25.04.2014 09:00 Migros Museum für Gegenwartskunst

Ausstellung in Zürich: Teresa Margolles - ihre Arbeiten wurden international gezeigt

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Seit Beginn der 1990er Jahre arbeitet die Künstlerin und Gerichtsmedizinerin Teresa Margolles als Freiwillige in einem Obduktionshaus in Mexiko-Stadt; Courtesy the artist and Galerie Peter Kilchmann, Zurich

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Von: GFDK - Migros Museum für Gegenwartskunst

Seit Beginn der 1990er Jahre arbeitet die Künstlerin und Gerichtsmedizinerin Teresa Margolles (*1963, Mexiko) als Freiwillige in einem Obduktionshaus in Mexiko-Stadt, wo täglich zahlreiche, meist anonyme Opfer von Gewaltverbrechen angeliefert werden.

Vor diesem gesellschaftlichen Hintergrund – seit 2005 untersucht die Künstlerin vor allem die Gewaltexzesse um Ciudad Juárez und den ebendort tobenden Drogenkrieg – entstehen die Werke von Margolles. Für ihre oftmals skulpturalen Arbeiten benutzt Margolles «Restsubstanzen» von Toten, etwa das Wasser, mit dem die Leichen gewaschen werden. Die Künstlerin kritisiert damit die soziale Ungerechtigkeit, die auch nach dem Tod weiterexistiert: Die anonymen Leichen, die täglich in Mexiko-Stadt in die Leichenhäuser gelangen, verschwinden häufig in Massengräbern; dasselbe passiert mit Toten, deren Familien nicht genügend finanzielle Mittel für eine Beerdigung aufbringen können. Die Spuren solcher toter Körper – auch wenn sie nur minimal vorhanden sind – stehen in Margolles Werken für das Wertesystem einer Gesellschaft im Ausnahmezustand.

Ausstellung in Zürich

Durch die Transposition in den White Cube trägt die Künstlerin gleichzeitig dazu bei, dass die Schicksale der Verstorbenen nicht in Vergessenheit geraten. Formal zeichnen sich die Arbeiten von Margolles durch Nüchternheit und Reduktion aus. Dieser Minimalismus steht dabei in einer spannungsgeladenen Wechselwirkung mit den emotionalen Reaktionen der Betrachter auf den unerbittlichen Realismus ihrer Werke. In Zürich beabsichtigt Margolles Arbeiten zu zeigen, die einen grundlegenden neuen Schritt in ihrem Werk markieren und eine unabdingbare, kontinuierliche Weiterentwicklung ihrer thematischen Ansätze darstellt. Neben der bisherigen Fokussierung auf den akuten Moment der Geschehnisse, des in Ciudad Juárez alltäglich gewordenen Verbrechens, verfolgt Margolles in ihren neuen Arbeiten Spuren der Zeugenschaft, die sich über mehrere Generationen in Architekturen, Menschen und die Natur eingeschrieben haben.

Freunde der Kunst

Die Arbeiten von Margolles wurden international gezeigt – unter anderem in der Kunsthalle Fridericianum, Kassel (Einzelausstellung, 2010/11), an der Venedig Biennale (2009), an der Manifesta (2008), im Museum für Moderne Kunst, Frankfurt (Einzelausstellung, 2004), in der Kunsthalle Wien (Einzelausstellung, 2003) und an der Lyon-Biennale (2000). 2010 zeigte das Migros Museum für Gegenwartskunst 37 cuerpos / 37 Bodies (2007) von Margolles im Rahmen der Gruppenausstellung Une Idée, une Forme, un Être – Poésie / Politique du corporel.

Diese erste Schweizer Einzelausstellung von Teresa Margolles wird kuratiert von Raphael Gygax (Kurator, Migros Museum für Gegenwartskunst).

24. Mai – 17. August 2014

 

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