04.03.2014 08:42 Reise in die Gewalt des 20. Jahrhunderts

Buch: Parallelgeschichten - Péter Nádas legt sein Opus maximum vor

Parallelgeschichten - Péter Nádas legt sein Lebenswerk vor

Der ungarische Schriftsteller Péter Nádas legt mit den „Parallelgeschichten“ sein Lebenswerk vor (c) Rowohlt

Von: GFDK - Rowohlt

Zwanzig Jahre nach seinem international gefeierten Buch der Erinnerung legt Péter Nádas sein Opus maximum vor.

Das düstere Geheimnis einer Familie

Als die Parallelgeschichten 2005 in Ungarn erschienen, wurden sie als ein «Krieg und Frieden des 21. Jahrhunderts» begrüßt. 1989, im Jahr des Mauerfalls, findet der Student Döhring beim Joggen im Berliner Tiergarten eine Leiche. Mit dieser kriminalistischen Szene beginnt der Roman, eröffnet zugleich aber auch die weitgespannte Suche nach dem düsteren Geheimnis einer Familie.

Panorama europäischer Geschichte

Es ist die Geschichte der Budapester Familie Demén und ihrer Freunde, deren persönliche Schicksale mit der ungarischen und deutschen Vergangenheit verknüpft werden. Die historischen Markierungen sind die ungarische Revolution 1956, die nachrevolutionäre Zeit, der ungarische Nationalfeiertag am 15. März 1961 und, rückblickend, die Deportation der ungarischen Juden 1944/45 und die Vorkriegszeit der dreißiger Jahre in Berlin. Der Roman entwirft ein Panorama europäischer Geschichte, in einer überwältigenden Fülle von Geschichten, die keine realistische Konstruktion zu einer Story vereinen könnte.

Menschliche Komödie oder menschliche Tragödie?

Die eine große Metaerzählung des Romans jedoch bilden die Geschichten der Körper, die für Nádas zum Schauplatz der Ereignisse werden. Der männliche und weibliche Körper und seine Sexualität prägen die Lebenswirklichkeit der Personen, sie sind das «glühende Magma», das «in der Tiefe ihrer Seele oder ihres Geistes ruhende Zündmaterial», das die Parallelgeschichten zur Explosion bringt. Aufgrund seines analytischen Scharfblicks und der Kraft seiner Personengestaltung stellt die internationale Kritik Péter Nádas neben Proust. Wenn dessen großer Roman am Beginn einer literarischen Moderne steht, dann mag diese in den Parallelgeschichten ihre Vollendung finden.

Jetzt im Buchhandel

Péter Nádas ist 1942 in Budapest geboren, er ist Fotograf und Schriftsteller. 1967 veröffentlichte er einen ersten Band mit Erzählungen. Sein erster Roman, «Ende eines Familienromans» (1979), wurde in Ungarn erst Jahre nach seiner Vollendung publiziert, da Nádas der Zensur als unerwünschter Autor galt. 1986 erschien sein opus magnum «Buch der Erinnerung». Nádas wurde u.a. mit dem Österreichischen Staatspreis für Europäische Literatur (1991), dem Kossuth-Preis (1992), dem Leipziger Buchpreis (1995), dem Franz-Kafka-Literaturpreis (2003) sowie dem Verdienstorden der Republik Ungarn ausgezeichnet. Er lebt in Budapest und Gombosszeg.

Pressestimmen zum Roman Parallelgeschichten

Schrecklich und schön ist das Labyrinth seines Buches und die Lektüre ein Rausch ohne Ende. (Neue Zürcher Zeitung)

Ein großartiges Buch, leicht zu lesen und kaum auszuschöpfen. (Frankfurter Allgemeine Zeitung)

Ein Meisterwerk, das Worte für etwas findet, das keine Sprache hat: Sexualität. (Der Spiegel)

Wer von der Literatur erwartet, dass sie uns Geschichten vom ganzen Menschen erzählt, wie er durch die Zeit geht, der greife nach diesem Buch: Es gehört zu denen, die bleiben werden. (Süddeutsche Zeitung)

In der literarischen Landschaft von heute ist dieses Buch ein Gigant. Wer es gelesen hat, ist nicht mehr derselbe. (Die Zeit)


Rowohlt; Auflage: 4 (16. Februar 2012)