15.02.2013 08:00 ein postkonzeptueller, technisch sehr vielseitiger Künstler

Museen Stade: DIRK MEINZER - Wenn das Paradies fliegen lernt ... bis zum 1.4.2013

Museen Stade: DIRK MEINZER - Wenn das Paradies fliegen lernt ... bis zum 1.4.2013

© 2013 Dirk Meinzer

Von: GFDK - Museen Stade - 5 Bilder

Dirk Meinzer (*1972) studierte bei Claus Böhmler an der Hochschule für bildende Künste Hamburg und beendete sein Studium 2004. Er lebt in Hamburg und wurde in den letzten Jahren mit zahlreichen Förderungen und Preisen wie dem Grieshaber-Stipendium der Stadt Reutlingen (2011) und dem Atelier- und Arbeitsstipendium der AZB Zürcher Bildhauer (2010)
ausgezeichnet.

Meinzer ist ein postkonzeptueller, technisch sehr vielseitiger Künstler. Seine Aufmerksamkeit schenkt er ganz besonders den seltsamen, absonderlichen und unerklärbaren Dingen. Er schafft Zeichnungen, Installationen, Malerei, Collagen, Assemblagen, Druckgrafiken, Videos und Bücher. Geht man in seine Ausstellungen, so scheint man eine Wunderkammer zu besuchen.

In einer Werkgruppe, den Popanzen, finden sich Teile von konservierten, teils exotischen Tieren, die Meinzer aus den bundesbehördlichen Asservatenkammern überstellt bekam. Diese bilden in seinen Assemblagen zusammen mit Pommes, Spaghetti, Polyester und Spezialfarben poetisch komponierte Antlitze. Er ästhetisiert nicht totes Material, ihn interessiert die Begegnung von Natur und (künstlerischer) Technik als fortwährender Prozess. Der Besucher wird an die berühmten Blumen- und Obstporträts des bekannten manieristischen Malers, Erfinders und Musikers Guiseppe Arcimboldo erinnert oder auch an die Materialbilder von Dieter Roth.

Bei der neuen Werkgruppe Nocturne befasst sich der Künstler mit toten Bienen, die er von befreundeten Imkern bekommt. Das Bienensterben als Thema der  Apokalypse. Bienenflügel werden wie Blumenblüten auf körpersekretfarbigen Tableaus angeordnet.
Weiterhin trifft der Besucher in der Ausstellung auf schwarz-weiß gestreifte Zäune als Bild, Wege, Wand- und Raumformationen. Diese scheinen der afrikanischen Steppe zu entstammen: Sie definieren ein kompliziertes Hier und Dort, ein Innen und Außen, durch die Zebra-Streifung getarnt. Es entsteht eine Matrix, der Zaun gibt seine grenzziehende Existenz auf, lässt die Perspektive verschwimmen, das Auge verliert den Halt.

In vielen seiner Werke treffen Dinge aufeinander, die scheinbar nicht zusammengehören. Meinzer holt die Dinge aus ihrem gewohnten Zusammenhang, macht aus dem Alttäglichen Kunst und steht somit in der großen Tradition von Surrealisten, Dada- und Art-brut Künstlern. Mit relativ einfachen Mitteln wird Neues kreiert, das kreativ erschreckend und erschreckend kreativ erscheint.
Mit dieser Ausstellung im Kunsthaus Stade wird Meinzer erstmals eine große Museumsschau in Norddeutschland gewidmet. Gezeigt werden rund 100 Werke, darunter Arbeiten, die eigens für die Präsentation geschaffen oder überarbeitet wurden. Dirk Meinzer bezieht in seine Installationen auch die Architektur der Räume des historischen Kaufmannshauses, welches das Kunsthaus beherbergt, mit ein. Hier treffen zeitgenössische Kunst und denkmalgeschützte Architektur in besonderer Weise auf einander.

Als besonderes Highlight bietet der Künstler eine Siebdruck-Edition in Höhe von 50 Exemplaren zum Kauf an. Ausschließlich zur Zeit der Ausstellung wird diese für 80,- EUR anstelle von 800,- EUR im Kunsthaus zu erwerben sein.

Kontakt

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