04.01.2015 09:00 Stadthaus Ulm

Ausstellung in Ulm: wahnsinn sammeln - es geht die Kunst von Psychiatrieerfahrenen

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Die Sammlung von "Outsider Art" und "Art Brut" des Schweizer Ehepaares Gerhard und Karin Dammann zählt zu den interessantesten Kollektionen ihrer Art; Bild 1: Franz Kernbeis

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Bild 2: Dusan Kusmic

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Bild 3: Michel Nedjar

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Bild 4: Oswald Tschirtner

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Bild 5: Oskar Voll

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Bild 6: Janko Domsic

Von: GFDK - Stadthaus Ulm

„wahnsinn sammlen“: Bewusst zweideutig ist der Titel der Ausstellung, die nun ins Stadthaus kommt. Es um die Kunst von Psychiatrieerfahrenen, aber auch um das Sammeln an sich. Die Sammlung von "Outsider Art" und "Art Brut" des Schweizer Ehepaares Gerhard und Karin Dammann zählt zu den interessantesten Kollektionen ihrer Art.

Ausstellung in Ulm

Schon als junger Medizin-Student hat sich Gerhard Dammann mit der Kunst von Psychotikern und Psychiatrieerfahrenen beschäftigt und war mehrere Monate als Praktikant in der berühmten Sammlung Prinzhorn der Universität Heidelberg tätig. Damals erwarb Dammann, der heute die Psychiatrische Klinik Münsterlingen am Bodensee und die Psychiatrischen Dienste Thurgau als Ärztlicher Direktor und Spitaldirektor leitet, seine ersten Arbeiten aus dem Bereich "Outsider Art" und "Art Brut". Doch erst gemeinsam mit seiner Frau Karin wurde er zum Sammler. Inzwischen umfasst ihre Kollektion nahezu zweihundert Werke - eine Sammlung, wie sie bunter, abwechslungsreicher und verrückter nicht sein könnte. Die Dammanns blicken immer auch besonders auf die Lebensläufe der Künstler: „Dass sie trotz schwerster Krankheit kreativ sein können, das finden wir interessant“.

Die Sammlung Dammann, die zuvor u. a. in der Sammlung Prinzhorn in Heidelberg, im Medizinhistorischen Museum der Universität Zürich und im Museum im Lagerhaus der Stiftung für schweizerische Naive Kunst und Art Brut in St. Gallen zu sehen war, umfasst mit Werkserien der Gugginger Künstler Johann Hauser, August Walla, Oswald Tschirtner oder Arbeiten aus den berühmten offenen Ateliers der Psychiatrie von La Tinaia in Florenz„Klassiker“ der Art Brut. Daneben aber finden sich auch ganz außergewöhnliche Arbeiten: ein geschnitztes Bett beispielsweise, entstanden um 1880 in einer Anstalt bei Chartres, oder ein auf 1720 datiertes Blatt, das als älteste bekannte Arbeit der Outsiderkunst überhaupt gilt.

Freunde der Kunst

Vervollständigt wird dies durch Arbeiten bekannter Art-Brut-Künstler wie Franz Huemer, Josef Wittlich, Zeichnungen des berühmten russischen Tänzers Vaslav Nijinsky oder einem Objekt des als „Ikarus vom Lautertal“ bekannt gewordenen Gustav Mesmer, dem das Stadthaus 2005 eine eigene Ausstellung widmete: Trouvaillen, die der Sammlung ihr besonderes Gepräge verleihen und sie von anderen Kollektionen abheben. Vor allem aber zeigt die Ausstellung „wahnsinn sammeln“ ein buntes Panoptikum von Outsider Art und Art Brut, mal schauerlich schön, mal voller absurdem Witz, mal berührend menschlich.

s.presuhn@ulm.de