02.06.2015 09:00 Glamour und Reflexion

Ausstellung in Museen Stade: MARC BRANDENBURG - Zeichnung, Skulptur, Performance

museen stade

In seinem Schaffen führt Brandenburg Glamour und Reflexion, Selbstinszenierung und subversive Strategien in einer Bildwelt zusammen; © Marc Brandenburg

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Von: GFDK - Museen Stade

Die Spuren der zufälligen Explosion einer Ketchup-Flasche in einem Berliner Lokal verwendet Marc Brandenburg kurzerhand als Kulisse eines Selbstporträts, auf dem er sich mit dem Blick eines Verwundeten, als Grand Guignol – eine Figur, die das Groteske im Trivialen liebt – präsentiert.

Ausstellung in Museen Stade

Brandenburg schafft mit dem Selbstbildnis eine überzeugende Metapher für sein Werk, welches das scheinbar Alltägliche und Banale in den Fokus der Kunst rückt. Im Jahr 1965 in Berlin geboren und in den USA und Deutschland aufgewachsen, zählt Brandenburg zu den führenden Vertretern einer Künstlergeneration, die die klassische Pop Art der 1960er und 70er-Jahre aufgreifen und in neuer Weise interpretieren.

Dabei beruht sein künstlerisches Vorgehen auf einem für die aktuelle Zeit ungewöhnlichen und fast anachronistischen Verfahren: In oft monatelanger Arbeit zeichnet Brandenburg seine Motive mit dem Bleistift auf Papier. Die motivischen Vorlagen – Situationen im öffentlichen und privaten Raum, rituelle Verhaltensmuster von Menschen oder skurrile Gegenstände – hält er zuvor mit der Kamera seines Smartphones fest.

Im Kunsthaus Stade wird er erstmals eine Bildserie ausstellen, die seit 2014 neu entstandenen ist und den Blick auf Gegenstände richtet, die im Stadtraum auf dem Boden liegen – ein demolierter Regenschirm, ein Basketball, dem die Luft ausgegangen ist, eine zerknautschte Aldi-Tüte, die das Muster von Günter Fruhtrunk zeigt, eine Gabel mit nur noch drei Zinken oder der Ausschnitt eines Schlafsacks, in dem sich die Silhouette eines Menschen abzeichnet.

Die Pop Art der Nachkriegsjahre zeigte die kulturelle Bedeutung kommerzieller Massenkultur und lotete die Grenzgänge zwischen High und Low, dem Alltäglichem und seiner Ikonisierung neu aus. Mit einer ähnlichen Bildstrategie wie Andy Warhol in den 1960er-Jahren Konsumgüter in schemenhafte, bunte Ikonen verwandelte, nähert sich Brandenburg in seiner neuen Bildserie dem 'Post-Konsum', dem Abfall, und reflektiert darin die „Codes und Rituale einer alles vereinnahmenden Konsumkultur“ (Völzke). Ein zerknickter Burger King-Becher und ein auf der Straße stehender Müllsack werden auf diese Weise zum Sinnbild einer spätkapitalistischen Ökonomie, die den Blick des Betrachters auf ihren Objekt-Fetisch, ihre Machenschaften und Wirkungen lenken.

In seinem Schaffen führt Brandenburg Glamour und Reflexion, Selbstinszenierung und subversive Strategien in einer Bildwelt zusammen, die unsere Zeit treffend kommentiert.

In einem nächsten Schritt überträgt Marc Brandenburg seine Zeichnungen in andere Medien wie eine wandfüllende Bildinstallation, Skulptur, Tattoo und Performance. Seine Motive treten aus dem Atelier heraus und ihre Rückkehr in die Bildwelten des Alltags an, etwa wenn er im Kunsthaus Stade die Zeichnung eines Müllsacks als leuchtenden Sticker in einem Schwarzlicht-Raum präsentiert. Die Ausstellung im Kunsthaus Stade zeigt weiterhin auf drei Etagen neue Werke, darunter einen Kiosk, den der Künstler zum 10-jährigen Bestehen des legendären Berliner Technoclubs Berghain schuf.

Freunde der Kunst

Der Kiosk, dessen Fenster mit Tattoo-Bögen von zuvor gefertigten Zeichnungen beklebt sind, wird mit seiner mythosbehafteten Vergangenheit und auch seinen skulpturalen Qualitäten erlebbar. Weitere Tattoos werden zu unspezifischen Zeitpunkten über einen geöffneten Tresen an die Museumsbesucher ausgegeben und somit der Kreislauf der Motive in einer beiläufig anmutenden Performance weiter ins Leben fortgesetzt. Die Besucher können sich die Tattoos auf die Haut kleben und werden, der Idee der Distribution Art folgend, zum Teil der Performance.

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