05.05.2013 07:00 die erste Einzelausstellung

Kunsthaus Zürich zeigt «Kelly Nipper – Black Forest»: Performance und Installation im Dialog mit Zeichnungen des Tanztheoretikers und Choreografen Rudolf von Laban.

Ausstellungsansicht Kunsthaus Zürich

Ausstellung in Zürich: «Kelly Nipper – Black Forest»; Kelly Nipper

Von: GFDK - Kunsthaus Zürich

Kelly Nipper (*1971, Edina, Minnesota) untersucht in Videos, Installationen, Fotografien und Performances die Beziehung von menschlichem Körper, Bewegung, Raum und Zeit. Sie interessiert sich für rituelle Gesten und Abläufe und bezieht sich in ihren Choreografien immer wieder auf die Anfänge des experimentellen Tanzes und im speziellen auf die Theorien Rudolf von Labans (1879–1958). Gemeinsam mit Emile Jaques-Dalcroze (1865–1950) und Mary Wigman (1886–1973) gilt der Tänzer, Choreograf und Tanztheoretiker als Begründer des modernen Ausdruckstanzes. Kelly Nippers Rückgriff auf Labans Theorien ist Teil ihrer langjährigen Recherche zum Thema Kommunikationsstrukturen und der Entwicklung von Kommunikation in der modernen Gesellschaft.

BEDEUTENDE LABAN SAMMLUNG
Das Kunsthaus Zürich besitzt eine bedeutende Sammlung an Zeichnungen und Aquarellen von Rudolf von Laban. Sie gehören zu dem sogenannten Perrottet-Archiv, das neben Labans Arbeiten auf Papier zahlreiche Dokumente und Fotos zu den Anfängen des modernen Tanzes und der Zeit der Künstlerkolonie auf dem Monte Verità bei Ascona (Schweiz) umfasst. Suzanne Perrottet (1889–1983) lebte und arbeitete mit Rudolf von Laban zusammen, als dieser in Hombrechtikon den «Labangarten – Schule für Bewegungskunst» und in Zürich die «Labanschule» aufbaute. Das Archiv von Suzanne Perrottet kam dank Harald Szeemann 1990 ins Kunsthaus und wurde vor rund 20 Jahren zum letzten Mal in Teilen gezeigt.

Ausstellung in Zürich

DIALOG ÜBER 100 JAHRE HINWEG
Heute arbeitet eine junge Künstlergeneration vermehrt wieder mit dem Medium Performance. Eine davon ist Kelly Nipper, die in ihren Arbeiten ganz direkt auf Laban und das von ihm entwickelte System zur Analyse und Aufzeichnung menschlicher Bewegung, die sogenannte «Labanotation», zurückgreift.
Zentrale Elemente dieses Systems, wie auch von Kelly Nippers Arbeit, sind die Themen Zeit und die Beziehung des Körpers zur Zeit – beides Dinge, die sich mit dem Aufkommen neuer Kommunikationstechnologien in den letzten Jahren natürlich drastisch verändert haben. Ausstellungsmacherin Mirjam Varadinis führt die zwei Künstler, zwischen denen rund 100 Jahre liegen, die aber trotzdem viel gemeinsam haben, zusammen. Der Dialog der beiden findet in jenen Räumen der Kunsthaus-Sammlung statt, die kurz nach der Jahrhundertwende – zeitgleich zu den Tanzexperimenten Rudolf von Labans – entstanden sind.

Bildende Kunst

NEUE PERFORMANCE, KOSTÜME UND SKULPTUREN
Kelly Nipper nimmt diesen Kontext sowie Labans kleinformatige, fragile Zeichnungen (Farb- und Bleistift auf Papier) zum Ausgangspunkt für eine Gruppe neuer Arbeiten, die sie speziell für die Ausstellung im Kunsthaus realisiert hat. Zentrales Element ist dabei die Performance «Black Forest», ein Werk, das in Zusammenarbeit mit dem Glasgow International Festival und dem Hammer Museum, Los Angeles, produziert wurde. Daneben zu sehen sind Kostüme, Objekte und Skulpturen, die gemeinsam mit den Arbeiten von Rudolf von Laban präsentiert werden.

Freunde der Kunst

PROGRAMMATISCHE VORSCHAU AUF DIE KUNSTHAUS-ERWEITERUNG
In den vergangenen Jahren hat Nipper an bedeutenden internationalen Gruppenausstellungen teilgenommen – an der Performa in New York (2007) und im Centre Georges Pompidou, Paris (2011). Im Jahr 2013 ist sie im Programm des MoMA, New York vertreten. Die Ausstellung im Kunsthaus Zürich ist die erste Einzelausstellung von Kelly Nipper im deutschsprachigen Raum. In der für 2017 geplanten Erweiterung wird das Kunsthaus Zürich dem Medium Performance und Ausstellungen der zeitgenössischen Kunst noch mehr Raum geben. Kelly Nipper und ihr Projekt «Black Forest» zeigen exemplarisch, wie dieser Dialog von Sammlungsbeständen und zeitgenössischer Kunst in Zukunft im Kunsthaus vermehrt stattfinden kann.

Kristin Steiner, kristin.steiner@kunsthaus.ch