04.07.2012 07:09 Ausstellung „Trinkkultur in der DDR“

Gesoffen wird doch überall - „Herrengedeck“, „Kumpeltod“ oder „Rosenthaler Kadarka“

(c)Bild: Stadtmuseum Jena

Von: Dr. Matias Mieth

Zahlreiche Erinnerungen an die DDR kreisen um das Thema Alkohol. Da geht es um Getränke wie „Herrengedeck“, „Kumpeltod“ oder „Rosenthaler Kadarka“, aber auch um Frauentag, Maifeiertag oder die beliebten Brigadefeiern.

Noch immer findet man die Auffassung, dass der Alkoholverbrauch im Osten höher gewesen sei als im Westen, dass die DDR-Bürger sich die Realität „schöntrinken“ wollten und nicht zuletzt, dass die Staatsführung danach trachtete, durch Alkohol unzufriedene Bürger ruhigzustellen.

Die Ausstellung setzt sich am Jenaer Beispiel mit derartigen Stereotypen auseinander. Sie geht der Frage nach, ob es eine eigene „Trinkkultur“ in der DDR gab und wenn ja, wie sie sich von der anderer Länder, beispielsweise der Bundesrepublik, unterschied. Unvermeidlich werden dabei auch die Aporien der DDR-„Alkoholpolitik“ deutlich.

Mehr als 16 Liter Weinbrand, Klaren und Likör – durchschnittlich 23 Flaschen „harte Sachen“ pro Kopf – trank jeder DDR-Bürger im Jahr 1988.

Bereits seit 1987 behauptete die DDR die internationale „Spitzenposition“ im Verbrauch von harten Alkoholika. Trotzdem gilt: die Ostdeutschen tranken zwar gerne und viel – „exzessive Säufer“ waren sie hingegen nicht. Allerdings war der Konsum von Spirituosen in der DDR kaum negativ belegt.

So knüpfen sich Erinnerungen bis heute fest an Anekdoten zu verschiedensten Alkoholika, zünftigen Feiern und geselligen Abenden, bei denen Schnaps nie fehlen durfte. Die Ausstellung „„trink|KULTUR in der DDR“ erzählt davon.
Öffentlich wurden Alkoholismus und die damit einhergehenden Probleme allerdings bis in die 80er Jahre von der Parteiführung nicht thematisiert.

Im Fokus der (kultur-)wissenschaftlichen Annäherung an das Thema stehen neben den „alkoholgenießenden“ soziokulturellen Personengruppen und spezifischen Alkoholika auch Hintergründe des Alkoholkonsums, Trinksitten und private und öffentliche Trinkorte. Überdies hinterfragt die Ausstellung die staatliche Alkoholpolitik und den gesellschaftlichen Umgang mit dem Thema „Sucht“.

Ab  6. Juli 2012 ist die Ausstellung „Trinkkultur in der DDR“ für die Öffentlichkeit zugänglich.

Städtische Museen Jena 

Dr. Matias Mieth - Direktor

Eine Einrichtung von Jenakultur