11.02.2017 06:59 begehbare Bodenskulpturen

Ausstellung in Wiesbaden: Teppichkunst von Holger Schmidhuber

Holger Schmidhuber macht aus Teppichen begehbare Bodenskulpturen

Abbildung: Holger Schmidhuber, TELL ME I´M THE ONLY ONE (Carpets of the Forgotten), 2016

Von: GFDK - Museum Wiesbaden

Das Museum Wiesbaden präsentiert ab 10. Februar Holger Schmidhubers Werkzyklus „Carpets of the Forgotten“, an dem er seit Ende 2014 arbeitet. Als Basismaterial der malerischen Arbeiten dienen dem Künstler handgeknüpfte, bis zu 100 Jahre alte Orientteppiche, die überwiegend gestisch von ihm bemalt wurden und als begehbare Bodenskulpturen ausgestellt werden.

In sämtlichen Arbeiten finden sich kurze typografische Aussagen, die eine elementare Position in diesem Zyklus einnehmen. Es sind Textfragmente aus eigenen lyrischen Quellen des Künstlers, wie früheren Songtexten, Gedichten und Notizen.
Schmidhuber wird mit diesen Bodenobjekten die Räume der Alten Meister besetzen, was Peter Foster, Kustos der Sammlungen 14. bis 19. Jahrhundert im Landesmuseum Wiesbaden, folgendermaßen kommentiert: „In sämtlichen Räumen der „Alten Meister“ […] stellt dieser Eingriff auf den ersten Blick eine Störung dar. Schmidhuber bringt damit die bestehenden Verhältnisse in ein Ungleichgewicht: er bricht die eiserne Regel von der Unantastbarkeit von Kunst. […]

Kunst am Teppich

Nun endlich darf der Besucher Ungeheures tun! Er darf die Teppiche, die ja eigentlich Kunstwerke sind, betreten, er kann sich auf ihnen niederlassen, sich legen oder setzen. Damit evoziert Schmidhuber ein verändertes Körpergefühl im Raum. Aber nicht nur die neu gewonnene körperliche Freiheit eröffnet ein neues Raumgefühl, der Raum wandelt sich selbst. Der Interpretationsspielraum bei den altmeisterlichen Bildern vergrößert sich somit, da sie nun nicht mehr nur im Kontext ihrer selbst stehen, sondern konfrontiert werden mit einer besonders radikalen Form der zeitgenössischen Kunst.“

Ausstellung in Wiesbaden

Darüber hinaus hat Schmidhuber die Künstler und Komponisten Christopher Dell und Jarii van Gohl eingeladen, mit eigens für die Ausstellung erarbeiteten Kompositionen in einen klangbildlichen Austausch mit seinen Arbeiten zu treten, um so die abgegrenzten Territorien der visuellen und der Klangkunst aufzubrechen – eine interdisziplinäre Fortführung des Gedankens der „Broken Territories“. Die Stücke von Dell und van Gohl wurden jeweils als Unikat auf Vinyl produziert und verschmelzen mit Schmidhubers Arbeiten in Form der „lebenden“ Installation „Vinyl-LP – Plattenspieler – Tisch – Bodenskulptur“ zum Gesamtkunstwerk, die den Museumsbesucher involviert, indem er die Möglichkeit hat, die Schallplatte aufzulegen.

Zur Ausstellung erscheint die Publikation „Broken Territories“.

Weitere Infos unter www.museum-wiesbaden.de

 

Eröffnung: 10. Februar 2017, 19 Uhr

 

Laufzeit der Ausstellung: 10. Februar – 19. März 2017