26.09.2013 08:00 Württembergischer Kunstverein Stuttgart

Ausstellung in Stuttgart: Der Ungeduld der Freiheit Gestalt zu geben - Beziehungen und Gemengelagen zwischen Kunst und Politik, Kunst und Leben, Kunst und Gesellschaft

Der Ungeduld der Freiheit Gestalt zu geben ausstellung in stuttgart

Die Ausstellung setzt an künstlerischen Praktiken an, die zwischen bildender und darstellender Kunst, Dokumentation und Fiktion angesiedelt sind; Bild 1: (c) Jakob Kolding, Untitled, 2007

ausstellung im Wuerttembergischer Kunstverein Stuttgart

Poster

Von: GFDK - Württembergischer Kunstverein Stuttgart

Mit der Ausstellung Der Ungeduld der Freiheit Gestalt zu geben (5. Oktober 2013 – 12. Januar 2014) kreist der Württembergische Kunstverein erneut um die vielschichtigen Beziehungen und Gemengelagen zwischen Kunst und Politik, Kunst und Leben, Kunst und Gesellschaft.

Ausstellung in Stuttgart

Ausgangspunkt sind dabei die jüngeren Formen und Diskurse einer Re/Politisierung der Künste, die in ihrer Heterogenität und ihrem Widerstreit ausgelotet werden sollen. Es geht um künstlerische Praktiken, die die für gescheitert erklärten ästhetischen Utopien der Moderne gleichermaßen einer kritischen Lektüre wie Umbewertung unterziehen und die, jenseits einer naiven Euphorie oder abgeklärten Distanz, die politischen, gesellschaftlichen und kritischen Potenziale der Kunst neu verhandeln.

Aktivistische Haltungen und Werke mit konkreten politischen Bezugnahmen werden dabei ebenso berücksichtigt wie Arbeiten, die sich auf eher strukturelle Weise an eine Relektüre, Neuordnung und Neuverortung von Wissen, Macht, Ideologie, Raum und Körper machen. Die Werke nehmen dabei nicht nur Bezug auf, sondern stellen selbst Akte der politischen Artikulation und Subjektivierung dar.

Auf inhaltlicher Ebene nimmt die Ausstellung im Schwerpunkt die Entwicklung von der kapitalistischen Disziplinar- zur neoliberalen Kontrollgesellschaft in den Blick. Es geht um deren Diskurse über Effizienz und Kreativität, deren Raum- und Biopolitiken. Mit künstlerischen Mitteln, die von diversen grafischen Verfahren bis zur Tanz-Choreografie reichen, werden die Räume des Öffentlichen, Privaten und des Arbeitslebens untersucht.

Bildende Kunst

Die Ausstellung setzt an künstlerischen Praktiken an, die zwischen bildender und darstellender Kunst, Dokumentation und Fiktion angesiedelt sind. Methoden der Relektüre und des Reenactments kommt dabei eine besondere Aufmerksamkeit zu: von der Rekonstruktion einer spanischen Folterzelle, die nach Vorlagen von Künstlern wie Kandinsky, Klee und Itten gestaltet wurde, um die Wahrnehmung der Insassen zu irritieren (Romero), bis zur Wiederaufführung einer Pressekonferenz der drei „Generäle“ der Staatlichen Museen von Berlin, Dresden und München, die der Verkündung des gemeinsamen Plans, ein Universalmuseum für Dubai zu konzipieren, diente (Creischer, von Borries, Siekmann).

Zugleich beleuchtet die Ausstellung die zentralen Methoden und Praktiken der modernen Avantgarden – von Schnitt, Montage und Collage, über Formate wie die Karikatur bis zum situationistischen détournement (der Umwidmung) und dérive (dem Abschweifen) – im Hinblick auf ihre Relevanz für die Gegenwartskunst.

Zur Ausstellung, die Werke von rund 30 internationalen KünstlerInnen der 1970er Jahre bis heute zeigt – darunter auch einige eigens für die Ausstellung produzierte Werke – erscheint eine Broschüre. Sie wird von einer Konferenz (5. und 6. Oktober 2013), einer Performance-, Workshop- und Vortragsreihe sowie einem Filmprogramm begleitet. Eine Publikation ist im Anschluss an die Ausstellung geplant.

Freunde der Kunst

Der Ungeduld der Freiheit Gestalt zu geben (kuratiert von Iris Dressler und Hans D. Christ) ist Teil der durch die Europäische Kommission geförderten Ausstellungs- und Veranstaltungsreihe Politik der Form, die von den Wiener Festwochen, dem Württembergischen Kunstverein und der Bergen Assembly entwickelt wird. In zugleich eigenständigen und miteinander verschränkten Projekten gehen alle drei Stationen auf je spezifische Weise den politischen Implikationen und Möglichkeiten der Kunst nach. Nach Unruhe der Form. Entwürfe des politischen Subjekts in Wien (KuratorInnen: Karl Baratta, Stefanie Carp, Matthias Pees, Hedwig Saxenhuber, Georg Schöllhammer) und Monday Begins on Saturday in Bergen (KuratorInnen: Ekaterina Degot und David Riff) zeigt Stuttgart die dritte Ausstellung dieser Reihe

info@wkv-stuttgart.de