13.11.2013 08:31 ein poetischer roman

Buch: Der einsame Junge und das Moor - Gunther Geltinger schreibt über die Sprachlosigkeit

Roman von Gunther Geltinger Moor

Was Menschen tun, um der Einsamkeit zu entkommen, davon erzählt Gunther Geltinger in seinem Roman

Von: GFDK - Suhrkamp

Er ist dreizehn und wächst ohne Vater auf. Er stottert und heißt wie kein anderes Kind im Dorf, in der Schule: Dion. Dion Katthusen, Außenseiter unter den Gleichaltrigen, Einzelkind, Libellensammler in einer Moorlandschaft voller Mythen und Legenden. Am Ende seiner Kindheit erzählt er seine Geschichte: von der Sehnsucht nach einer intakten Sprache, vom Verhältnis zu seiner Mutter, einer erfolglosen Malerin, die ihr Scheitern in der Kunst und im Leben mit ihrer grenzüberschreitenden Liebe zum Sohn kompensiert. Doch wie der morastige Boden am Rand des norddeutschen Dorfes, in dem er aufwächst, ist auch Dions Sprache voller Löcher und Spalten. Unfähig, erzählend das Chaos in ihm und um ihn zu ordnen, leiht er seine Stimme einem Gegenüber, das ihm von allen am nächsten scheint: seiner Kindheitslandschaft. Und lässt so das Moor für ihn sprechen.

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Was Menschen tun, um der Einsamkeit zu entkommen, wie sie andere verletzen, um die eigene Versehrtheit an Körper und Seele auszuhalten, und was sie dabei der Liebe zumuten und abverlangen, davon erzählt dieser Roman – sprachmächtig, bildmächtig, kühn; und mit einer den Naturgewalten abgelauschten Erzählerstimme, die dem Leser buchstäblich den Boden unter den Füßen entzieht.

Moor ist sein zweiter Roman

Gunther Geltinger wurde 1974 in Erlenbach am Main geboren und lebt heute in Köln. Er studierte Drehbuch und Dramaturgie an der Universität für Musik und Darstellende Kunst in Wien und an der Kunsthochschule für Medien in Köln. Sein von der Kritik gefeiertes Debüt Mensch Engel erschien 2008; Moor ist sein zweiter Roman.

Aus dem Buch

»Du willst nur noch in den Geräuschen des Moores sprechen, mit meinen Stimmen dein Schweigen durchbrechen, flüsternd bei Regen, brüllend im Sturm, und wenn du dich doch an einem Wort feststotterst, hören die anderen von dir nur ein Pladdern in den Traufen oder das leise Knacken der Tothölzer draußen im Bruch.«

»Der Buchstabe K war schon immer dein größter Feind, ein Vierzack mit scharfer Klinge, und in seinem unmittelbaren Gefolge steht das D, das so dick und rund daherkommt und dir doch im Hals feststeckt: Dion Katthusen, ein Massaker.«

Pressestimmen

»Er [Gunther Geltinger] macht mit einem absoluten Gehör für die emotionalen Zwischentöne und die unfreiwilligen Selbstbetrugsepisoden unserer seelischen Landschaften auch eine Geschichte erzählbar, die sich eigentlich nicht erzählen lässt. Das ist etwas, das nur hohe Literatur kann.«

Daniel Schreiber, Die Zeit

 

»Mit großer Einfühlung hat Gunther Geltinger den schwierigen, fast unlösbaren Konflikt beschrieben, den die Abnabelung von Marga und ihrem Sohn Dion beherrscht und den Weg in die Autonomie beider behindert. ... Ihm ist ein sprachmächtiges, radikales Buch gelungen.«

Henning Burk, 3sat Kulturzeit

»Denn der Roman Moor ist auch ein Lied zum Lob der Natur, zum Lob des Körpers. In den sensiblen, poetisch inspirierten Schilderungen von Libellen und Eulen, von Wetter und Licht, von den Geheimnissen des sich verwandelnden Körpers liegt eine fragile Schönheit.«

Sabine Peters, Deutschlandfunk

»Ein Roman, der die Kraft einer griechischen Tragödie hat.«

Brigitte Jähnigen, Stuttgarter Nachrichten

»Dieser ambitionierte, kunstvolle, originelle und schonungslose Roman erzählt Dions Sehnsucht nach einer intakten Sprache. Er tut das in einem ganz eigenen, unverwechselbaren Ton.«

Dirk Kruse, Bayerischer Rundfunk

»Wie ein Gang durch das Moor, wo den Wegen so wenig zu trauen ist wie dem Erzählten, aber geleitet von der Musik der Sprache, groß und malerisch, genau, stotternd und verletzlich wie ein lebender Organismus.«

Bücher - Das WDR 5 Literaturmagazin

»Der Schriftsteller Gunther Geltinger hat einen artistischen, energiegeladenen Roman über die Sprachlosigkeit geschrieben.«

David Hugendick, ZEIT Online

»Eindringlich schreibt Geltinger vom fast unlösbaren Konflikt, den die Abnabelung von Mutter und Sohn mit sich bringt, ohne schnelle Deutung, kraftvoll und einfühlsam ... und poetisch.«

Marianne Mielke, Inforadio RBB


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