27.02.2017 00:14 provokante Ästhetik

Hermann Nitsch in Düsseldorf - Blut, Mysterien und Malerei

Dirk Geuer und Hermann Nitsch im Atelier

Dirk Geuer (links) und Hermann Nitsch - mit Orgien Blut, Mysterien und Malerei zu Weltruhm (c) Galerie Geuer & Geuer Art

Von: GFDK - Jörg Schwarz

Am Freitag, dem 17. März 2017, eröffnet die Düsseldorfer Galerie Geuer & Geuer Art ihre neue Ausstellung „Blut, Mysterien und Malerei“ mit Werken des österreichischen Malers und Aktionskünstlers Hermann Nitsch.

Provokante Ästhetik

Als Skandal- und Blutkünstler weltweit bekannt, ist der heute 78jährige nicht nur einer der provokantesten Akteure in der Kunst seit den 1960er Jahren, sondern zählt laut Professor Dr. Klaus Albrecht Schröder, dem Direktor der Wiener Albertina, „zu den ganz Großen in der Kunstgeschichte“.

Jetzt kommt der internationale Topstar gemeinsam mit seiner Frau nach Düsseldorf, um seine Malerei dem Publikum persönlich zu präsentieren.

In den Galerieräumen der Geuer & Geuer Art, Heinrich-Heine-Allee 19, werden vom 17. März bis 21. Mai 2017 über 15, teils großformatige Leinwandarbeiten aus den Jahren 2001 bis 2016 sowie Zeichnungen des mehrfachen documenta-Teilnehmers in musealer Qualität gezeigt; darunter seine berühmten Schütt- und Altarbilder mitsamt Malerhemd und Requisiten.

Die Ausstellung, eigens für die Räumlichkeiten der Düsseldorfer Galerie konzipiert, präsentiert den Meister des Blutes und der roten Farbe erstmals mit Unikaten in gelber, blauer und sogar bunter Farbgebung. Die Auswahl der Werke haben Nitsch und der Galerist Dirk Geuer, die bereits seit zwei Jahren zusammenarbeiten, gemeinsam im Atelier des Künstlers auf Schloss Prinzendorf in Österreich getroffen.

Gezeigt wird auch die im Oktober 2016 von n-tv und der Geuer & Geuer Art GmbH gemeinschaftlich produzierte Dokumentation „Hermann Nitsch- Orgien, Mysterien und Malerei“.

Aktionen mit Nackten, Tierfleisch und literweise Schweineblut

Der 1938 in Wien geborene Hermann Nitsch gehört zu den bedeutendsten Vertretern des Wiener Aktionismus. Er erregte mit seinem umstrittenen Orgien-Mysterien-Theater, einem Blutspektakel als Gesamtkunstwerk aus Musik, Theater und Malerei weltweite Aufmerksamkeit. Seine Aktionen mit Nackten, Tierfleisch und literweise Schweineblut erschütterten die Öffentlichkeit und wurden kontrovers diskutiert.

Was provokativ erscheinen mag, findet in den Schriften Friedrich Nietzsches, Antonin Artauds und Sigmund Freud seine Berechtigung und Begründung. Heute hängt seine Kunst in den großen Museen der Welt, u.a. im Museum of Modern Art New York, im Centre Pompidou in Paris und der Tate Britain in London.

Die Rohheit seiner Aktionen haben nicht allen gefallen

Seit über 50 Jahren schreibt Hermann Nitsch Kunstgeschichte und hat mit seinem gesamtkünstlerischen Werk auch die Opern- und Theaterlandschaft geprägt. So hat Nitsch, der als Bühnenbildner und Opernregisseur u.a. für die Wiener Staatsoper und das Wiener Burgtheater mehrfach tätig war, den Regisseur Christopher Schlingensief sowie die Künstlerin Marina Abramovic nachhaltig beeinflusst.

Nitsch, der sein künstlerisches Schaffen als Katharsis versteht, setzt sich in seinen Aktionen und Werken mit schicksalshaften Symbolfiguren wie Ödipus, Prometheus, Christus und Parzival auseinander und macht durch sie das Dionysische im Sinne Nietzsches für das Kollektiv erfahrbar.

Damit erinnert das Mysterien-Orgien-Theater in seiner wilden, ungezügelten Ausgelassenheit an die Bacchanalien und macht, ähnlich wie diese römisch-antiken Weinfeste, Exzess und Ekstase erlebbar. Dabei vermischt er Sakrales mit Sexuellem, rote Farbe und Blut werden austauschbar, das Tabu wird thematisiert und damit der Kunstbegriff radikal erweitert.

Tierschützer protestieren gegen ihn, Geistliche melden sich vehement zu Wort, mehrere Male schon wurde Nitsch verhaftet. Viele Auszeichnungen ehren ihn, zwei Museen sind ihm allein gewidmet. Neben verschiedenen Gastprofessuren hat Nitsch von 1989 bis zu seiner Emeritierung die Leitung der Klasse für interdisziplinäre Kunst an der renommierten Städelschule in Frankfurt übernommen.

Vernissage mit Hermann Nitsch:

Freitag, 17. März 2017, 19.30 Uhr

Die Ausstellung ist bis zum 21. Mai 2017 zu sehen in der Galerie Geuer & Geuer Art Düsseldorf

Öffnungszeiten:
Di – Fr: 10 – 18 Uhr
Sa: 11 – 15 Uhr sowie nach Vereinbarung