09.07.2011 07:35 sprachlich eine wonne

Buch: Abgründe, wohin das Auge blickt. Bad Fucking ist kein Alpen-Krimi von Kurt Palm - jetzt als Taschenbuch

© Michaela Mandel (Autorenfoto), Rowohlt Verlag

Von: Rowohlt Verlag

Bad Fucking ist ein Alpen-Sodom-und-Gomorrha, hier geht's hoch her. Menschen kommen auf merkwürdige Weise um, Bürgermeister Hintersteiner versenkt die Rücklagen der Gemeinde in dubiosen Hedge-Fonds, ein Zahnarzt wird gleich von zwei Frauen wegen haarig-erotischer Details erpresst, und dann spielt auch noch die Natur komplett verrückt. Tod und Teufel! Kurt Palms Krimierstling über den Ösi-Sündenpfuhl Bad Fucking hat es wirklich in sich; der Roman erhielt den Friedrich-Glauser-Preis 2011 für den besten deutschsprachigen Kriminalroman. «Böse, obszön, zum Brüllen komisch.» (Focus Online) «Trash at ist best!» (the gap)

Palm schreibt schnell, pointiert, böse, derb. Der promovierte Germanist ist seit 1983 als Autor, Kolumnist und Regisseur tätig, er hat Kinofilme gedreht und Opern inszeniert. «Eine immer wüster sich fortspinnende, irrwitzige Groteske, wie sie selbst in Österreich, der gefühlten Heimat humoriger Krimis, nur selten zu finden ist.» (Focus Online) «Bad Fucking ist eine herrlich schräge Groteske, mit der sich Kurt Palm in die Liga der Herren Heinrich Steinfest, Stefan Slupetzky und Wolf Haas katapultiert. Ein großes Vergnügen!» (krimi-couch.de)

Hohe Berge, schlechter Sex und ein paar Tote

Viel ist von Bad Fucking nicht mehr übrig, seit vor acht Jahren ein Bergrutsch das halbe Dorf weggerissen hat. Viele wollten danach weg – weshalb noch hier leben? Dabei passieren hier jede Menge aufregende Dinge: rätselhafte Todesfälle, skalpellscharfe Erpressungen, sexuelle Entgleisungen, barbarische Entführungen, kurz: kleine Schweinereien und große Politik. Aber alles schön der Reihe nach …

Als der eremitische Sonderling Vitus Schallmoser tot in seiner Höhle gefunden wird, ahnen die Bewohner des einstmals so idyllischen Dörfchens noch nicht, dass dies der Auftakt wirklich spektakulärer Entwicklungen rund um Bad Fucking ist. Die älteren Herren (und nicht nur die) besabbern sich vor Aufregung, als die knackigen Mädels von der Cheerleader-Gruppe Vienna Honeybees ausgerechnet hier ihr Trainingscamp aufschlagen. Umgekehrt sind die hübschen Dinger aber außer sich vor Entsetzen, als sie mitkriegen, dass man hier mitten in einem Funkloch liegt, also: nix Handy, Facebook adé. Was die fesche Dodo verzweifelt aufschreien lässt: «Bam, Oida, jetzt bin ich gefickt! Und das ausgerechnet in Bad Fucking.»

Für Zahnarzt Dr. Ulrich könnte das Leben nicht schöner sein, wäre da nicht diese lästige Erpressung wegen einem Intimfoto mit haarigen Details. Gleich zwei Frauen wollen ihn für seine Geilheit, seinen unverfrorenen Voyeurismus büßen lassen: die serbische Putzhilfe Jagoda Dragicevic, mit der er sich jeden Montag um 16 Uhr vergnügt – sie mehr oder weniger entblößt im Behandlungsstuhl, er, der Gott in Weiß, daneben. Und Veronika Sandleitner, die ein Fotolabor betreibt und ihre waidwunder Singleseele liebend gern mal an heißen privaten Schnappschüssen labt.

A bisserl delikat: Abgründe, wohin das Auge blickt

Eigentlich ist das ein Fall für die Polizei.. Aber Julius Wellisch, Kommandant des Bad Fuckinger Gendarmeriepostens, hat Anderes zu tun, Wichtigeres. Er ist ein passionierter Fischnarr, ein Angler aus Passion, und nichts fasziniert ihn so sehr wie Alle. Wellisch treibt eine fixe Idee um: dass nämlich die Aale in der Vollmondnacht des 15. Juli wieder in den Höllensee zurückkehren werden. (Und tatsächlich, Tausende und Abertausende Aale sind unterwegs …) Und deshalb wurde auch der Verein Rettet die Aale gegründet, dessen Ziel es war, Bauprojekte am Höllensee zu verhindern. Und was will die österreichische Innenministerin Maria Sperr, die zufällig auch Erbin eines Bauunternehmens ist, genau dort errichten lassen: ein Asylantenheim! Das kann nicht gutgehen, Kruzifix!

Kurt Palm muss beim Schreibens dieses Romans (genretechnisch als «Kein Alpen-Krimi» ausgewiesen) einen Mordsspaß gehabt haben. Die Arroganz der Macht, die moralische Verkommenheit der Reichen und Schönen, die skrupellose Bauernschläue der einfachen Leute – all das ist hier en detail zu besichtigen. Dividendenausschüttung in Gestalt wilder Sexorgien mit osteuropäischen Prostituierten; groteske Todesfälle; spektakuläre Höhlenmalereien; eine tschechische Meisterdiebin; ein afroamerikanischer Quarterback … und all das in diesem vergessenen Nest in den Bergen! Blöd, dass ausgerechnet in diesen turbulenten Tagen beim ortsansässigen Bestattungsunternehmer ein bedauerliches technisches Problem auftritt. Die Folge: die in angefallenen Leichen müssen im Kühlraum des Schlachters zwischengelagert werden, zwischen Ketten von Bratwürschteln und adretten Schweinehälften.

Sei gegrüßt, Hadschi Halef Omar ben Hadschi …

Sogar ein vollbesetztes Passagierflugzeug mit den Wiener Philharmonikern an Bord pflückt Palm vom Himmel über dem Atlantik. Und eine politisch rechtslastige Ösi-Ministerin lässt er entführen (und wenig pfleglich behandeln) von – na, von wem? Von tschetschenischen Terroristen natürlich! Und das Ende des fischverrückten Gendarmen Wellisch im Höllensee bei Vollmond: aale Achtung …

Slapstick? Ja, aber auf welch grandiosem Niveau! Und gewidmet ist diese schräge Provinzpolitkrimigroteske keinem anderem als dem großen Hadschi Halef Omar Ben Hadschi Abul Abbas Ibn Hadschi Dawud al Gossarah.

 

Erschienen am 1.7.2011

Rowohlt Verlag
Hamburger Straße 17
21465 Reinbek
Tel.: +49-40-72 72-0
Fax: +49-40-72 72-319

presse@remove-this.rowohlt.de