08.05.2017 06:51 Männlichkeit als Metapher

Erik Levine umkreist die Rituale der Männlichkeit - zu sehen im Ludwig Forum Aachen

Kampfhahn wird vorbereitet - Erik Levine

Männlichkeit als Metapher, Hahn wird auf Kampf vorbereitet, Erik Levine: cocker, Videostill, 2010, © Erik Levine

Von: GFDK - Ludwig Forum Aachen

Was macht einen Mann zu einem ‚echten‘ Mann? Wie sehen Rituale der Männlichkeit aus, wie begegnen Männer ihren Herausforderungen, wie gehen sie mit dem Scheitern um? Der US-amerikanische Künstler Erik Levine (*1960 in Los Angeles) untersucht in seinen Video-Arbeiten unsere Gesellschaft auf ihr Normen, Rituale und männliche Stereotypen.

In seinen Arbeiten umkreist er auf so einfühlsame wie rückhaltlose Art die Verhältnisse von Leben und Tod, gesellschaftlichen Regeln, Idealbildern und Realitäten. Weit entfernt davon, dokumentarisch zu sein, nähern sich Levines Videos mit eindrucksvollen Bildern und intensiven Sounds ihren Sujets: dem Drill, dem heranwachsende Jungs beim Sport ausgesetzt sind, der Zärtlichkeit, mit der Männer ihre Kampfhähne auf den Einsatz in der Arena vorbereiten, der stoisch nachgegangenen Arbeit in einem Schlachthaus oder dem Verfall und nahenden Tod von Menschen in einem Altersheim. Das Ludwig Forum zeigt als erste europäische Institution eine Auswahl seiner aktuellen Video-Arbeiten.

Ausstellung in Aachen

Begleitend wird eine Publikation im Verlag für Moderne Kunst, Wien (Deutsch/Englisch, hg. v. Andreas Beitin und Leonhard Emmerling) und mit Beiträgen von Andreas Beitin, Leonhard Emmerling, Leila Farsakh und Berta Sichel sowie einem umfassenden Interview von Hugh Davies und dem Künstler erscheinen.

Skulpturales Filmen

Levine schaut auf das filmische Material mit dem räumlichen Blick des Bildhauers. Er teilt den Monitor in zwei Hälften, lenkt den Blick nach oben und unten, links und rechts, kombiniert Ausschnitte mit Schnittsequenzen, so dass die Bilder eine physische Präsenz haben und sich in der Projektionsfläche bewegen. Die Videos sind Ergebnisse eines sorgfältigen Komponierens und hochartifizielle Montagen, deren Wirkung durch den
präzisen Einsatz von Sound noch verstärkt wird. Formal sind seine Arbeiten durch lange, ruhige Einstellungen, den Verzicht auf Kamerabewegungen oder -fahrten, eine außergewöhnliche Sorgfalt der Bildausschnitte und den pointierten Einsatz von Musik gekennzeichnet. Sie gehen über das Dokumentarische hinaus und behaupten eine bemerkenswerte Sonderstellung.
Neben der thematischen Fokussierung weist gerade Levines außerordentliche Aufmerksamkeit, die er Bildaufbau und Schnitt widmet, in der zeitgenössischen Video-Kunst einen singulären Platz zu.

Kurator: Andreas Beitin
Projektleitung: Vanessa Roder

Erik Levine – As a Matter of Fact
19. Mai – 24. September 2017

Eröffnung: Donnerstag, 18. Mai 2017, um 19.00 Uh

Ludwig Forum Aachen
Jülicher Str. 97-109
D -52070 Aachen

Weiterführende Links:
http://ludwigforum.de