27.07.2015 08:58 1945 – Köln und Dresden

Stadtmuseum Dresden zeigt Fotografien von Hermann Claasen und Richard Peter sen.

Ausstellung Koeln-Dresden im Stadtmuseum Dresden

Ausstellungsplakat 1945 Ausstellung Köln-Dresden im Stadtmuseum Dresden, Quelle: Stadtmuseum Dresden

Richard Peter sen.: Tod über Dresden

Richard Peter sen.: Tod über Dresden (Kunstakademie, Anatomiesaal), 1945, © SLUB Dresden / Deutsche Fotothek

Claasen Ritterstraße, Hermann Claasen

Claasen Ritterstraße, Hermann Claasen: Köln, Ritterstraße, ca. 1947, © LVR-LandesMuseum Bonn

Richard Peter sen.: Blick vom Rathausturm nach Sueden

Richard Peter sen.: Blick vom Rathausturm nach Süden, 1945, © SLUB Dresden / Deutsche Fotothek

Von: GFDK - Stadtmuseum Dresden

Mit der Ausstellung „1945 – Köln und Dresden“ erinnert das Stadtmuseum Dresden an das Ende des Zweiten Weltkrieges vor 70 Jahren. Die Ausstellung stellt zwei bedeutende Fotografen der unmittelbaren Nachkriegszeit einander gegenüber: Hermann Claasen (1899-1987) und Richard Peter sen. (1895-1977).

Bilder des Krieges

Beide Fotografen haben mit den Trümmeraufnahmen ihrer Heimatstädte Köln und Dresden unser Bild der im Zweiten Weltkrieg durch Bombenangriffe zerstörten Städten geprägt. Peters „Engel“ über Dresden als trauernde Himmelsgestalt vor den Häuserruinen der Altstadt und Claasens aus den Trümmern aufragender Kölner Dom sind zu Bildikonen, zu Sinnbildern der Mahnung geworden.

Ausstellung in Dresden

Beide Fotografen haben umfangreiche Archive hinterlassen. Bis heute sichtbar sind ihre Fotografien aber vor allem in ihren unmittelbar nach Ende des Krieges erschienenen und mehrfach neu aufgelegten Fotobüchern: Richard Peters „Dresden – eine Kamera klagt an“ und Hermann Claasens „Gesang im Feuerofen“. Die Bücher weisen auf den ersten Blick große Ähnlichkeit in Aufmachung, Format, Umfang und Bildsprache auf. Die Aufnahmen beider Fotografen beziehen ihre beeindruckende Wirkung aus dem Wechselspiel von hohem handwerklichem Anspruch und dokumentarischer Qualität mit bewusst eingesetzter, ästhetischer Gestaltung durch gewählte Perspektiven, Bildausschnitte, Tiefenstaffelungen und Lichtführung.

Bildbände mit Fotografien von Hermann Claasen  und Richard Peter sen.

Sehr deutlich unterscheiden sich die Bildbände jedoch in ihren weltanschaulichen Bezugsrahmen, wobei die Unterschiede nur zum Teil in den Fotografien selbst begründet sind. Eine zentrale Rolle spielen vielmehr Bildauswahl, Bildfolge und Texte sowie die Titel der Publikationen: Claasens Fotobuch mit seinem aus dem Buch Daniel entlehnten Titel „Gesang im Feuerofen“ von 1947 beginnt mit Bildern des brennenden Köln und zeigt dann, nach einigen Panoramen der zerstörten Rhein-Metropole, vorwiegend Ruinen von Kirchen und symbolisch aufgeladene Fragmente christlicher Skulptur. Claasen, der die gesamte Kriegszeit in Köln verbrachte und dessen Atelier mehrfach durch Bomben zerstört wurde, verzichtet bei seiner Bildauswahl für das Buch fast gänzlich auf die Darstellung menschlichen Lebens in der zerstörten Stadt.

Peters Publikation von 1950 schließt das Menschliche ein. Sie beginnt mit wenigen Aufnahmen des alten Dresden und zeigt dann in der ersten Hälfte des Buches – ebenfalls in Panorama und Detail – das zerstörte Dresden. Peter, der im September 1945 aus der Kriegsgefangenschaft heimgekehrt bei der Öffnung der Luftschutzkeller 1946 anwesend war, wechselt schließlich, nach einer dramatischen Bildstrecke mit mumifizierten Toten in der Mitte des Buches, die mit Hakenkreuzbinde und Uniform zugleich als Täter und Opfer präsentiert werden, zur Darstellung des Lebens in den Trümmern und des gemeinsamen Wiederaufbaus mit sozialistischer Prägung.

Während Claasens Gesang im Feuerofen laut Vorwort des Buches vor allem als Mahnung und Aufruf zur Rückbesinnung auf christliche Tugenden zu verstehen ist, wendet sich Peters „Dresden – eine Kamera klagt an“ ganz im Zeichen des Kalten Krieges gegen die „Vernichtungsmaschinerie angloamerikanischer Bomberverbände“ und bietet mit den Aufnahmen der kollektiven Aufräumarbeiten und des Wiederaufbaus die Erlösung durch Sozialismus als zentrale Botschaft des Buches an.

Ausstellung „1945 – Köln und Dresden“

Die Ausstellung „1945 – Köln und Dresden“ stellt diese beiden Publikationen nun erstmals einander gegenüber und kommentiert die Abwicklung der Doppelseiten mit ca. 200 Vintage-Abzügen (Originalabzüge), zusätzlichen Prints und Archivmaterial. Die Besucher können in der Ausstellung nicht nur die kostbaren Erstausgaben von 1947 bzw. 1950 durchblättern, sondern ebenfalls die zahlreichen Neuauflagen beider Bände in Augenschein nehmen und so spätere Veränderungen selbst entdecken.

Möglich wird eine solche historische Hinterfragung von Fotografie, wie sie diese Ausstellung bietet, durch die beteiligten Partner: Ausstellung und Buch wurden vom LVR-LandesMuseum Bonn, der Deutschen Fotothek – Archiv der Fotografen in der SLUB Dresden und der Stiftung F.C. Gundlach gemeinsam erarbeitet: Alle drei Institutionen verfügen nicht nur über bedeutende Fotosammlungen, sondern bewahren auch umfangreiches Archivmaterial zu den jeweiligen Fotografen als Grundlage einer vertiefenden Erforschung auf.

Der Katalog, in Form eines Archiv-Kartons, gefüllt mit einer 52seitigen Broschüre und 20 hochwertig gedruckten Abbildungen, erscheint in einer limitierten Auflage von 500 Exemplaren. Eine auf 50 Exemplare limitierte und nummerierte Vorzugsausgabe wird zusätzlich zwei Handabzüge von den Originalnegativen enthalten.

Zusätzliche Exponate stammen aus dem Archiv Hermann Claasen in Brühl, der Sächsischen Landesbibliothek – Staats und Universitätsbibliothek Dresden und dem Sächsischem Hauptstaatsarchiv Dresden. Die Filme in der Ausstellung stellen das Filmarchiv von Hirsch Film in Dresden und die SPIEGEL TV GmbH in Hamburg zur Verfügung.