07.07.2012 07:14 "kettenrauchende Meerfrau mit Engelhaar"

Buch: Die Radiofamilie von Ingeborg Bachmann - gibt Einblick in ein Kapitel ambitionierten Nachkriegsradios

(c) Suhrkamp Verlag

Von: Suhrkamp Verlag

Als Sekretärin beginnt die »kettenrauchende Meerfrau mit Engelhaar« 1951 im amerikanischen Besatzungssender Rot-Weiß-Rot in Wien. Ingeborg Bachmann, so der Name der jungen Frau, sorgt für Aufsehen und avanciert noch im Herbst desselben Jahres zur Script-Autorin. Sie wird für die nächsten beiden Jahre das Hörspielprogramm des Senders prägen und die Radiofamilie Floriani zur beliebtesten Sendung der Nachkriegszeit machen.


Sie sind bürgerlich und verschroben, die Florianis: Da ist Hans, der Paterfamilias, Oberlandesgerichtsrat und ehrenhaft bis in die Knochen. Von den rotzfrechen Kindern wird er um den Finger gewickelt: »Ich bin eine komische Figur in meiner Familie«, beklagt er sich bei seiner Frau Vilma, Generalstochter aus dem Ersten Weltkrieg, »also ein bisserl etwas Höheres«. Dann ist da noch Onkel Guido, der Nazi war, aber ein kleiner, der sonst nichts angestellt hat. »Nur ein Trottel, der auf den Hitler hereingefallen ist.« Woche für Woche verhandeln sie mit viel Witz und Ironie das große und auch das kleine Weltgeschehen.

Pressestimmen (gebundene Ausgabe):

»Was sofort ins Auge fällt: wie unglaublich geschickt die Serie konzipiert war. Und wie sicher Ingeborg Bachmann das Fach beherrschte, von Anfang an. Ihre Kollegen sprechen im Rückblick sogar von ›Genie‹.«

(Ina Hartwig Die Zeit )

»Mit ironischem Witz verhandeln [die Skripte einer Rundfunkserie] Entnazifizierung und beginnenden Wiederaufbau. Eine frühe Polit-Soap.«

(Focus )

»… die Texte sind hochvergnüglich, pointiert und streckenweise von geradezu kabarettistischer Qualität. .. Insgesamt bilden diese Texte, die Herausgeber Joseph McVeigh in seinem informativen Nachwort in das Gesamtwerk Bachmanns einordnet, ein sehr reizvolles Stück, das die Zeit – immerhin 60 Jahre – schadlos überstanden hat. Mit Scharfsinn und kritischem Geist verfolgt Bachmann die Strömungen der Zeit, mit wachem Sinn auch für die Ironie, die oft in den Dinge liegt, und ohne Scheu vor bösem Spott.«

(Roger Anderegg SonntagsZeitung )

»Die treffsichere Alltagssprache ist einmalig in Bachmanns Werk und lässt Die Radiofamilie als heiteres Gegenstück zum Nachkriegsfilm ›Der dritte Mann‹ erscheinen. … Das Heitere sollte im späteren Werk der Dichterin allerdings nicht mehr vorkommen. … Dennoch ist die Soap Opera im Werk der Bachmann kein Ausrutscher, sondern der Versuch, dem Gewicht der Welt mit Leichtigkeit beizukommen.«

(Susanne Schanda Neue Zürcher Zeitung am Sonntag )

»Diese Radioskripte sind deshalb wichtig: Sie zeigen uns jene tief erschütternde Schriftstellerin plötzlich als heitere Frau … Ingeborg Bachmann als Mensch, nicht als Standbild, das tut gut.«

(Simone Dattenberger Münchner Merkur )

»…immer mehr apokryphe Schriften der großen ätherischen Dichterin [kommen] ans Tageslicht. Texte, die ihre spätere Selbstzensur nicht passieren durften. Aber wenn sie so schön sind wie die nunmehr aufgefundenen Funkmanuskripte, akzeptieren wir diese Selbstzensur und ahnen, dass das Ätherische dieser Dichterin dadurch nur noch gesteigert werden kann.«

(Helmut Böttiger Süddeutsche Zeitung )

»… wie sie sich mit leichter Hand eine Wiener Tradition des humoristischen und satirischen Schreibens aneignet, ist jenseits der verhandelten zeitgeschichtlichen Probleme interessant und auch für den heutigen Leser noch vergnüglich.«

(Friedmar Apel Frankfurter Allgemeine Zeitung )

»Die Lektüre lohnt auf jeden Fall. Denn umgekehrt ist es auch dem Namen Ingeborg Bachmann zu verdanken, dass wir einen Einblick in ein Kapitel ambitionierten Nachkriegsradios bekommen.«

(Judith von Sternburg Frankfurter Rundschau )

»Beim Lesen der Radiofamilie sind laute Lacher ständige Begleiter. Und das liegt an der Drolligkeit und schrulligen Liebenswürdigkeit der durchaus plump bürgerlich auftretenden Florianis.«

(Astrid Kaminski Berliner Zeitung )

»Ingeborg Bachmanns Radio-Seifenoper-Folgen sind eine vergnügliche Lektüre, die zwar Bezüge zu ihrem späteren literarischen Werk und wohl auch zu ihrer Biografie entdecken lässt. Zuallererst aber zeigt sie das Geschick der Autorin, Wiener Lebensalltag nach 1950 in kleine Szenen zu fassen und so Jahrzehnte später das Aroma jener Jahre noch nachschmecken zu lassen.«

 

Suhrkamp Verlag; Auflage: 1 (18. Juni 2012)

 

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