13.09.2018 09:15 umfangreiche Retrospektive

Die Schönheitsdarstellungen von Edward Burne-Jones in London

Burne-Jones ist von einem Außenseiters der britischen Kunst zu einem der großen Kuenstler des europäischen Fin de Siècle geworden

Burne-Jones ist von einem Außenseiters der britischen Kunst zu einem der großen Künstler des europäischen Fin de Siècle geworden. Fotoquelle: Tate Britain

Von: GFDK - Ausstellungen

Die Tate Britain wird in diesem Herbst Edward Burne-Jones (1833-1898) die erste umfangreiche Retrospektive in London seit über 40 Jahren widmen.

Der Künstler, der für seine jenseitigen von Mythen, Legenden und der Bibel inspirierten Schönheitsdarstellungen bekannt ist, war ein Pionier des Symbolismus und der einzige Präraffaelit, der zu Lebzeiten weltweite Anerkennung fand.

Die umfassende Ausstellung vereint mehr als 150 Werke, darunter Gemälde, Glasmalereien und Wandteppiche, die ihn zu einem der einflussreichsten britischen Künstler des 19. Jahrhunderts machen.

Burne-Jones ist von einem Außenseiters der britischen Kunst zu einem der großen Künstler des europäischen Fin de Siècle geworden. Burne-Jones lehnte die Ideale des viktorianischen Zeitalters ab und schuf eine verzauberte Parallelwelt, die von schönen und melancholischen Wesen bewohnt wird.

Die Ausstellung führt alle wichtigen Werke aus seiner 40-jährigen Schaffensphase zusammen, darunter seine Darstellungen klassischer Helden, biblischer Engel sowie seine Abbildungen von Ritterspielen.

Spektakuläre, großformatige Gemälde wie «Love among the Ruins», das zwischen 1870 und 1873 entstanden ist, sowie «The Wheel of Fortune» aus dem Jahr 1883 illustrieren seine internationale Bedeutung. Auf der Weltausstellung von 1889 rückte er als Leitfigur des Symbolismus in den Blickpunkt der internationalen Kunstszene.

Zwei der Ausstellungssäle sind den berühmtesten Erzählzyklen des Künstlers gewidmet, die erstmals zusammen präsentiert werden. Die monumentalen Gemälde gehören zu seinen schönsten und bekanntesten Werken. Sie erzählen die dramatische Geschichte von Perseus und das traumhafte Märchen von Dornröschen.

Burne-Jones unvollständige formale Ausbildung im Bereich der bildenden Künste erlaubte es ihm, eine ausgeprägte und höchst eigenwillige Herangehensweise an die Malerei zu entwickeln, die die Brücke zu den dekorativen Künste schlägt.

Die Ausstellung eröffnet mit einem Fokus auf sein Frühwerk und hebt seine Arbeit als Kirchenausstatter hervor. Beispielhaft dafür stehen seine Glasmalerei «Der gute Hirte» aus den Jahren 1857-1861 sowie «Die Anbetung der Könige», ein großes Altarbild aus dem Jahr 1861, das für die St. Paul’s Church in Brighton geschaffen wurde.

Der Künstler gilt als einer der bedeutendsten Zeichner des 19. Jahrhunderts, was unter anderem durch Arbeiten wie «Desiderium» (1873) illustriert wird. Die Zeichnungen stellen einfühlsame und persönliche Antworten auf die Renaissance-Meister dar.

Vertraute Gesichter bevölkern die ansonsten imaginäre Welten des Künstlers, die aus dem engen Kreis der Familie und Freunde stammen. Mehrere dieser Bilder werden in dem Teil der Ausstellung gezeigt, der die einzigartige Herangehensweise von Burne-Jones an die Porträtmalerei hervorhebt.

Seine Gemälde von Amy Gaskell (1893) und Lady Windsor (1893-1895) stehen im Kontrast zu den damaligen Gesellschaftsporträts, die idealisierte und minimalistische Abbildungen wiedergeben.

Die Tate Britain beleuchtet auch die Schlüsselrolle der dekorativen Künste in Burne-Jones Gesamtwerk sowie seine langjährige Beziehung zu William Morris. Beide Männer setzten sich für soziale Reformen ein und wollten mit ihrer gemeinsamen Arbeit durch die Schönheit des Designs und der Ausführung ein breites Publikum erreichen.

So werden neben dem einzigartigen «Graham Piano» (1879-1880) Stickereien, illustrierte Bücher und spektakuläre, großformatige Wandteppiche gezeigt, darunter «Bewaffnung und Auszug der Ritter von der Tafelrunde zur Suche nach dem Heiligen Gral» (1890-1894) und «Anbetung der Könige» (1894).

«Edward Burne-Jones: Der Präraffaeliten-Visionär» kuratiert von Alison Smith, Chefkuratorin, National Portrait Gallery, und Tim Batchelor, Assistenzkurator, Tate Britain. Die Ausstellung wird von einem von der Tate Publishing veröffentlichten Katalog begleitet sowie von einem Programm mit Vorträgen und Veranstaltungen in der Galerie.