09.08.2012 07:20 vom 9. September 2012 bis 6. Januar 2013

„Die Geburtsstunde der Fotografie“ - Ein besonderes Glanzstück ist jetzt in Mannheim eingetroffen: die erste Fotografie der Welt

(c)Reiss-Engelhorn-Museen

Von:

Ab 9. September 2012 präsentieren die Reiss-Engelhorn-Museen Mannheim in der Ausstellung „Die Geburtsstunde der Fotografie. Meilensteine der Gernsheim-Collection“ Höhepunkte aus zwei Jahrhunderten Fotografiegeschichte. Ein besonderes Glanzstück ist bereits jetzt in Mannheim eingetroffen: die erste Fotografie der Welt. Nach über 50 Jahren kehrt das Meisterwerk einmalig nach Europa zurück.

Dem Franzosen Joseph Nicéphore Niépce (1765-1833) gelang es im Jahre 1826 zum ersten Mal ein Bild dauerhaft zu fixieren. Die Zinkplatte zeigt den Blick aus Niépces Arbeitszimmer auf den Innenhof seines Anwesens in Le Gras. Ganze acht Stunden dauerte die Belichtung. Auf den ersten Blick wirkt die Platte unscheinbar, erst wenn sie im richtigen Winkel ins Licht gehalten wird, offenbart sich wie von Zauberhand das Motiv.

„Das ist wie die Mona Lisa oder die Blaue Mauritius“ freut sich Kurator Dr. Claude W. Sui, für den mit dieser Ausstellung ein lang gehegter Traum in Erfüllung geht. Niépce blieb die Anerkennung für sein Werk verwehrt. Lange Zeit galt sein späterer Partner Louis Jacques Mandé Daguerre (1787-1851) mit einer Aufnahme aus dem Jahre 1839 als Erfinder der Fotografie. Erst das Sammlerehepaar Helmut und Alison Gernsheim datierte mit der Wiederentdeckung der ersten Heliografie von Niépce die Geburtsstunde der Fotografie um 13 Jahre vor.

„Der Blick aus dem Fenster in Le Gras“ war 1898 in einer Ausstellung im Crystal Palace in Sydenham zu sehen. Danach verlor sich seine Spur für mehr als ein halbes Jahrhundert. Der Wiederentdeckung der ersten Fotografie der Welt ging eine jahrelange Suche voraus. Erst ein Aufruf in „The Observer“ brachte schließlich die Wende. Das gesuchte Bild tauchte eingelagert in einem Schrankkoffer auf.

Am 14. Februar 1952 hielt Helmut Gernsheim die Fotografie zum ersten Mal in seinen Händen. Helmut Gernsheim (1913-1995) trug eine einzigartige Fotosammlung zusammen. Der historische Teil ging 1963 ins Harry Ransom Center der Universität Texas in Austin, der zeitgenössische Teil kam 2002 ins Forum Internationale Photographie der Reiss-Engelhorn-Museen.

Nach über einem halben Jahrhundert vereint die gemeinsame Ausstellung „Die Geburtsstunde der Fotografie“ erstmals wieder 250 Meilensteine aus beiden Sammlungsteilen – von den Fotopionieren bis zu wichtigen Vertretern des Bildjournalismus. Die erste Fotografie der Welt wird in einem ausgeklügelten Schau- und Konservierungssystem präsentiert.

In einer sauerstofffreien Argonatmosphäre ist sie vor schädlichen Außeneinwirkungen geschützt. Eine ähnlich aufwändige Handhabung genießen wichtige Exponate und Urkunden wie die ägyptische königliche Mumiensammlung oder die indische Verfassung. Der Transport war auch für Barbara Brown, Chefrestauratorin des Harry Ransom Center, eine Premiere. Zum ersten Mal ging das Meisterwerk im eigens designten Schaukasten auf Reisen. 

Die Ausstellung „Die Geburtsstunde der Fotografie“ ist vom 9. September 2012 bis 6. Januar 2013 in den Reiss-Engelhorn-Museen zu sehen. Hauptsponsor ist die BASF SE.

www.rem-mannheim.de