und die Armen bleiben arm

Seine Ergebnisse werden die Debatte verändern und setzen die Agenda für eine neue Diskussion über Wohlstand und Ungleichheit in der nächsten Generation. Thomas Piketty zeigt, dass das moderne ökonomische Wachstum und die Verbreitung des Wissens es uns ermöglicht haben, Ungleichheit in dem apokalyptischen Ausmaß abzuwenden, das Karl Marx prophezeit hatte. Aber wir haben die Strukturen von Kapital und Ungleichheit nicht in dem Umfang verändert, den uns die optimistischen Jahrzehnte nach dem Zweiten Weltkrieg suggeriert haben.

Der Haupttreiber der Ungleichheit

Dass Gewinne aus Kapital höher sind als die Wachstumsraten - droht heute vielmehr extreme Formen von Ungleichheit hervorzubringen, die den sozialen Frieden gefährden und die Werte der Demokratie unterminieren. Doch ökonomische Trends sind keine Handlungen Gottes. Politisches Handeln hat ökonomische Ungleichheiten in der Vergangenheit korrigiert, sagt Piketty, und kann das auch wieder tun.

Auseinanderdriften in der Vermögensverteilung

Thomas Piketty geht von historischen Tendenzen aus, die besagt, dass die Kapitalrendite größer ist als die Wachstumsrate. Dies führt dazu, dass es bei einem ungleich aufverteilten Vermögen, es zu einem automatischen Auseinanderdriften in der Vermögensverteilung kommt - Voraussetzung ist natürlich, dass die Sparquote der Vermögenden ausreichend hoch ist. Das Dilemma: nur mit Arbeit und ohne Vermögen wird es nicht möglich sein, die bereits Vermögenden mit ihrem wachsenden Einkommen, einzuholen.

Politische Lösungsvorschläge

Um die Endlosspirale der Ungleichheit zu stoppen, schlägt Thomas Piketty in seinem Buch die Einführung einer globalen progressiven Vermögenssteuer bzw Kapitalsteuer vor. Weitere Möglichkeiten wie die Beschränkung der Einrichtung von Steueroasen gehören seiner Meinung nach auch dazu.


C.H.Beck: 4te Auflage: 22. Dezember 2014