19.09.2013 08:00 fotografie

Ausstellung in Ulm: Michael Schäfer: Auf der sicheren Seite - neue Ausstellung im Stadthaus

Michael Schaefer: Auf der sicheren Seite ausstellung im stadthaus ulm

Michael Schäfer erfindet keine neuen Bilder - aber er erfindet bereits vorhandene Bilder neu; (c) Michael Schäfer

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Von: GFDK - Stadthaus Ulm

Michael Schäfer erfindet keine neuen Bilder - aber er erfindet bereits vorhandene Bilder neu. Es sind alltägliche Medienbilder, die er vergrößert, beschneidet, mit Schauspielern nachinszeniert und digital bearbeitet. Bis er damit jene Bedeutungsschichten freigelegt hat, die uns etwas über das Verhältnis von Gesellschaft und Individuum sagen.

So sehen wir in der Serie Les acteurs keine wahren Topmanager für das Portrait im Jahresbericht eines Konzerns posieren. An deren Stelle setzte Schäfer jugendliche Schüler eines Eliteinternats. Sie konnten während der Fotoaufnahmen ihre Pose solange am Computerbildschirm überprüfen und korrigieren, bis sie glaubten, eine repräsentative Haltung eingenommen zu haben. Dabei verraten ihre Gesten mehr über die kulturelle und gesellschaftliche Identität der Jugendlichen als über ihre Chancen in der Zukunft.

In den Bildern der Serie Generation ersetzen Kinderporträts die Gesichter von Laufstegmodels: Das Model wird Kindern und Jugendlichen in Castingshows als Vorbild zur unerbittlichen Selbstoptimierung nahegebracht und verkörpert im Grunde nichts anderes als die totale Ökonomisierung des Individuums.

Ausstellung in Ulm

Andere Bilder der Ausstellung zeigen Menschen im Fokus der Öffentlichkeit, die Szenen sind mehrdeutig, eine gewisse Dramatik ist angedeutet, jedoch sind die Politiker und Manager der Pressebilder durch unbekannte Gesichter neu besetzt. Die ewig gleichen Erzählungen der Medien über Macht und Ohnmacht, Aufstieg und Fall, Freundschaft und Verrat überdecken oft die sachlichen Informationen der Nachrichten, wobei die Figuren im Spiel immer austauschbarer werden.

Der Betrachter findet seine gewohnte Lesart der Medienbilder verstellt. Doch ist dies nicht Selbstzweck, sondern verweist - irritierend, faszinierend, eben verunsichernd - immer auf konkrete, gesellschaftliche Fragestellungen. Es ist vor allem die Divergenz zwischen dem Individuum und seinem gesellschaftlichen Rollenbild, die in Schäfers Fotoarbeiten zum zentralen Thema wird.

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Seine Re- Inszenierungen zeigen aber auch, dass die in unserer Medienwelt üblichen fotografischen Repräsentationen nicht nur codiert, konstruiert und manipuliert sind, sondern dass sie dadurch auch ihre spezifisch fotografischen Qualitäten verloren haben und damit der Malerei vor der Erfindung der Fotografie ähnlicher als je zuvor sind. Auf Schäfers Bildern erscheint niemand wirklich auf der sicheren Seite, weder die Tochter aus gutem Haus noch der lachende Manager, nicht das Model auf dem Laufsteg und nicht der Redner, dessen Botschaft ungehört verhallt.

Michael Schäfer (*1964 in Sigmaringen), studierte in Dortmund, Vancouver und an der Hochschule für Grafik und Buchkunst, Leipzig, an der er auch künstlerische Fotografie lehrte. Er lebt in Berlin und hat Lehraufträge an der Hartford Art School in Connecticut, USA.

s.presuhn@ulm.de