06.03.2014 07:00 Orangerie

Ausstellung in Wien: Totentanz - Egger-Lienz und der Krieg - neue Ausstellung in Belvedere

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Existenzielle Fragen zu Leben und Tod ziehen sich durch das gesamte Schaffen des Malers Albin Egger-Lienz; Bild 1/2: © Belvedere, Wien

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Bild 3: © Landesmuseum für Kärnten

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Bild 4: © Museum Schloss Bruck, Lienz. Vaverka

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Von: GFDK - Belvedere

Existenzielle Fragen zu Leben und Tod ziehen sich durch das gesamte Schaffen des Malers Albin Egger-Lienz (1868–1926). Seine Kriegsbilder gelten heute als eindringliche Mahnmale gegen die Gräuel von Kampf und Gewalt. Zudem haben ihn die Erlebnisse als Kriegsmaler an der Front deutlich geprägt. Vom 7. März bis 9. Juni 2014 zeigt das Belvedere die Ausstellung Totentanz: Egger-Lienz und der Krieg in der Orangerie und widmet damit diese Schau einem der bedeutendsten österreichischen Künstler zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Ausgehend vom Gemälde Der Totentanz von Anno Neun und anhand zahlreicher weiterer Arbeiten beleuchtet die Ausstellung die künstlerische Entwicklung Egger-Lienz’ und zeigt unterschiedliche Interpretationsstränge sowie Bezüge auf.

Ausstellung in Wien  

Der Totentanz von Anno Neun ist nicht nur ein Hauptwerk der österreichischen Kunstgeschichte zu Beginn des 20. Jahrhunderts, sondern spielt auch im Œuvre von Egger-Lienz als künstlerischer Wende- und lebenslanger Bezugspunkt eine herausragende Rolle. Mit diesem Werk entfernte sich der Künstler von der traditionellen Historienmalerei und schuf ein allgemeines Sinnbild des Krieges. Dabei geht Egger-Lienz vom jahrhundertelang tradierten allegorischen Darstellungstypus des Totentanzes aus – den er jedoch entscheidend verändert.

Albin Egger-Lienz erhielt 1906 den Auftrag, für die „Moderne Galerie“ – das heutige Belvedere – eine Episode aus den Tiroler Befreiungskriegen zu malen. Pünktlich zum 60-jährigen Thronjubiläum Kaiser Franz Josephs I. präsentierte er 1908 das Gemälde Totentanz von Anno Neun. Das für das traditionelle Motiv des Totentanzes charakteristische Eingreifen des Todes in das Leben des Menschen, egal welchen Alters und Standes, setzt Egger-Lienz im Gemälde Der Totentanz von Anno Neun außer Kraft.

Bildende Kunst

Am Ort der ersten Präsentation des Totentanzes im Rahmen der Sammlung der „Modernen Galerie“­ in der Orangerie des Unteren Belvedere ­ nimmt die eindrucksvolle Schau dieses Schlüsselwerk zum Anlass, um Egger-Lienz’ malerische Entwicklung, seine Auseinandersetzung mit dem Krieg, aber auch die widersprüchliche Rezeptionsgeschichte seines Totentanzes nachzuzeichnen. Erstmals wird das historische Quellenmaterial eingehend ausgewertet und damit gezeigt, unter welchen Umständen der Auftrag an den Maler erging, in welchem motivischen Kontext Egger-Lienz seinen Totentanz schuf und auf welche bildnerischen Traditionen des Historienbildes er zurückgreifen konnte.

Im Dialog mit anderen Schlüsselbildern der künstlerischen Bewältigung des Ersten Weltkriegs, beispielsweise Ernst Barlachs Der Rächer, Alfred Kubins Der Krieg, Otto Dix' Krüppeldarstellungen, Max Beckmanns Familienbilder oder Käthe Kollwitz' Mütter, wird Egger-Lienz’ eigenständige künstlerische Position, die sich als zeitgemäß und gegen den Zeitgeschmack widerständig zugleich entpuppt, besonders deutlich. Egger-Lienz erscheint so im internationalen Kontext und als Künstler von überregionaler Bedeutung – und keineswegs als isolierter Bergmaler lokaler Prägung. 

Der Totentanz 1908–1923. Erfolg und Wandlung eines Motivs

Eine zentrale Rolle innerhalb der Ausstellung spielt Egger-Lienz' über ein Jahrzehnt andauernde Beschäftigung mit dem Totentanz-Motiv. Bis in die 1920­er Jahre entstanden zahlreiche Varianten und (Teil-)Wiederholungen. 1921 stellte Egger-Lienz die fünfte Fassung des Totentanzes fertig. Seit seiner ersten Beschäftigung mit diesem Motiv im Jahr 1906 hatten historische Umwälzungen tiefe Gräben durch Europa, Tirol und wohl auch durch die Biografie des Künstlers gezogen. Der Totentanz steht am Anfang und am Ende dieser Entwicklung.

Egger-Lienz adaptierte die Vorzüge der Vervielfältigung, die sonst anderen Medien vorbehalten bleiben, für die Malerei. Die Ausschnitte und die leuchtende Farbgebung neutralisieren jedoch die monumentale Wirkung. Anders verhielt es sich mit den beiden letzten Gesamtfassungen von 1921. Darin erreichte er ein Höchstmaß an Ausdruck und Prägnanz. Das Motiv verbreitete sich zudem durch eine starke Ausstellungspräsenz sowie durch Postkarten und Abbildungen.

Freunde der Kunst

Die Erfolgsgeschichte des Totentanzes setzte sich fort. Er ist bis heute das meist-ausgestellte und -reproduzierte Bild von Egger-Lienz. Aber auch die widersprüchliche Deutung hält an: Während manche darin ein pazifistisches Manifest zu erkennen glauben, verbinden andere die Huldigung des Heldenopfers mit dem schicksalsträchtigen Gang in den Tod. 

Die Künstler der Ausstellung

Ernst Barlach, Max Beckmann, Hans Burgkmair d. Ä., Wilhelm Dachauer, Otto Dix, Albin Egger-Lienz, Käthe Kollwitz, Alfred Kubin, Hans Larwin, Constantin Emile Meunier, Anton Romako, Eduard Thöny, Franz von Defregger, Moritz von Schwind

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