11.07.2011 08:31 Bis zum Sommer 2012 in Düsseldorf

Julia Stoschek Collection: "Cities of Gold and Mirrors"- in Hinblick auf die Stadtentwicklung und der Beziehung des Menschen zur Architektur

Von: Düsseldorf.de

Bis zum Sommer 2012 präsentiert die Julia Stoschek Collection in Düsseldorf die Ausstellung "Cities of Gold and Mirrors". Die Ausstellung umfasst 44 Werke von insgesamt 35 Künstlern und dokumentiert bisher noch nie gezeigte Arbeiten, Neuerwerbungen der letzten Jahre sowie ortsspezifische, räumliche Interventionen.

Im zweiten Ausstellungsgeschoss wird die klare filmische Ausrichtung aufgebrochen. Positionen wie die von Mark Manders oder Andro Wekua stehen exemplarisch für die Komplexität der Ausdrucksformen.

Mark Manders' Skulptur "Large Figure with Thin Newspaper" (2010) ist Teil seines seit 1986 kontinuierlich fortgesetzten künstlerischen Entwurfs eines "Self portrait as a building". Das bisher noch nicht abgeschlossene Projekt ist Ausdruck von Manders' Archiv an Erfahrungen, Gedanken und Bezügen seiner eigenen Realität.

Ähnlich wie Manders inszeniert und visualisiert Andro Wekua in seinem Video "Never Sleep with a Strawberry in your Mouth" (2010) seine imaginäre Biografie. In einer alptraumhaften Kulisse begibt sich sein Alter Ego in der Gestalt eines maskierten Jungen zurück auf die Spuren seiner Kindheit.

Seine Bildsprache ist eine Mischung aus Science-Fiction und Horror und kein stimmiges Abbild seiner Erinnerung, sondern ein Konstrukt aus erinnerter und realhistorischer Vergangenheit.

Im Vordergrund der Ausstellung stehen, der Fokussierung der Sammlung gemäß, filmische Arbeiten. Gleichwohl sprengen Werke wie die bereits beschriebenen Positionen von Mark Manders oder Andro Wekua sowie Simon Denny, Jon Kessler, Zilvinas Kempinas oder Wolfgang Tillmans die klare mediale Einschränkung und machen die Virulenz der komplexen Themen deutlich.

Die Julia Stoschek Collection, Schanzenstraße 54, kann jeweils samstags von 11 bis 18 Uhr besucht werden. Begleitend zur Ausstellung erscheint ein Katalog.

Für jede Arbeit wurde eine sorgfältig durchdachte Präsentationsarchitektur initiiert.

Der Titel "Cities of Gold and Mirrors" rekurriert nicht nur auf den in der Ausstellung gezeigten Film von Cyprien Gaillard, sondern steht metaphorisch für die Auseinandersetzung mit gesellschaftspolitischen Fragestellungen in Hinblick auf Stadtentwicklung und der Beziehung des Menschen zur Architektur und zu seinen persönlichen Sehnsüchten und Eitelkeiten.

Im ersten Ausstellungsgeschoss stehen Positionen wie die von Gordon Matta-Clark, Cyprien Gaillard oder Francis Alÿs beispielsweise für die Maßstäblichkeit und das Verhältnis von Wirtschaft, Architektur und Mensch.

Mit seinen räumlichen, skulpturalen Eingriffen oder "Building Cuts" konterkarierte Matta-Clark bereits in den 1970er-Jahren die traditionelle Raumwahrnehmung und wirft zugleich eine Kritik an Stadtplanung und den Bedingungen von öffentlichem Leben und privatem Raum auf.

Seine Filme in der Ausstellung sind nicht nur Dokumente seiner teils anarchistischen Aktionen, sondern die einzigen Überbleibsel dieser prozesshaften Interventionen; sie karthographieren die Stadt als urbanen Raum in all seinen Facetten.

Im titelgebenden 16-mm-Film "Cities of Gold and Mirrors" (2009) verbindet Cyprien Gaillard fiktive Elemente der japanisch-französischen Fernsehserie "The Mysterious Cities of Gold" mit Szenen des Pauschaltourismus.

Er kontrastiert in seinem Film eine in den 70er-Jahren entstandene Hotelanlage im mexikanischen Cancún mit den Ruinen einer ehemals mächtigen Maya-Hochkultur.

Nicht in der Rolle eines Archäologen, sondern eines Dokumentaristen zeigt Gaillard amerikanische Studenten, die vor der eindrucksvollen Fassade, der an die Pyramidenbauten erinnernden Hotelanlage, ihren "Spring Break" mit exzessivem Kampftrinken zelebrieren.

"Rehearsal I" (1999-2001) lautet der Titel der zentralen Arbeit des belgischen Künstlers Francis Alÿs: Wie ein moderner Sysiphos versucht ein roter VW Käfer - im Rhythmus einer mexikanischen "Mariachi"-Blaskapelle - einen Hügel hinaufzufahren.

Kurz bevor er die Spitze erreicht, hört die Kapelle auf zu spielen und der Wagen rollt wieder hinunter. In der nächsten Sequenz geht das Ganze von vorne los. Das Video ist eine existentielle Metapher für die politische Situation in Mexiko und die wirtschaftliche Diskrepanz, die Mexiko und die USA voneinander trennen.

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