10.04.2014 09:00 Hauser Gallery

Ausstellung in Zürich: "Flawless to Pique III" - die Werke der Künstler sprechen auf eigene Art über Reinheit und Materialität

aldo mozzini ausstellung

Die Künstler Huber.Huber haben als Kuratoren sechs Gäste für die Ausstellung "FLAWLESS TO PIQUE III“ in die Hauser Gallery eingeladen; Bild 1: (c) Aldo Mozzini

bob gramsma zuerich

Bild 2: (c) Bob Gramsma

livio baumgartner hauser galerie

Bild 3: (c) Livio Baumgartner

nino baumgartner ausstellung

Bild 4: (c) Nino Baumgartner

zuerich palla ursula

Bild 5: (c) Ursula Palla

sandra kennel ausstellung

Bild 6: (c) Sandra Kennel

Von: GFDK - Hauser Gallery

Die Künstler Huber.Huber haben als Kuratoren sechs Gäste für die Ausstellung "FLAWLESS TO PIQUE III“ in die Hauser Gallery eingeladen.

Die Werke der Künstler sprechen alle auf ihre ganz eigene Art über Reinheit und Materialität, indem sie mit dem Wahrnehmungsmoment der Besucher spielen. Die Oberfläche ist selten die, die sie zu sein scheint. Erst beim genaueren Betrachten erkennen wir den wahren Wert.

Ausstellung in Zürich

Diese Art des Sehens kennen wir aus der Beurteilung von Edelsteinen. Jahrhundertelang gab es dabei nur ein wesentliches Kriterium: ihr Gewicht. Doch in der heutigen Zeit, infolge naturwissenschaftlicher Forschung und fortschrittlicher Technik, vermag diese Bewertungsmethode nicht mehr genügen. Jetzt spielt neben dem Gewicht und dem Schliff, auch die Farbe und die Reinheit der Edelsteine bei der Klassifizierung eine wichtige Rolle.

So werden Diamanten in einer Skala nach ihrer Reinheit eingestuft. "Flawless“ sind geschliffene Diamanten, die auch bei zehnfacher Vergrösserung keine inneren und äusseren Fehler aufweisen: also absolut Lupenrein sind. Als Konterpart fungiert die "Piqué 3“ Klassifizierung, bei welcher der Diamant grosse und zahlreiche Einschlüsse besitzt, die mit blossem Auge erkennbar sind. Diese mindern die Brillanz und den Wert des Steines deutlich.

In der Bildenden Kunst spielen das Reine und Unreine, die Oberfläche und das Material seit den 20er Jahren eine bedeutende Rolle. Doch ist in der Kunst das Reine nicht mit dem Wertvollen gleich zu setzten. Die ausgewählten Werke verbinden alle auf irgendeine Weise den "Aspekt der Reinheit“ und das Material - das formale Moment. Huber.Huber interessiert das Rohe, aber auch das vermeintlich Reine in den ausgewählten Arbeiten.

Livio Baumgartner (geb. 1982 in Jegenstorf, lebt und arbeitet in Zürich) experimentiert mit Farben, Formen, Licht und Realitäten. In seinen Fotogrammen verliert sich der Betrachter auf der Suche nach Aufklärung und Erkenntnis. Die Wahrnehmung suggeriert eine Oberfläche aus buntem, zerknittertem Papier, das zeitgleich in eine surreale Landschaft zu zerfliessen scheint.

Nino Baumgartner (geb.1979 in Jegenstorf, lebt und arbeitet in Zürich) erforscht in sogenannten "Maneuver“ die Ausführung ortsspezifischer Aktionen. Ausgangspunkt ist eine gute Vorbereitung auf den jeweiligen Kontext, das körperliche Training und das Zusammenstellen der spezifischen Arbeitsmaterialien. Sein Stil umfasst taktische Raumstrategien und skulpturale Techniken, die er im "Maneuver“ direkt auslotet. Diese Aktionen werden von ihm selbst filmisch aufgezeichnet: So entstehen im Prozess skulpturale Arbeiten, Raumapplikationen und Materialproben, die das Ephemere der Handlungen überdauern und eine eigenständige Position im Œuvre des Künstlers einnehmen.

Bob Gramsma (geb. 1963 in Uster, lebt und arbeitet in Zürich) untersucht in seinen Werken die Frage, wie wir «Raum» denken. Seine Werke nehmen Raum ein und enthüllen ihn. Dabei löst er Raumkonglomerationen aus ihrem gewohnten Kontext und rückt sie in neue Referenzrahmen oder reorganisiert vorgefundene Elemente spielerisch zu neuen Wirkungen. So erinnern seine Werke an Bekanntes, ohne eine feste Definiertheit zu haben.

Freunde der Kunst

Neben der inhaltlichen Dechiffrierung eines Objektes ist auch die physische Form von elementarer Wichtigkeit. Sie ist die Hülle für den Materialisierungsprozess, das "Embodiment" einer Idee. Seine Plastiken sind gehöhlte Räume, die durch ihre Rückbettung als Körper in den Raum zu komplexen Orten der Erfahrung und Wahrnehmung werden.

Sandra Kennel (geb. 1980 in München, lebt und arbeitet in Zürich) befasst sich mit dem Universum und der Vergänglichkeit unseres Seins - mit dem Raum und der Zeit, in der wir leben. Die Reinheit und die natürliche Schönheit der Dinge, stehen im Kontrast zum Laufe der Zeit und dem damit einhergehenden Zerfall. Ihre Werke sind stets auf der Suche nach der inneren und äusseren Reinheit, die sich unter der Oberfläche oder im Kern eines natürlichen oder künstlich erschaffenen Objektes verbergen kann. Künstlichkeit gegen Natürlichkeit, Zerfall gegen Ewigkeit, dass sind ihre Gegensätze. Als Sinnbild des puren Lebens wählt die Künstlerin die natürliche Form des Fleisches und verschmelzt es mit der Reinheit des Wassers. Mittels der abstrakten Fotografie erschafft sie so neue Räume und hält sie für den Betrachter fest.

Aldo Mozzini (geb. 1956 in Locarno, lebt und arbeitet in Zürich) bedient sich der Bescheidenheit der Materialien und vor allem auch der leicht skurrilen Poesie, welche mit einfachen Materialien in einem alltäglichen Kontext generiert werden kann, um dadurch komplexe Sachlagen zu rekonstruieren, zu karikieren und damit zu kommentieren. Die entstehende Irritation ist nicht Selbstzweck, sondern ein Hinweis der Befragung der materiellen Wirklichkeit, die uns umgibt, uns beeinflusst und uns bestimmt. Seine Arbeiten bauen stets auf die primären Erfahrungen des menschlichen Seins, des Körpers, der Räume und der Dinge auf. Sein Blick ist weder bejahend noch berechnend oder zynisch. Es geht ihm vielmehr um eine kritische Reflexion der Gegenwart mit Humor und Selbstironie. Diese Reflexion mündet in Werken, die durch ihre Fragilität und Instabilität ganz sanft Gemeinplätze zum Wanken bringen.

Ursula Palla (geb. 1961 in Chur, lebt und arbeitet in Zürich) arbeitet vorwiegend mit dem Medium Video und liess sich für eines ihrer Werke in der Ausstellung von einer Frau aus Shanghai inspirieren. Diese versteckte ihr Erspartes unter der Matratze und stellte nach einer gewissen Zeit fest, dass davon nur noch Fetzen übrig waren: Wahrscheinlich von Insekten und Ameisen zerfressen. Die Werteverschiebung setzte die Künstlerin mittels einer Videoinstallation um, in welcher sie die Werte einer Gesellschaft und das Menschsein an sich im Zusammenspiel mit der Macht der Natur hinterfragt.

Text: Graziella Kuhn


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