23.06.2012 07:40 Rahmen des diesjährigen Architektursommers Rhein-Main

Cage 100 – Künstlerische Interventionen am Hauptbahnhof Darmstadt vom 3. bis 31. Juli 2012 mit einem einzigartigen Flashmob-Konzert

Bild1: Internationales Musikinstitut Darmstadt Henning Lohner, Bild2: Kristof Lemp und formalin

Von: Eva Arnold - 2 Bilder

Zwei prominente Ereignisse jähren sich 2012 zum 100. Mal: Der bedeutende amerikanische Komponist und musikalische Grenzüberschreiter John Cage wäre am 5. September diesen Jahres 100 Jahre alt geworden. Und auch der Darmstädter Hauptbahnhof wurde vor exakt 100 Jahren an seinem heutigen Standort in Betrieb genommen.

Dies haben das Internationale Musikinstitut Darmstadt (IMD), der Darmstädter Architektursommer e.V. und die Centralstation zum Anlass genommen, im Rahmen des diesjährigen Architektursommers Rhein-Main ein großes Festival zu
Ehren der beiden „Jubilare“ zu veranstalten. Ermöglicht durch den Kulturfonds Frankfurt RheinMain wird es einen Sommermonat lang – von Dienstag, dem 3. Juli, bis Dienstag, dem 31. Juli – ein abwechslungsreiches Programm geben, das dazu einlädt, ganz im Geiste des umtriebigen Jahrhundertkünstlers und Musik-Philosophen Cage, neue Perspektiven auf den Bahnhof und sein Umfeld zu entdecken.


Für den Auftakt war eine Lesung mit Blixa Bargeld am Samstag, dem 30. Juni, geplant. Der Musiker, Komponist, Autor und Frontmann der Band „Einstürzende Neubauten“ musste seinen Auftritt aus gesundheitlichen Gründen leider kurzfristig absagen. Die Macher des Festivals haben sich deshalb kurzerhand dazu entschlossen, den Beginn um drei Tage zu verschieben: Denn am
Dienstag, dem 3. Juli, stehen gleich zwei Veranstaltungshöhepunkte auf dem Programm. Zunächst wird Jochen Partsch, Oberbürgermeister der Wissenschaftsstadt Darmstadt, um 18 Uhr das Festival mit seiner Interpretation von Cages Komposition 4’33’’ eröffnen – ein Stück, während dessen
gesamter Spieldauer (vier Minuten und 33 Sekunden) kein einziger Ton gespielt wird. Nach dem Auftritt des Oberbürgermeisters ist ganz Darmstadt gefragt, in John Cages Musicircus mitzuwirken:


Das Stück lädt sowohl Blockflötenschülerin, Straßenmusikant und Jazzsaxofonist als auch den vermeintlich Talentfreien dazu ein, gemeinsam zu musizieren. Um 19 Uhr versammelt sich auf der Grünfläche vor dem Hauptbahnhof das größte Orchester Darmstadts zu einem einzigartigen Flashmob-Konzert. Nach diesem fulminanten Startschuss können, mit Unterstützung der Wissenschaftsstadt Darmstadt und der Sparkasse Darmstadt, vier Wochen lang in und um den Hauptbahnhof Darmstadt eine Reihe dauerhafter Installationen erkundet werden: Mit ihrem Klangkunst-Projekt „Brunnenlieder“ macht die Künstlerin Christina Kubisch die Vorbeeilenden beispielsweise auf den häufig kaum wahrgenommenen, südlich des Haupteingangs gelegenen, Brunnen aufmerksam. Betreten Besucher hingegen den Bahnhof durch einen der glasüberdachten Eingänge, werden sie das Brausen weit entfernter
Züge aus Lower Manhattan, dem südaustralischen Outback und der Tokyoter Metro vernehmen, das Teil der KlangPlastik l u f t z u g des Künstlers Johannes S. Sisstermanns ist.

Roswitha von den Driesch und Jens-Uwe Dyffort intervenieren durch ihre Arbeit „Punktierte Allee“, mittels 48 knopfgroßer Lautsprecher, die sie an den Bäumen zwischen Hauptbahnhof und Rheinstraße anbringen, auditiv in den Stadtraum. Mit „sammelstellen“ lenkt hans w. koch das Augenmerk der Passanten auf einen nur zu häufig nicht wahrgenommenen und doch unverzichtbaren Alltagsgegenstand – den öffentlichen Mülleimer. Vera Röhms Schattenlabyrinth eröffnet neue visuelle und akustische Perspektiven auf den Europaplatz.


Zudem sind jede Menge Live-Veranstaltungen geplant. Vornehmlich in der zweiten Juli-Hälfte werden immer wieder internationale Künstlerinnen und Künstler aus dem Umfeld und Teilnehmer der 46. Internationalen Ferienkurse für Neue Musik Darmstadt, die sich in diesem Jahr ebenfalls schwerpunktmäßig mit John Cage auseinandersetzen, das Gelände kreativ in Beschlag nehmen. An
wechselnden Orten, vor allem aber im StageCage, wird es musikalische Live-Aktionen und Performances geben. Geplant ist unter anderem eine zweitägige Aufführung von Cages „As SLow aS Possible“ mit dem italienischen Pianisten Marino Formenti (am 21. und 22. Juli).


Auch zwei Studierendenklassen der Hochschule Darmstadt (h_da) sowie der Fachhochschule Dortmund haben sich im vergangenen Semester mit dem Thema auseinandergesetzt und eine Reihe spannender Projekte erarbeitet: Ein Informations- und Leitsystem wird durch den Hauptbahnhof führen und mittels Audio-Devices interessante Auskünfte geben über John Cage, seine Vision und
seine Beziehung zu Darmstadt. Vor dem Hauptbahnhof wird eine temporäre Konzerthalle als installatives Ready-Made errichtet, in der unterschiedliche Künstler und Performer gastieren werden.


Dieser StageCage ist sichtbares Zeichen für das medienübergreifende Gesamtprojekt rund um den Hauptbahnhof. Darüber hinaus sind dort tägliche Lesungen von Cage-Texten, pünktlich zum Feierabend, um 18 Uhr geplant. Zur Interaktion lädt die Installation „Fahrstuhlmusik“ ein, ebenfalls ein studentisches Projekt: Durch die bloße Nutzung der Aufzüge in der Gleishalle werden, ähnlich einer Walzen-Spieldose, Klangmechanismen ausgelöst, die eine Komposition wiedergeben. Der Reisende wird bewusst oder unbewusst selbst zum Akteur.


Für das leibliche Wohl sorgt die Centralstation, die während des gesamten Veranstaltungszeitraums den alten Kiosk am ehemalige Pavillon des Verkehrsamtes am Hauptbahnhof Darmstadt zu „Cage und Cola“ wiederbelebt. Der in Anlehnung an Cages Interesse an fernöstlicher Philosophie gestaltete
Garten lädt Musiker, Interessierte, Reisende und zufällig vorbeischauende Passanten zum Verweilen ein.


Kaum zu glauben, doch dies ist nur ein kleiner Teil der vielseitigen Projekte, installativen Arbeiten und Hommagen an Cage, die im Laufe des Julis am Hauptbahnhof Darmstadt zu erleben sein werden.
Einiges befindet sich noch in Planung oder entwickelt sich erst in einem künstlerischen Prozess im Rahmen der 46. Internationalen Ferienkurse für Neue Musik. Weitere Programmdetails finden Sie unter www.asrm-darmstadt.de


Und nicht nur am Hauptbahnhof spielt John Cage in diesem Jahr eine wichtige Rolle; überall in Darmstadt finden Veranstaltungen anlässlich dessen 100. Geburtstags statt.

Auf der Mathildenhöhe Darmstadt kann man vom 13. Mai bis 9. September die Ausstellung „A House Full Of Music –Strategien in Musik und Kunst“ besuchen.


Der Architektursommer Rhein-Main in Darmstadt wird ermöglicht durch Kulturfonds Frankfurt Rhein Main, die Sparkasse Darmstadt und die Wissenschaftsstadt Darmstadt.
Weitere Informationen unter www.asrm-darmstadt.de

 


Eva Arnold
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

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