13.06.2012 07:05 anläßlich der Ausstellung im Haus Esters bis 19.8.2012

Buch: Fabián Marcaccio spricht über sich und sein Werk in Krefeld „Some USA Stories“

Fabian Marcaccio im Gespräch mit Dr. Martin Hentschel, Leiter der

Kunstmuseen Krefeld, im Museum Haus Esters. Foto: Stadt Krefeld, Presse und

Von: Stadt Krefeld

„Die Themen kommen zu mir, ich suche sie nicht“, antwortet Fabián Marcaccio auf die Frage von Dr. Martin Hentschel, Leiter der Kunstmuseen Krefeld, ob er seine Serie „Some USA Stories“ weiterführen werde. In der Tat haben den Wahl-New-Yorker wohl schon neue Themen berührt: Er setzt den 2011 eigens für das Haus Esters geschaffenen Zyklus bereits fort. In welchem Umfang, das sei noch offen. Bei einem Talk in der Mies-van-der-Rohe-Villa sprach der 48-Jährige nun über seine Arbeit und seine Auseinadersetzung mit der „dunklen Seite“ seiner US-amerikanischen Heimat.


Erstmalig zeigt der gebürtige Argentinier diese Arbeiten überhaupt in einem Museum. Zeitgleich präsentiert das Lehmbruck-Museum in Duisburg weitere Arbeiten. Diese sogenannten „Structural Canvas Paintants“ stehen als Objekte frei im Raum. Sie basieren immer auf einer textilen Grundstruktur: „Ich mache aber keine Skulpturen, sondern Malerei“, betont Marcaccio. Seine Arbeiten in Krefeld nennt er „rope paintants“, die mit einer gänzlich neuen Technik anfertigt. Hier fügt er bunte, farbenprächtige Silikone in eine grobmaschige Grundstruktur aus Seilen und Kordeln, die wie die Vergrößerung einer Leinwand aussehen. Die Silikonmasse ragt zum Teil auch in den Raum hinein, verlässt aber ihren Rahmen nicht.


Mit viel Engagement und mit reichlich Einsatz seiner Hände berichtet Fabián Marcaccio über seine Arbeit in New York. Ob er nicht Angst habe, mit seinem einzigartigen Stil kopiert zu werden? „Wenn Du nicht kopiert werden willst, arbeite so schwer, dass du nicht kopiert werden kannst“, sagt er mit einem Lachen. Aus seiner Technik macht er indes kein Geheimnis. Im Katalog beschreibt er sie in einer Art Rezept.

 

Als Martin Hentschel den Künstler vor zwölf Jahren in Stuttgart ausstellte, hatten seine Bilder noch eine gänzlich andere Form: digitale Werke, mit Malerei kombiniert. „Alle meine Arbeiten besitzen eine Beziehung zueinander, sie beschreiben eine Entwicklung“, so Marcaccio. Und so transformierte er beispielsweise digitale Seile in reale Seile bei den Krefelder Werken, jedoch mit dem gemeinsamen Hintergrund als Symbol der Vernetzung durch das World Wide Web. Und sie dienen ihm heute als Metapher, als bildlicher Vergleich, unter anderem, um eine Spannung zu unterstreichen wie in dem Werk „Eric & Dylan“. Wie Marionetten hängen die toten Jungen an diesen Seilen – es sind die beiden Attentäter des Amoklaufes an der Columbine Highschool im Jahr 1999. Diese Arbeit, „Eric & Dylan“, steht auf Ankaufwunschliste der Kunstmuseen Krefeld.


Marcaccio stellt in seinen „Some USA Stories“ immer aktuelle oder historische Bezüge zur US-amerikanischen Geschichte und ihren Protagonisten her. Es sind die unangenehmen, nicht offen ausgesprochenen dunklen Seiten der Weltmacht, die Momentaufnahme des Bösen. In seinen Bildern finde sich ein gemeinsames Gefühl, eine Empfindung für einen Umstand, ein Ereignis, dessen grundlegende Informationen im kollektiven Gedächtnis lägen. Seine Werke seien Symbole, an denen er die Realität fixiert, meint der 48-Jährige. „This is it“ mit der Figur Michael Jackson stehe so für die gesamte, knallharte Popmusik-Industrie.


Für das Gespräch über philosophische und kunstgeschichtliche Grundlagen seiner künstlerischen Arbeit und die Katalogpräsentation reiste Marcaccio für einige Tage eigens aus New York an. Jetzt erschien im Kerberverlag auch der Katalog zur Ausstellung. Er versammelt zu Aufnahmen der einzelnen Werke jeweils vier Detailaufnahmen und zeigt auch den Bezug der zwölf „Some US Stories“ zu der Museumsarchitektur. Martin Hentschel verfasste einen Text über Marcaccios Arbeiten. „Alle Künstler, die hier ausstellen, schätzen die Aufnahmen ihrer Werke in den Räumen. Denn das ist einzigartig“, betont Hentschel. Lediglich das Bild „Militia“ im Katalog konnte wegen seiner Größe nicht ausgestellt werden. Es zeigt eine christlich, fundamentalistische Familie mit selbstausgestellter Lizenz zum Töten und reiht sich somit in die kritische Auseinanderssetzung Marcaccios mit seiner Wahlheimat ein.
Der Katalog kostet an der Museumskasse 25 Euro, im Buchhandel 36 Euro. Die Ausstellung und der Katalog werden unterstützt durch die Kunststiftung des Landes NRW. Die Ausstellung „Some USA Stories“ ist noch bis zum 19. August im Haus Esters, Wilhelmshofallee 91-97, in Krefeld zu sehen. Anschließend werden sechs Werke Marcaccios in Magdeburg ab Oktober in der Ausstellung „Heute. Malerei“ zu sehen sein. „Langfristig soll der Zyklus auch in den USA ausgestellt werden“, so Hentschel. Aufgrund der Themen könne es jedoch schwierig sein, dort einen Ausstellungsort zu finden. In seinem New Yorker Atelier habe Marcaccio Freunden und Bekannten aber schon einige der Krefelder Bilder gezeigt – die Reaktionen seien eindeutig gewesen. „Die Betrachter lieben oder hassen meine Arbeiten. Es gibt für sie kein vielleicht“, sagt Marcaccio.


Quelle: Stadt Krefeld
nachrichten@krefeld.de

Weiterführende Links:
Ausstellung „Fabian Marcaccio. Some USA Stories“, 18. März bis 19. August 2012, Kunstmuseen Krefeld, Museum Haus Esters
http://www.kunstmuseenkrefeld.de/