03.10.2013 08:00 Film, Philosophie, Politik und Kultur

Ausstellung in Wien: Ursula Mayer - BUT WE LOVED HER im 21er Haus

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Die Deutungshoheit und die Stellung des Betrachters rücken dabei in den Vordergrund; © Ursula Mayer

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Von: GFDK - 21er Haus

BUT WE LOVED HER – der Titel von Ursula Mayer’s Ausstellung entstammt einer Abbildung in der britischen Tageszeitung The Independent vom 17. April 2013, vom Tag, an dem Margaret Thatcher beigesetzt wurde. Die in London lebende Künstlerin sammelte in den Tagen nach Thatchers Ableben alle Zeitungsartikel und stellt diese vier Worte programmatisch ihrer Ausstellung in Wien, aber auch einer Werkphase voran, in der Fragen zu den Möglichkeiten neoliberaler Identität, zur Konsumkultur in einer postkapitalistischen Gesellschaft und zu deren Vorläufern im Vordergrund stehen.

Ausstellung in Wien

Ausgehend von Quellen aus Film, Philosophie, Politik und Kultur stellt Ursula Mayer ideengeschichtliches Text- und Bildmaterial neu zusammen und entwickelt daraus ein vielschichtiges Geflecht autonomer Aussagen und Konzepte. Sie beschäftigt sich in ihrer Arbeit mit Strategien der filmischen Bildfindung, in denen gesellschaftliche Normen zementiert werden, um genau diese konventionellen Bilder durch die Zerlegung der filmischen Sprache in ihrer Konstruktion offenzulegen. Ursula Mayer hat für das 21er Haus – gemeinsam mit dem Berliner Architekten Roger Bundschuh – ein kinematografisches Setting geschaffen, das über die Grenzen der filmischen Arbeiten hinaus Objekte, Skulpturen, Collagen und Fotografien zu einem erlebbaren Referenz- und Handlungsraum zusammenfasst.

Ausgangspunkt ist eine Trilogie aus den Filmen GONDA (2012), MEDEA (2013) sowie der 16mm-Doppelprojektion Cinesexual (2013). Deren Hauptdarsteller, das Model Valentijn de Hingh und die Musikerin JD Samson, bewegen sich zwischen so unterschiedlichen Figuren wie Ayn Rand, Medea und Jason, um letztlich in einer Two Sides to Every Story-Referenz auf Michael Snow aufeinanderzutreffen und die Fäden miteinander zu verbinden. Hier wird eine Schwellensituation inszeniert, um die Oppositionen einer binären Weltanschauung aufzulösen.

Mayers Aktualisierung grundsätzlicher gesellschaftlicher Themen reicht von der antiken Migrationsgeschichte von Euripides’ Medea bis in die heutigen Unruhen in der arabischen Welt hinein und stellen eindringlich die Frage nach der zeitgenössischen conditio humana. Es handelt sich um Fragen zum Individualismus und zur persönlichen Freiheit, zum Affekt und zum Grenzzustand menschlicher Destruktivität. Die von der Autorin und Kunstkritikerin Maria Fusco und der Filmtheoretikerin Patricia MacCormack nach Originaltexten verfassten Filmscripts verwickeln den Betrachter in die sinnliche Welt des filmischen Narrativs, um ihn gleichzeitig in die individualistische Jetztzeit zu katapultieren.

Bildende Kunst

Die Filme werden in die Ausstellungsfläche hineingetragen, in ein tableau vivant aus unterschiedlichen Objekten und Szenarien wie z. B. den Körpermaschinen von Bruno Gironcoli. Mayer plädiert für eine performative Körperlichkeit des Films, die durch Elemente wie Textur, Licht oder Schatten entsteht, unabhängig von einer bloßen Abbildung des (menschlichen) Körpers existiert und jenseits von kulturspezifischen Zuschreibungen funktioniert. Die Deutungshoheit und die Stellung des Betrachters rücken dabei in den Vordergrund. Zeichen vermitteln in der Kunst immer nur Möglichkeiten – es gibt keine festgelegten Bedeutungen, lediglich individuelle Interpretationen. Damit setzt Ursula Mayer einen Prozess in Gang, der traditionelle Denkkategorien infrage stellt, um produktive Anstöße zu entwickeln.

Performance am 12. Oktober um 19.30 Uhr

Im Zentrum von Ursula Mayers Liveperformance der Filme GONDA und MEDEA stehen als Ausdrucksträger unserer Zeit das Transgender-Model Valentijn de Hingh und die Musikerin JD Samson. Filmmusik: Gediminas Gelgotas. Orchester: NI&CO (The New Ideas Chamber Orchestra).

Freunde der Kunst

G.Simms@21erhaus.at