06.07.2012 07:04 weise und voll zärtlichem Humor

Jetzt als Taschenbuch: Das grosse Haus von Nicole Krauss - Eine Odyssee rund um die Welt

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Von: rowohlt

Einsamkeit und Erinnerung, Verlust und Vergessen – das sind die Themen der New Yorker Schriftstellerin Nicole Krauss, 36. Das große Haus, ihr dritter Roman, zeichnet die Odyssee eines alten Schreibtischs durch die halbe Welt nach. 1944 von den Nazis bei einem jüdischen Gelehrten in Budapest erbeutet, spiegelt der Weg dieses Möbels die Dramen und Tragödien des vergangenen «Jahrhunderts der Extreme».
«Wie Krauss aus dem mit unterschiedlichsten Biographien und Erinnerungen verknüpften Möbelstück einen Erzählgenerator macht; wie sie immer neue Erzählstimmen entwirft, die um ihn buhlen, seinen Besitz beanspruchen oder auf ihn eifersüchtig sind, weil geliebte Menschen von diesem Schreibtisch einfach nicht wegkommen – das ist atemberaubend» (Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung). «Untröstlich sieht man sich irgendwann gezwungen, die letzten Seiten umzublättern. Und während sich, eines nach dem anderen, die zahlreichen Rätsel dieses Romans enthüllen, staunt man darüber, wie ein stummes, hölzernes Möbel zur Metapher des Lebens werden kann.» (Elle)


Schon ihre ersten beiden Romane Kommt ein Mann ins Zimmer (2001) und Die Geschichte der Liebe (2005) sind von Krauss’ Lust am Experimentieren mit der Form geprägt, zu deren literarischen Fixsternen nicht zufällig Thomas Bernhard, Bruno Schulz und Jorge Luis Borges zählen. Komplexe Zusammenhänge bilden sich bei ihr kaleidoskopartig; es ist ein ganz anderer Zugang zum literarischen Material als der tiefenscharfe epische Panoramablick eines Jonathan Franzen. Die Geschichte in Das große Haus fächert sich in vier thematisch verbundene Erzählkomplexe auf, die sich je einmal wiederholen. Vier Ich-Erzähler, vier Erzählstränge. Zwei spielen in London (zu unterschiedlichen Zeiten), eine in New York, eine in Jerusalem. Alle Geschichten kreisen um die Last vergangener Traumata, um die Weitergabe von Erinnerungen und Erfahrungen an die nächste Generation, um die untergründig-geheimen Kräfte, die ein Leben lenken.

Mit dem Titel des Romans hat es eine besondere Bewandtnis. «Das Große Haus», benannt nach dem biblischen Buch der Könige, so hieß die vor zwei Jahrtausenden von Rabbi Joachanan ben Zakkal gegründete Schule, die er nach der Zerstörung Jerusalems durch die Römer – die jüdische Urkatastrophe – in Javne aufbaute. Die Frage, was ein Jude ohne Jerusalem sei, beantwortete der Schriftgelehrte auf seine Weise: «Verwandle Jerusalem in eine Idee. Verwandle den Tempel in ein Buch, ein Buch, das so groß, so heilig und so komplex ist wie die Stadt selbst. Schare ein Volk um die Gestalt des Verlustes, den es erlitten hat, und lasse alles dessen abwesende Form spiegeln.»

Nadia und der chilenische Dichter

Winter 1972. Die New Yorker Schriftstellerin Nadia wird von einem Freund angerufen. Dieser weiß, dass sie nach der Trennung von ihrem Exmann in einer fast leeren Wohnung lebt. Ob sie die Möbel eines jungen Dichtern übernehmen wolle, Daniel Varsky, der zurück in seine chilenische Heimat gehe? Als sie den mehr als zwanzig Jahre jüngeren Chilenen trifft, entspinnt sich ein leidenschaftliches Gespräch über Politik und Poesie. Rilke, Auden, Yeats, Neruda. Heimat und Exil, Chile, die Gefahr eines Militärputschs gegen Allende. Von ihm übernimmt sie das Möbelstück, das für Jahrzehnte ihr treuester Begleiter werden wird: ein Schreibtisch von riesenhaften Ausmaßen, 19 Schubladen, eines davon ein verschlossenes Geheimfach.

Woher der Tisch kam,, das hat Varsky nicht erzählt. Eineinhalb Jahre später ist er tot, verschleppt, gefoltert und liquidiert von Pinochets Geheimpolizei,. Albträume treiben Nadia um, sie diffuse Schuldgefühle quälen sie. An dem Schreibtisch entsteht ihr erster Roman, weitere folgen. Bis im März 1999, ein halbes Leben später, eine junge Frau anruft und fragt, ob sie noch jenen alten Schreibtisch besitze. Ihr Name sei Leah Weisz, sagt die Unbekannte, Varskys Tochter.

Kaum hat Leah den Schreibtisch abholen lassen, stürzt Nadia in eine Schaffenskrise. Nichts, was sie schreibt, ist ihr gut genug, schlimmer noch, alles, was sie je schrieb, kommt ihr hohl und belanglos vor. Als sie mit ihren Kräften am Ende ist, bricht sie nach Jerusalem auf, wo sie Daniels Schreibtisch vermutet. Aber der hat das Lagerhaus in New York nie verlassen, in dem ihn Leah Weisz zur Zwischenlagerung abstellen ließ.

 

Pressestimmen

"Untröstlich sieht man sich irgendwann gezwungen, die letzten Seiten umzublättern. Und während sich, eines nach dem anderen, die zahlreichen Rätsel dieses Romans enthüllen, staunt man darüber, wie ein stummes, hölz ernes Möbel zur Metapher des Lebens werden kann." (Elle)
"Dieses Buch ist ein Hochseilakt. Nur wurde der Draht durch einen blanken Nerv ersetzt, und man hält den Atem an und stellt staunend fest, dass Krauss nicht abstürzt." (The New York Times)

 

Juli rororo

 

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