16.03.2015 08:27 liebesgeschichte

Buch: Judas - Amos Oz´ neue Meisterleistung - behandelt die Gründung des modernen Staates Israel

Buch Judas - Amos Oz

Gemeinsam mit seinem Protagonisten prüft Amos Oz mutig die Entscheidung, einen Judenstaat zu errichten, samt den Kriegen, die sie zur Folge hatte (c) Suhrkamp

Von: GFDK - Suhrkamp Verlag

Das Leben des jungen Schmuel Asch ändert sich im Winter 1959 von Grund auf: Seine Freundin verlässt ihn, seine Eltern melden Konkurs an, und er muss sein Universitätsstudium abbrechen. Verzweifelt findet er Unterschlupf und Arbeit in einem alten Jerusalemer Haus als Gesellschafter für einen behinderten, rhetorisch gewandten Mann.

Als Schmuel sein neues Domizil bezieht, begegnet er der schönen und aufregenden Atalja Abrabanel, die beinah doppelt so alt ist wie er. Sie macht ihm unumwunden klar, dass es besser wäre, sich nicht in sie zu verlieben, andernfalls würde er seinen Arbeitsplatz sofort verlieren, wie alle seine Vorgänger. 

Amos Oz schreibt über Israel

Die drei Protagonisten des Romans wohnen zurückgezogen in dem Steinhaus am Rand der Stadt, und zunächst scheint es, als führten sie ein ruhiges Leben. Im Innern des schüchternen und sensiblen Schmuel bricht ein Sturm los. Die Begierde nach Atalja und seine Neugier wandeln sich langsam in eine verzweifelte Verliebtheit. Er beginnt wieder sich mit seiner Forschungsarbeit über »Jesus in der Perspektive der Juden« zu beschäftigen und verliert sich in dem geheimnisvollen Sog, den Judas Ischariot, die Verkörperung des Verrats und der Niedertracht, auf ihn ausübt. Und allmählich entschlüsselt er die Geheimnisse, die in diesem dunklen und einsamen Haus geistern und in die seine Bewohner auf dunkle Art verstrickt sind.

Jetzt im Buchhandel

In diesem Roman kehrt Amos Oz zum Milieu einiger seiner bekanntesten Bücher wie Mein Michael und Eine Geschichte von Liebe und Finsternis zurück, in das geteilte Jerusalem der fünfziger Jahre. Die zarte, wilde Liebesgeschichte ist eingebettet in die Landschaft der winterlichen Stadt und in die Ereignisse am Ende der Regierung Ben Gurion. Gemeinsam mit seinem Protagonisten prüft Amos Oz mutig die Entscheidung, einen Judenstaat zu errichten, samt den Kriegen, die sie zur Folge hatte, und stellt die Frage, ob man einen anderen Weg hätte gehen können, den Weg derer, die als Verräter gelten.

Über den israelischen Schriftsteller Amos Oz

Amos Oz wurde am 4. Mai 1939 als Amos Klausner in Jerusalem geboren und verbrachte dort seine Kindheit. 1954 trat er dem Kibbuz Chulda bei und nahm den Namen Oz an, der auf hebräisch Kraft, Stärke bedeutet. Von 1960 bis 1963 studierte er Literatur und Philosophie an der Hebräischen Universität von Jerusalem und kehrte nach seinem Bachelor-Abschluss in den Kibbuz zurück. Seit dem 6-Tage-Krieg ist er in der israelischen Friedensbewegung aktiv und befürwortet eine Zwei-Staaten-Bildung im israelisch-palästinensichen Konflikt. Er ist Mitbegründer und herausragender Vertreter der seit 1977 bestehenden Friedensbewegung Schalom achschaw (Peace now). Seit 1987 lehrt er Hebräische Literatur an der Ben-Gurion Universität von Negev, Beesheba. Die Werke von Amos Oz wurden in 37 Sprachen übersetzt. Er hat zahlreiche Preise und Auszeichnungen erhalten.

Mirjam Pressler, geboren 1940 in Darmstadt, ist eine der namhaftesten Übersetzerinnen des Hebräischen. Sie hat Werke von Aharon Appelfeld, Lizzie Doron, Batya Gur und David Grossman übersetzt. Ihre große, sprachlich wie literarisch weite Erfahrung ist von größtem Wert auch für die Erschließung der israelischen Lebenswelt, wie Amos Oz sie überliefert.

Pressestimmen zu Judas

»»Amos Oz gehört zu den großen Schriftstellern der Weltliteratur.««
Süddeutsche Zeitung

»Amos Oz ist ein Meister des Erzählens.«
Neue Zürcher Zeitung

» ... eine bezaubernde Geschichte über die Liebe in ihren verschiedenen Spielarten und die nicht enden wollende Suche danach.«
Katharina Stegelmann, KulturSpiegel März 2015

»Was nach einer trockenen Abwägung politischer Konzepte klingen könnte – Amos Oz' Roman ist deren genaues Gegenteil: Etwas Stürmendes und Intensives ist ihm eigen, etwas mal Lustvolles, mal Verzweifeltes, mal Komisches, dann wieder Tragisches, immer wieder und vor allem aber Überraschendes. Judas schließt uns die Geschichte des Landes von innen her …«
Frauke Meyer-Gosau, Literaturen Frühjahr 2015

 

»Ein packendes und kluges Buch, das auch innerisraelische Kontroversen um den Akt der Gründung des modernen Staates Israel verhandelt.«
Tobias Schwartz, zitty 6/2015

» ... Amos Oz ist mit Judas ein reifes Meisterwerk gelungen – ein Roman voller Weisheit und melancholischem Humor, mit runden, glaubhaften Figuren, die einem beim Lesen immer mehr ans Herz wachsen; ein Buch, in dem man wohnen will.«
Hannes Stein, Die Literarische Welt 07.03.2015

 

» ... ein leuchtender Roman. Reich in vielerlei Hinsicht. Melancholisch und auch komisch, anregend und anrührend. Und geschmeidig ins Deutsche übertragen von Mirjam Pressler.«
Martin Oehlen, Frankfurter Rundschau 07.03.2015

»… was bedeutet diese Erzählung über Zweifel am Konzept der Staatsgründung und über Judas …? Oz gibt mit der Form des Romans eine Antwort. Den mag er nicht verstanden wissen als Intervention im politischen Streit. Die so mutige wie dramatisch inszenierte künstlerische Auseinandersetzung appelliert an die Fantasie, den idealistischen Verrat als radikale Abweichung vom Mainstream zu denken.«
Stephan Lohr, SPIEGEL ONLINE 03.03.2015

Suhrkamp Verlag 7. März 2015