24.06.2011 07:51 Monatsprogramm Juli 2011 im Frankfurter Kunstverein

Transforming Perspectives: Beyond our Comfort Zone“ mit Cornelia Dollacker, Astrid Rabin, Ulrike Schneider im Frankfurter Kunstverein

Von: Julia Wittwer und Stefanie Spiegelhalder

Das „come closer / sustainable designforum“ ist eine von Designerinnen ins Leben gerufene interdisziplinäre Plattform, die sich weit über die Designszene hinaus etablieren konnte.

Mit Vortrag, Diskurs, Film, Literatur und Ausstellung bietet die Non-Profit-Initiative zukunftweisenden Ideen, mutigen Initiativen und beispielhaften Unternehmensmodellen ein öffentliches Forum.

Renommierte Experten, Vor- und Querdenker aus Design, Architektur, Kunst, Wirtschaft und Wissenschaft nehmen Stellung zu Fragen nachhaltiger Entwicklung und fokussieren die ökosozialen Dimensionen gesellschaftlichen Handelns.

come closer führt diesen kritischen Designdiskurs im Rahmen der Ausstellung „Über die Metapher des Wachstums“ im Frankfurter Kunstverein weiter: Der Paradigmenwechsel hat begonnen und unser verschwenderisches Konsumwachstum kann so nicht weiter gehen.

Jeder, der in irgendeiner Weise an einem Gestaltungsprozess beteiligt ist, kann positive Impulse setzen und bei den Konsumentinnen und Konsumenten nicht als Trend, sondern als Angebot für eine neue Lebensweise verankern.

In vier verschiedenen Szenarien identifiziert come closer die unterschiedlichen Lebensstile, die Instabilitäten und Verschiebungen im gesellschaftlichen Gefüge von Ware, Information und Macht spürbar machen.

In ihren nachhaltig orientierten und ästhetischen Präferenzen steht dieses Konzept für ein neues Denken und Handeln auf dem Weg zu einer, über die eigene Generation hinaus, verantwortungsvoll entscheidenden Gesellschaft.

Donnerstag, 7. Juli 2011 | 20 Uhr
„Transforming Perspectives: Beyond our Comfort Zone“
mit Cornelia Dollacker, Astrid Rabin, Ulrike Schneider (come closer-Team)

Eintritt frei
Ort: Cafébar im Kunstverein
Weitere Informationen unter: www.come-closer.net


Dienstag, 12. Juli 2011 | 19 Uhr
Künstlergespräch mit Paul Amitai: „In Between States“

Im Juni und Juli 2011 ist der amerikanische Künstler Paul Amitai zu Gast im Deutsche Börse Residency Program, um für sein sehr persönliches Projekt „In Between States“ in Frankfurt zu recherchieren.

Das Projekt besteht aus einer Videoinstallation und einem Netzwerkprojekt, das die miteinander verbundenen Geschichten eines Vertriebenenlagers der Nachkriegszeit und eines Industrieparks, der sich am Rande Frankfurts befindet, erforscht.

„In Between States“ stellt die persönliche Geschichte von Amitais Familie, die in dem Lager lebte, einer größeren Geschichte eines Unternehmens gegenüber, das sich selbst als multinationales Konglomerat nach dem Zweiten Weltkrieg wieder aufgebaut hat. In einem Künstlergespräch am 12. Juli wird Paul Amitai seine Arbeit und dieses spezielle Projekt vorstellen.

Paul Amitai (geboren 1975 in Milwaukee, USA) arbeitet als Künstler, Musiker, Kurator und Producer. Seine Arbeiten wurden u.a. in Nordamerika, Europa und Australien gezeigt. Er organisiert Ausstellungen und Veranstaltungen als Senior Curator am Eyebeam Art + Technology Center in New York, USA.

Eintritt frei
Ort: Deutsche Börse Residency im Frankfurter Kunstverein
Gespräch in Englisch


Mittwoch, 13. Juli 2011 | 21 Uhr
„Kaufen für die Müllhalde“ – ein Film von Cosima Dannoritzer

Gestützt auf mehr als drei Jahre dauernde Recherchen, erzählt die Dokumentation die Geschichte der geplanten Obsoleszenz. Sie beginnt in den 20er Jahren mit der Schaffung eines Kartells, das die Lebensdauer von Glühbirnen begrenzt, und gewinnt in den 50er Jahren mit der Entstehung der Konsumgesellschaft weiter an Boden.

Heute wollen sich viele Verbraucher nicht mehr mit diesem System abfinden. Als Beispiel für dessen verheerende Umweltfolgen zeigt die Dokumentation die riesigen Elektroschrottdeponien im Umkreis von Accra, der Hauptstadt von Ghana.

Neben diesem schonungslosen Blick auf die Wegwerfgesellschaft stellt Filmemacherin Cosima Dannoritzer auch die Lösungsansätze von Unternehmern vor, die alternative Produktionsweisen entwickeln.

Auch mahnen Intellektuelle an, die Technik möge sich auf ihre ursprüngliche Aufgabe zurückbesinnen, auf die dauerhafte Erleichterung des Alltags ohne gleichzeitige Verwüstung des Planeten.

Ein Film von Cosima Dannoritzer (Frankreich, 2010, 75 min)

Eintritt frei
Ort: Frankfurter Kunstverein


Mittwoch, 20. Juli 2011 | 19.30 Uhr
„Die Freiheit der Metapher und ihre Manipulation – Die Metapher des Wirtschaftswachstums im Kontext“
Vortrag von Bernhard Taureck (Philosoph, Technische Universität Braunschweig)

Wachstum der Wirtschaft ist unser Heiligstes geworden. Das Bruttoinlandsprodukt vermag jedoch gar nicht real zu wachsen, denn andernfalls wüchse es sich aus wie eine Blume oder eine Kuh. Wirtschaftswachstum bildet in Wirklichkeit eine Metapher, die zu politischen Zwecken so manipuliert wurde, dass die Metaphorik vergessen wird.

Wie aber kommt es, dass Metaphern so häufig manipuliert werden? Was macht Metaphern so anfällig? Unter welchen Bedingungen könnten sich Metaphern frei von Manipulation eigenständig entfalten? Diesen Fragen will der Vortrag nachgehen.

Prof. Dr. Bernhard Taureck lehrt Philosophie an der Technischen Universität in Braunschweig. In seinen Arbeiten widmet er sich insbesondere der Bedeutung der Metaphern, wie sie im Laufe der Menschheitsgeschichte in den philosophischen Diskursen entstanden sind, ihre Bedeutung verändert haben und auf das gesellschaftliche Denken und Handeln der Menschen wirken.

Eintritt frei
Ort: Cafébar im Kunstverein


Ausstellungen

„Über die Metapher des Wachstums“
bis 31. Juli 2011

Wachstum gilt als gesellschaftlicher Leitwert und wird im Allgemeinen positiv bewertet. Er ist eng verknüpft mit einem tief verwurzelten Fortschrittsglauben, nach dem die existentiellen Probleme der Menschheit durch die Entwicklung von Technologie und Zivilisation lösbar sind.

Die aus der Biologie entlehnte Metapher beinhaltet aber auch eine natürliche Grenze, den Zustand des Ausgewachsenseins sowie den Kreislauf von Werden und Vergehen.

Angesichts globaler Katastrophen wie dem nuklearen Unglück in Japan oder den Nachwirkungen der letzten Finanzmarktkrise werden solche Grenzen des Wachstums zunehmend spürbarer.

Das internationale Ausstellungsprojekt „Über die Metapher des Wachstums“ findet in drei parallel laufenden Ausstellungen in Hannover, Basel und Frankfurt statt. Es versammelt insgesamt 28 zeitgenössische künstlerische Positionen, die sich mit dem Begriff des Wachstums auseinandersetzen.

Der Frankfurter Kunstverein zeigt Arbeiten von 15 internationalen Künstlern und Künstlergruppen. In unterschiedlichen Ansätzen und Medien beschäftigen sie sich mit der Ambivalenz der Wachstumsmetapher zwischen Wohlstand und Fortschrittsglauben auf der einen sowie Vergänglichkeit und Erneuerung auf der anderen Seite.

Ausgangspunkte bilden dabei Fragen nach biologischen Kreisläufen, nach Produktionsbedingungen oder auch nach den ökologischen Auswirkungen expansiven Wirtschaftens.

Gezeigt werden Arbeiten von: Marisa Argentato & Pasquale Pennacchio, bankleer, Mark Boulos, Peter Buggenhout, Sylvie Fleury, Ulrich Gebert, Tue Greenfort, Mindpirates, Dan Peterman, Thomas Rentmeister, Robot / Aura Rosenberg, Mika Rottenberg, Julika Rudelius, Ene-Liis Semper und Gerda Steiner & Jörg Lenzlinger

„Über die Metapher des Wachstums“ ist ein Kooperationsprojekt des Frankfurter Kunstvereins, des Kunstvereins Hannover (16.04. - 26.06.2011) und des Kunsthaus Baselland (21.05. - 10.07.2011). Es wird an den drei Ausstellungsorten zeitlich versetzt mit jeweils eigener Künstler- und Werkzusammenstellung gezeigt.

Kurator der Ausstellung im Frankfurter Kunstverein: Holger Kube Ventura

„Über die Metapher des Wachstums“ wird gefördert durch die Kulturstiftung des Bundes.

Eröffnung: Montag, 18. Juli 2011 | 19 Uhr
Projekt-Display NoMad: Veronika Zhizhchenko
19. Juli - 8. August 2011

Das Projekt-Display NoMad zeigt ab dem 19. Juli Malereien der russisch stämmigen Künstlerin Veronika Zhizhchenko (1984*), die seit 2005 in Frankfurt lebt. Seit 2009 studiert sie in der Klasse von Prof. Christa Näher an der Städelschule.

Das Projekt-Display NoMad wird seit April 2011 von Elif Erkan und Young Joo Lee organisiert. Unter dem Namen NoMad zeigen sie dort ein Jahr lang im monatlichen Wechsel verschiedene Ausstellungen, die das Nebeneinander zwischen Raumkonzept und Kunstwerk offenlegen und es mit dem einzigartigen Charakter der Stadt verbinden. Das Display befindet sich in der U-Bahn Station Dom/Römer.


Deutsche Börse Residency Program

Das „Deutsche Börse Residency Program“ ist eine Initiative des Frankfurter Kunstvereins, die dank der Unterstützung der Gruppe Deutsche Börse umgesetzt wird.

Die Residenz ist an den Kunstverein angeschlossen und bietet ein Appartement als Wohn- und Produktionsstätte für internationale Künstler, Kuratoren und Kunstvermittler.

Die Gäste werden eingeladen oder können sich bewerben, um ein eigenes Projekt umzusetzen. Ziel des Programms ist es den Dialog innerhalb des Kulturbetriebs und über Ländergrenzen hinweg auszubauen.

Im Juli sind der Künstler Paul Amitai und die Kunstkritikerin Esperanza Rosales zu Gast in der Residency.

Julia Wittwer und Stefanie Spiegelhalder

Frankfurter Kunstverein
Steinernes Haus am Römerberg
Markt 44
D-60311 Frankfurt am Main
Tel. +49 (0)69 219 314 0
Fax. +49 (0)69 219 314 11


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