18.05.2013 09:00 09. Juni 2013 – 13. Oktober 2013

MARIANNE MADERNA. Humanimals - neue Ausstellung in der Landesgalerie für zeitgenössische Kunst St. Pölten | Krems

MARIANNE MADERNA. Humanimals

Künstlerin Marianne Maderna verbindet Skulptur, Zeichnung und Film oftmals zu einer Art Gesamtkunstwerk; © Marianne Maderna

MARIANNE MADERNA. Humanimals ausstellung krems
Von: GFDK - Landesgalerie für zeitgenössische Kunst St. Pölten | Krems - 2 Bilder

Die in Wien und Aggsbach (NÖ) lebende Künstlerin Marianne Maderna (geb. 1944) verbindet Skulptur, Zeichnung und Film oftmals zu einer Art Gesamtkunstwerk, was sich mit der Installation HUMANIMALS in der Dominikanerkirche Krems eindrucksvoll bewahrheitet. Im verdunkelten, punktuell mit Schwarzlicht beleuchteten Kirchenraum kommt es zur Begegnung mit Mischwesen aus Mensch und Tier (HUMANIMALS), deren wichtigstes Merkmal ihre Wandlungsfähigkeit ist.

Scheinbar schwerelos und nur durch fluoreszierende Umrisslinien definiert, bevölkern sie einerseits in Form von tausenden, an Piktogramme erinnernde Drahtfiguren die Apsis oder durchlaufen andererseits als virtuelle Protagonisten einer 3-D-Animation die kühnsten Metamorphosen. Was sich den BesucherInnen darbietet, ist ein physisch erlebbares Welttheater, das unter den Vorzeichen von Macht und Hierarchie das menschliche Sein sinnbildhaft vor Augen führt.

Ausstellung in Krems

Dabei ruft die Figuren-Installation, die sich in der Apsis über die gesamte Raumhöhe erstreckt, Assoziationen mit Darstellungen des Jüngsten Gerichts wach. Allerdings entscheidet hier nicht ein göttlicher Richter über Erlösung und Verdammnis, sondern eine kleine Gruppe, die sich für allmächtig und unfehlbar hält.

Es sind die „Big Rulers“, die in aufrechter Haltung, mit den Händen in den Hosentaschen, dafür sorgen, dass die anderen möglichst devot bleiben. Ihr Widerpart sind die kleinen nimmermüden Kämpferinnen, die sich in ständig wandelnder Gestalt bemühen, die althergebrachte Ordnung zu unterminieren. Trotz solcher narrativen Elemente und einer grundlegenden Dramaturgie geht es der Künstlerin nicht um eine nachvollziehbare Story, sondern vielmehr um ein mehrdeutiges System skulpturaler Chiffren, das allgemeine Mechanismen von Evolution veranschaulichen und zu eigenen Überlegungen Anstoß geben soll.

Bildende Kunst

Ähnlich verhält es sich bei der 3-D-Animation, die im Langhaus projiziert und mittels Polarisationsbrillen für eine haptische, „begehbare“ Illusion sorgt. Ausgehend von unzähligen Handzeichnungen, die in weiterer Folge computeranimiert und mit selbst kreierten Sounds unterlegt werden, macht Marianne Maderna ihre 3-D-Animation HUMANIMALS als stereoskopische Projektion erfahrbar.

Die Gesamtdauer von ca. 40 Minuten ist, beginnend mit Wortkonglomeraten, die auf inhaltliche Bezüge verweisen, in mehrere szenische Abläufe gegliedert, welche die einzelnen Charaktere der HUMANIMALS, ihre Mutanten und Alienationen vorstellen.

Freunde der Kunst

So werden die BesucherInnen etwa mit bildschirmverwachsenen Freaks, mit den Orgien der Adipösen oder der Zeugung der Gedemütigten konfrontiert, wobei einzelne Akteure immer wieder aus der Raumbühne hervorzutreten und direkt auf ihr Publikum zuzugehen scheinen, so dass es an dem Prozess des Werdens und Vergehens unmittelbar Anteil nehmen kann.

Landesgalerie für zeitgenössische Kunst St. Pölten | Krems
werner@kunstnet.at