29.09.2012 08:02 widmet sich der ästhetischen, performativen und politischen Bedeutung der Stimme

Ausstellung in Stuttgart: Acts of Voicing bis zum 13.01.2013

Ines Doujak: Webschiffe, Kriegspfade, 2011–2013. Exzentrisches Archiv 17/48, Serie aus 18 Postern und Leseheft; Courtesy: Die Künstlerin

Von: GFDK-Württembergischer Kunstverein Stuttgart

Die Stimme, die anders als Auge oder Ohr kein einheitliches Sinnesorgan ist, sondern vielmehr aus dem flüchtigen Zusammenspiel mehrerer Organe wie Lunge, Stimmbänder, Zunge und Gaumen besteht, ist schwer zu fassen. Sie befindet sich immer zugleich innerhalb und außerhalb des Körpers, ist ebenso immateriell wie von beträchtlichem sozialem und politischem Gewicht.

Sie bringt gleichermaßen Schrei und Rede, Sinn und Unsinn, Rauschen und Gesang hervor. Und sie ist nie nur Werkzeug der Artikulation, sondern immer auch mit Handlung verknüpft: Die Stimme kann Dinge benennen, befehlen oder einen Schwur leisten, Menschen für schuldig oder zu Mann und Frau erklären. „How to Do Things with Words?“ (Wie kann ich etwas mit Worten tun) lautete 1962 die Frage des Begründers der Sprechakttheorie John L. Austin.
 
Die Ausstellung Acts of Voicing widmet sich der ästhetischen, performativen und politischen Bedeutung der Stimme aus der Perspektive von bildender Kunst, Tanz, Performance und Theorie. Das Projekt rückt den Handlungs- und Aufführungscharakter der Stimme in den Blick.

Dabei geht es gleichermaßen um die widerständige wie um die disziplinierte und disziplinierende Stimme, um solche Stimmen, die gehört, und andere, die nicht gehört werden. Der Kampf darum, seiner Stimme Gehör zu verschaffen, wird ebenso beleuchtet wie der Akt, Stimmen zum Schweigen oder zum Sprechen zu bringen.
 
Die Ausstellung, für die eine spezielle Architektur entwickelt wurde, zeigt hierzu nicht nur Exponate von über 30 KünstlerInnen, sondern begreift sich zugleich als Bühne für Performances, Workshops und Vorträge sowie eine Reihe von prozessualen Installationen, die im Verlauf der Ausstellung erweitert werden und das Gesamtszenario beständig verschieben.

Anstelle einer statischen Situation soll ein sich immer wieder verändernder Erfahrungsraum entstehen, durch den hindurch sich die BesucherInnen auch im physischen Sinne auf unterschiedlichen Ebenen bewegen. Sowohl die Ausstellungschoreografie als auch ihr Display spielen mit dem performativen Charakter der Stimme.

Das Projekt basiert auf einer Kooperation des Württembergischen Kunstvereins Stuttgart mit dem Para/Site Art Space in Hongkong, dem Total Museum of Contemporary Art in Seoul sowie Caminul Cultural in Bukarest und wurde bzw. wird von den KuratorInnen Iris Dressler, Hans D. Christ, Christine Peters, Cosmin Costinas und Nathalie Boseul Shin entwickelt.

Zur Ausstellung erscheint ein Reader und ein detailliertes Programmheft. Sie wird 2013 in modifizierter Form im Para/Site Art Space in Hongkong und im Total Museum in Seoul zu sehen sein. Eine abschließende Dokumentation des Projektes erscheint im Herbst 2013.

Kontakt

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