02.06.2014 08:00 Fassade des Ringturmes

Ausstellung in Wien: Ringturmverhüllung durch Arnulf Rainer – „Schleier der Agnes“

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Mit dem Werk „Schleier der Agnes“ von Arnulf Rainer setzt der Wiener Städtische Versicherungsverein die Verhüllung des Ringturmes mit einem großflächigen Kunstwerk fort; Bild 1/2: © Robert Newald/Wiener Städtische Versicherungsverein

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Bild 3: Wiener Städtische Versicherungsverein / Copyright: Arnulf Rainer

Arnulf Rainer ausstellung
Von: GFDK - Christina Werner

Mit dem Werk „Schleier der Agnes“ von Arnulf Rainer setzt der Wiener Städtische Versicherungsverein die Verhüllung des Ringturmes mit einem großflächigen Kunstwerk fort.

Ab dem 16. Juni ist die Arbeit über die Sommermonate an der Fassade des Ringturmes zu sehen. Die weithin sichtbare Kunstaktion, die heuer zum siebenten Mal stattfindet, stellt ein Bekenntnis zur traditionsreichen Verbindung zwischen Wiener Städtische Versicherungsverein und Stift Klosterneuburg dar.

Ausstellung in Wien

Der Wiener Städtische Versicherungsverein und das Stift Klosterneuburg sind seit langem in Partnerschaft verbunden. Der damalige Propst des Stiftes, Gaudenz Dunkler, zählte zu den Gründungsvätern der 1824 entstandenen „Wechselseitige k.k. priv. Brandschaden-Versicherungs- Anstalt“, aus der der Wiener Städtische Versicherungsverein und in späterer Folge die Wiener Städtische Versicherung bzw. die Vienna Insurance Group hervorgegangen sind. Auch in schwierigen Zeiten, wie nach dem Anschluss Österreichs an das nationalsozialistische Deutsche Reich, als die Kirche großem, politischem Druck ausgesetzt war, blieb die Wiener Städtische treue Partnerin. Heute  spiegelt sich der gemeinsame Weg der Wiener Städtischen mit dem Stift Klosterneuburg in einer umfassenden Unterstützung der vielfältigen kulturellen Aktivitäten des Stiftes wider. 
Der nach Plänen von Erich Boltenstern erbaute Ringturm wurde im Jahr 1955 als erstes Bürohochhaus in Österreich eröffnet und gilt als ein Meilenstein der österreichischen Architektur.

Heute ist der Ringturm ein Ort der Begegnung und Kommunikation und steht für das vielfältige Sozial-, Kunst- und Kulturengagement des Wiener Städtische Versicherungsvereins. „Mit der diesjährigen Ringturmverhüllung wird die traditionsreiche Verbindung zwischen dem Wiener Städtische Versicherungsverein und dem Stift Klosterneuburg mit einen farbenfrohen Bildwerk gewürdigt, das sich mit der Gründungsgeschichte des Stifts, der sogenannten Schleierlegende rund um den Heiligen Leopold III. und seine Gattin Agnes, auseinandersetzt. Ich freue mich, dass wir für die Umsetzung den international renommierten Künstler Arnulf Rainer gewinnen konnten und auf diese Weise der langjährigen Verbundenheit der beiden Institutionen einen so starken Ausdruck verleihen“, so Dr. Günter Geyer, Generaldirektor des Wiener Städtische Versicherungsvereins. 

Arnulf Rainers Ringturmverhüllung Seine in den 1950er Jahren entwickelten „Übermalungen“ machen den Begründer des Informel in Österreich weit über die Landesgrenzen hinaus bekannt und im internationalen Kollegenkreis berühmt. Arnulf Rainers intensive Suche nach neuen Wegen der Malerei und die stetige Entwicklung neuer künstlerischer Strategien, begleitet von performativen Arbeiten und umfangreichen Schriften, ließen ihn zu einem der einflussreichsten lebenden Künstler der Gegenwart werden. 

Sein Werk „Schleier der Agnes“ verhüllt den Ringturm mit gleichermaßen kräftigen wie fein nuancierten Pinselspuren, die in zahlreichen transparenten Überlagerungen zu einer abstrakten Gesamtgestaltung verschmelzen. Kompositorischen Halt gibt eine leuchtend gelbe Pinselspur, die in einem vertikalen Bogen über zwei Seiten des Ringturms verläuft. Sie hebt die strenge Geometrie des Bauwerks auf und lässt das Bürogebäude grazil und leicht erscheinen. 

Seit dem Jahr 2006 verwandelt sich der Ringturm regelmäßig über die Sommermonate in einen „Kunst-Turm“. Folgende Künstlerinnen und Künstler wurden bisher mit der Ummantelung des Ringturms beauftragt, die eine Gesamtfläche von 4.000 Quadratmetern, bestehend aus 30 bedruckten Netzbahnen mit rund drei Meter Breite und 63 bzw. 36 Meter Länge, beinhaltet: Christian Ludwig Attersee mit „Don Giovanni“ (2006), Robert Hammerstiel mit „Turm des Lebens“ (2007), Hubert Schmalix mit „Turm in Blüte“ (2008) und Xenia Hausner mit „Familiensinn“ (2011). Die engen kulturellen Verbindungen des Wiener Städtische Versicherungsvereins zur Region Zentral- und Osteuropa wurden durch das Engagement von László Fehér (Ungarn) mit „Gesellschaft“ (2012) und Dorota Sadovská (Slowakei) mit „Verbundenheit“ (2013) unterstrichen. 

Die Ausstellung „Schleier der Agnes“ Heuer findet zum ersten Mal begleitend zur Ringturmverhüllung eine Ausstellung statt. Die Ausstellung „Schleier der Agnes“ ist von 17. Juni bis 11. Juli 2014 zu sehen und wird gemeinsam mit der Ringturmverhüllung am 16. Juni 2014 eröffnet. Das Originalwerk des von Arnulf Rainer für die Verhüllung verwendeten Motivs „Schleier der Agnes“ bildet den Mittelpunkt der Ausstellung. Weiters werden ausgewählte Werke aus der Serie „Schleier und Schleifenbilder“ – ein Zyklus abstrakter Malereien aus den 1990er Jahren – zu sehen sein und so einen tieferen Einblick in Rainers Schaffen ermöglichen. 

Freunde der Kunst

Der zweite Teil der Ausstellung ist dem langjährigen Partner des Wiener Städtische Versicherungsvereins, dem Stift Klosterneuburg, gewidmet. Die Ausstellung wirft einen Blick auf die Gründungsgeschichte des Stifts, das heuer sein 900-jähriges Bestehen feiert und das heute wie damals zu den bedeutendsten sakralen und kulturellen Zentren in Österreich zählt. Das Hauptaugenmerk gilt der Schleierlegende, die das Leitmotiv der diesjährigen Ringturmverhüllung ist. 

Die Gründungsgeschichte – Vorlage zahlreicher kunsthistorischer Darstellungen – wird mit Kunstgegenständen aus der Sammlung des Stifts illustriert.   Am 12. Juni 1114 wurde der Grundstein zur Stiftskirche gelegt, nachdem Markgraf Leopold III. von Österreich, der später heiliggesprochene Landespatron, den Wunsch geäußert hatte, dass das von ihm gestiftete Kloster ein würdiges Gotteshaus erhält. Mit der großzügigen Bestiftung und der Monumentalität der Stiftskirche, die damals alle Kirchen des Landes übertraf, legte er den Grundstein zu einem religiösen, sozialen und kulturellen Zentrum. Die Wahl des Standorts geht auf die Schleierlegende zurück: Nach der Hochzeit mit Agnes trat Markgraf Leopold III. mit seiner Frau auf den Söller seiner Burg auf dem Leopoldsberg.

Da riss ein Windstoß Agnes den Schleier vom Kopf und trieb ihn über das Augebiet. Sofort schickte Leopold seine Leute aus, den Schleier zu suchen, doch er war nicht zu finden. Da gelobte der Markgraf, an der Stelle, an der der Schleier gefunden würde, ein Kloster zu bauen. Neun Jahre später war der Markgraf auf der Jagd. Plötzlich schlugen seine Hunde an und als der Markgraf hinzu kam, verbellten die Hunde einen Holunderbaum, auf dem der Schleier der Markgräfin hing. Leopold III. erinnerte sich seines Gelöbnisses und ließ an dieser Stelle das Stift Klosterneuburg errichten. 

Der dritte Teil der Ausstellung befasst sich mit der Gründung der „Wechselseitigen k.k. priv. Brandschaden-Versicherung-Anstalt“ vor 190 Jahren. Beleuchtet wird das Wirken von Georg Ritter von Högelmüller und auch die Rolle von Gaudenz Dunkler, der zu dieser Zeit Propst des Stifts Klosterneuburg war. Präsentiert werden ausgewählte zeithistorische Dokumente, so auch die Originalstatuten der Versicherungsgesellschaft aus dem Jahr 1824. Interessante Memorabilien skizzieren die weitere Entwicklung des Unternehmens und Beispiele wie Urkunden, Versicherungspolizzen, „Zahlungsbüchel“ und Sparuhren lassen die Geschichte für den Ausstellungsbesucher lebendig werden. Mit dem belebten Zeitrafferfilm der heurigen Ringturmverhüllung endet der Bogen im Hier und Jetzt – dem Schleier der Agnes in der Interpretation des Künstlers Arnulf Rainer. 

Zurzeit ist im Ringturm weiters noch bis 6. Juni 2014 die Ausstellung „JUNGE KUNST AUS CEE“ im Rahmen des Essl ART AWARD CEE 2013“ zu sehen. Seit 2009 unterstützt der Wiener Städtische Versicherungsverein die PreisträgerInnen des Essl ART AWARD CEE und lädt je eine/n der PreisträgerInnen aus acht CEE-Ländern zu einer Gruppenausstellung in den Ringturm ein. Zu sehen sind neue, eigens für diese Ausstellung produzierte Arbeiten von Dan Adlešič (Slowenien), Zoran Georgiev (Bulgarien), Volkan Kızıltunç (Türkei), Kund Kopacz (Ungarn), Jelena Lovrec (Kroatien), Andra Nedelcu (Rumänien), Viktor Takáč (Tschechische Republik) und Zuzana Žabková (Slowakei).

werner@kunstnet.at