29.04.2015 07:00 Ost – West, Nord – Süd

Ausstellung in Würzburg: Rendezvous der Länder - Neuhängung der Sammlung Peter C. Ruppert – Konkrete Kunst in Europa nach 1945

ausstellung wuerzburg

Die Sammlung Ruppert, die im Museum im Kulturspeicher beheimatet ist, widmet sich der Konkreten Kunst in nahezu allen Ländern Europas; (c) Museum im Kulturspeicher Würzburg

kulturspeicher wuerzburg
Von: GFDK - Museum im Kulturspeicher Würzburg

Es wird immer vielfältiger, das Bild Europas in der „Sammlung Peter C. Ruppert – Konkrete Kunst in Europa nach 1945“.

Ausstellung in Würzburg

Denn in den letzten Jahren wurde durch den Sammler Peter C. Ruppert  die Kollektion weiter vergrößert. Dies geschah stets im Austausch mit dem Museum im Kulturspeicher Würzburg, wo die Sammlung als Dauerleihgabe seit 2002 beheimatet ist. Insbesondere die Länder Ungarn und Polen erfuhren mit Werken mehrerer Künstler, darunter Tamas Henczse und Tamas Konok (Ungarn) oder Wieslaw Luczay (Polen) beträchtliche Zuwächse in der Sammlung.

Besondere Trouvaillen unter den Neuerwerbungen sind zum Beispiel eine Arbeit der Italienerin Dadamaino aus der Zero-Zeit oder ein Relief ihres Landsmannes Enzo Mari.

Insgesamt wurden in den letzten Jahren 28 Werke neu erworben, die bisher für das Publikum noch nicht in der Sammlung zu sehen waren – Grund genug, nach vier Jahren die gesamte Kollektion neu zu präsentieren. Dafür wurden alle sechs Räume der Sammlung, das heißt der gesamte südliche Trakt im Museum im Kulturspeicher, neu gestaltet und nahezu alle Werke wechselten ihren Platz. Ging es bei der letzten Präsentation primär um Künstlergruppierungen und Künstlervereinigungen, so ist diesmal das Motto „Rendezvous der Länder“. Hier stehen die unterschiedlichen

Spielarten der Konkreten Kunst in einzelnen Ländern im Fokus: Kunst aus 23 europäischen Nationen präsentiert sich auf 1.850 qm. Dabei ist auch die Konkrete Kunst der ehemaligen DDR mit überzeugenden Beispielen vertreten. Sie ist eingebettet und zugleich herausgehoben im Bereich der Konkreten Kunst in Deutschland. Diese bildet einen der Schwerpunkte der Sammlung und präsentiert sich nun in zwei gegenüber liegenden Räumen im ersten Stockwerk. Andere Schwerpunkte gelten Frankreich, der Schweiz und Großbritannien.

Im Zuge der Neupräsentation gibt es in der Schweizer Sektion auch eine „Familienzusammenführung“: Max, Jakob und David Bill, d.h. Großvater, Vater und Sohn vertreten in je unterschiedlicher Weise die Konkrete Kunst und präsentieren sich mit ihren Werken nun benachbart.

Anlässlich der aktuell gezeigten Wechselausstellung „Lichtbild und Datenbild. Spuren Konkreter Fotografie“, die von der Sammlung Ruppert ausgeht, wurden eine Arbeit des Finnen Ola Kolehmainen sowie eine Arbeit des Briten Richard Caldicott neu in die Sammlung aufgenommen. Beide werden nach Ende der Wechselausstellung in die Fotoabteilung der Sammlung Konkrete Kunst integriert.

In ihrer Lebendigkeit, ihrer Qualität und ihrem europäischen Anspruch dürfte die Sammlung Peter C. Ruppert international einzigartig sein. Unbekümmert um den Zeitgeist, bietet sie einer Kunst eine Plattform, die sich nach Vorläufern in Bauhaus und Konstruktivismus vor allem in den 1950er und 1960er Jahren in Europa vielfältig weiter gestaltete und bis heute von ihrer Faszination nichts eingebüßt hat. Wie im Namen angegeben, konzentriert sich die Sammlung auf Konkrete Kunst aus der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg und verfolgt ihre Entwicklungen bis heute. Seit den Anfängen hat die Konkrete Kunst eine besondere Affinität zur Mathematik, ohne Wissenschaft zu illustrieren.

Freunde der Kunst

Dies gilt auch für jüngere Vertreter wie Esther Stocker oder Axel Rohlfs. Ihnen, wie den älteren Vertretern der Konkreten Kunst, geht es um die Schaffung einer autonomen bildnerischen Welt, die Fragen nach Dynamik und Ruhe, Gleichgewicht und Spannung, Zufall und Ordnung nachgeht und damit Grundfragen des Lebens berührt. Das Naturvorbild spielt dabei keine Rolle. In ihren starken Kontrasten, der intensiven Farbigkeit und ihrem oft suggestivem Einsatz von Licht erzielt sie bei aller logischen Konstruktion überraschende visuelle Wirkungen.

Bis heute sind 416 Werke von 252 europäischen Künstlern in der Sammlung enthalten. Diese überzeugende kulturelle Botschaft dokumentiert sich seit 2002, dem Eröffnungsjahr des Museum im Kulturspeicher mit der Sammlung Konkrete Kunst, in der ehrenvollen Schirmherrschaft des Generalsekretärs des Europarates.

 presse.kulturspeicher@stadt.wuerzburg.de