12.10.2011 07:22 komplexe skulpturale Werke

Ausstellung in Nürnberg: Michael Sailstorfer - Für immer Strom bis zum 20.11.2011

Von: Kunsthalle Nürnberg

Michael Sailstorfer (geb. 1979 in Velden/Vils, lebt in Berlin), der an der Akademie der Bildenden Künste in München und am Goldsmith College in London studiert hat, zählt zu den spannendsten Vertretern der jungen Kunst in Deutschland.
In seinen Objekten, Installationen und Versuchsanordnungen geht er häufig von alltäglichen Gegenständen wie Autoreifen, Bäumen, Glühbirnen, Mikrofonen und Verstärkern oder Spielautomaten aus, die aus ihrem Zusammenhang genommen, umfunktioniert und in einem neuen Kontext präsentiert werden.

Dabei ist  Sailstorfers Begriff der Skulptur weit gefasst und schließt auch Gerüche, Geräusche und Bewegungen mit ein. Der Gummigeruch eines rotierenden, sich an der Wand abreibenden Autoreifens (aus der Werkgruppe Zeit ist keine Autobahn) füllt ebenso plastisch den Raum wie das Klingeln des schwarz kaschierten Glücksspielautomaten (Rien ne va plus) oder das durch Mikrofon und Lautsprecher zum Sturm verstärkte Brausen eines Föhns (Anna). Die Popcorn-Maschine (1:43-47), die in kurzen Abständen knackend und prasselnd eine Portion süß duftender Maiskörner ausspuckt, wird mit der Zeit aber auch materiell den Ausstellungsraum füllen – wie der Grießbrei im Märchen.

Implantiert sind solchen Skulpturen häufig paradoxe Momente der Übertreibung oder der Vergeblichkeit, die den seelenlosen Gegenständen etwas Lebendiges geben und die Fantasie der Betrachter aktivieren.

Raum und Zeit sind konstante Elemente in Michael Sailstorfers komplexen skulpturalen Werken, die auch im Wald und auf der Wiese stattfinden können. An wissenschaftliche Versuchsanordnungen erinnern das Video Raketenbaum (2011), das den Abschuss eines Obstbaumes zeigt und der 16mm Film Lohma (2008), auf dem das An- und Abschwellen einer Wellblechhütte vor der Explosion zu sehen ist.

Hinter der scheinbar einfachen Idee und der Dokumentation des nur Sekunden dauernden Ereignisses durch Film oder Fotografie stecken jedoch extrem aufwändige technische Vorbereitungen. Die Unverhältnismäßigkeit zwischen Aufwand und Ergebnis erscheint absurd, verleiht solchen Projekten aber einen ebenso melancholischen oder romantischen Zug wie die Versenkung von Skulpturen im Meer, die dort für alle Ewigkeit verbleiben.

Michael Sailstorfers Werke sind stets mit Handlung verbunden und erproben einen poetischen und zugleich zupackenden Blick auf die Welt, in der wir leben. Das Bild des Tauchers, der in der dunklen Tiefsee nach überraschenden Begegnungen, untergegangenen Schätzen oder fremden Welten sucht, scheint auch eine Metapher für die Rolle des Künstlers zu sein, der solche Erfahrungen sammelt – und diese zugleich mit hintergründigem Humor selbst gestaltet.  

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