03.01.2015 07:00 Kunsthalle

Ausstellung in Münster: Mike Nelson - international bekannt für seine Installationen und Skulpturen

Mike Nelson muenster

Die Arbeiten von Mike Nelson bewirken und erfordern häufig mehr als ‚nur’ ein staunendes Sehen; Photograph: Mike Nelson, Courtesy the artist and 303 Gallery, New York; Galleria Franco Noero, Turin; Matt’s Gallery, London; and neugerriemschneider, Berlin

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Von: GFDK - Kunsthalle Münster

Mike Nelson ist international bekannt für seine Installationen, Skulpturen und komplexen ortsspezifischen Inszenierungen.

Ausstellung in Münster

Seine Arbeiten wurden weltweit in zahlreichen Einzel- und Gruppenausstellungen gezeigt. Auf der 54. Biennale von Venedig 2011 repräsentierte Mike Nelson Großbritannien. Zweimal war er für den renommierten Turner Prize (2007 und 2001) nominiert. Seit Mitte der 2000er Jahre ist er Dozent an der Rijksakademie Amsterdam. Mike Nelson wurde 1967 in Loughborough (GB) geboren und lebt mit seiner Familie in London.

Die Kunsthalle Münster hat Mike Nelson zu seiner ersten institutionellen Einzelausstellung in Deutschland eingeladen. Nach ersten Besuchen in Münster plant Mike Nelson eine neue ortsspezifische Installation. Ausgangspunkt bildet dabei die Historie des Ortes im Kontext des vormals industriell genutzten Innenhafens und die mit dem Einzug der Kunsthalle/ dem Atelierhauses architektonische wie konzeptionelle Umnutzung des ehemaligen Kornspeichers. Im Rahmen seiner Recherche und der Projektrealisierung wird Mike Nelson für die Dauer eines Monats in Münster leben und arbeiten.

Im weitesten Sinne wird die Arbeit in Münster eine Art begehbarer Werkstattsituation ‚nachbilden’, bestehend aus neuen und wiederverwendeten Objekten, Dingen und Fragmenten aus unterschiedlichsten Kontexten. Das Projekt für Münster steht dabei im Zusammenhang mit einer Installation von Mike Nelson, die er aktuell für das Palais de Tokyo in Paris realisiert. 

Die Arbeiten von Mike Nelson bewirken und erfordern häufig mehr als ‚nur’ ein staunendes Sehen. Als raumgreifende Wucherungen müssen sie regelrecht durchschritten und damit physisch erlebt werden. In den Momenten größter atmosphärischer Verdichtung erinnern die begehbaren Installationen an Gedankenbilder, wie sie etwa beim Lesen der Kurzgeschichten von Jorge Luis Borges hervorgerufen werden. Borges Fiktionen markiert vor allem die Verräumlichung der Zeit auf ihre labyrinthische und nicht lineare Natur.

Für ihre Figuren ist die Welt nicht ein Zusammentreffen von Gegenständen im Raum, sondern eine heterogene Reihenfolge unabhängiger Handlungen. In ihnen können Entdeckungen sowohl in der Vergangenheit, als auch in der Gegenwart gemacht werden. Damit rückt die Grundbedingung menschlichen Handelns aufs Neue in den Blickpunkt: Gleichwohl wir die Vergangenheit kennen, sind wir nicht in der Lage, auf die Zukunft einzuwirken.

Das heißt, wir sind ständig in der Situation, über Dinge entscheiden zu müssen, die sich fundamental auf unser Leben auswirken können, ohne jedoch die notwendige Wissensgrundlage zu haben: „Wir sind in eine Zeit geworfen, in der alles provisorisch ist. Durch neue Technologien wandelt sich unser Leben täglich. Die Traditionen der Vergangenheit lassen sich nicht wiederherstellen, während wir nur vermuten können, was die Zukunft bringen wird. Deshalb sind wir gezwungen, so zu leben, als seien wir frei zu entscheiden.” (John Gray, 2010). Wenn wir nun rückwirkend in eine Vergangenheit, das heißt in die Vergangenheit der Zukunft, neue Möglichkeiten einführen könnten, nach denen wir unser gegenwärtiges Leben ausrichten, würden wir dann nicht unser Schicksal selbst ändern? Aber um welchen Preis? - Dass wir die Zukunft als bereits verloren akzeptieren!

In diesem Ideenkomplex vermitteln die Installationen von Mike Nelson auf der Ebene kostbarer, ästhetischer Erfahrungen. Seine bekanntesten Arbeiten nehmen in-situ-Räume zum Untersuchungsgegenstand, die marode wirken, ja sogar von einer abstoßend morbiden Atmosphäre beherrscht scheinen: Baulich hinfällige und mit Staub überzogene Räume, die schon lange nicht mehr von Menschen genutzt werden und deren Geschichten vergessen sind. Eingriffe, Freilegungen und Hinzufügungen aus alltäglichen Materialen, wie Beton, Holz, Metall oder diversen Fundstücken wandeln die Räume in magische, gleichsam mysteriöse Orte, an denen bislang verborgenes, verschüttetes oder vielleicht ‚nur’ parallel existierendes verlebendigt ist und ebenso betörend wie verunsichernd konfrontativ aufscheint beziehungsweise sich sprichwörtlich in den Weg stellt. In gewisser Weise lassen diese Räume an quasi Readymades denken - in deren Gegenwart die Vergangenheit noch eine Zukunft hat.

Freunde der Kunst

2014 feiert die Kunsthalle Münster ihr zehnjähriges Jubiläum im Speicher II. Im fünften Stock des sanierten Kornspeichers im städtischen Industriehafen gelegen, hat sich die Kunsthalle in dem vergangenen Jahrzehnt zu einem Ausstellungsort mit überregionaler Ausstrahlung entwickelt. Drei bis viermal im Jahr erhalten internationale Künstler die Gelegenheit, den 800 qm großen Ausstellungsraum für ihre ortsbezogenen Visionen zu verwandeln und umzubauen.

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