05.06.2014 07:00 Kunsthalle

Ausstellung in Münster: MAIK + DIRK LÖBBERT - die Kunstwerke entwickeln sich aus einem Ortsbezug heraus

ausstellung muenster

Wie eine zweite Natur wachsen ihre künstlerischen Interventionen über das Vorhandene hinaus; (c) Kunsthalle Münster

Von: GFDK - Kunsthalle Münster

Die Kunstwerke von Maik und Dirk Löbbert entwickeln sich aus einem Ortsbezug heraus und ermöglichen ein erweitertes Denken und Sehen. Wie eine zweite Natur wachsen ihre künstlerischen Interventionen über das Vorhandene hinaus, ohne den Ort ihres Ursprungs zu verlassen.

Erkunden und Weiterdenken – aus diesen dynamischen Prozessen entstehen künstlerische Entgegnungen und Erfahrungsräume. Ihre Wahrnehmungen zielen dabei auf die Ordnungen unserer Lebenswelt, auf Zusammenhänge und Rituale, auf die wir uns gewöhnlich verlassen, aber auch auf die Widersprüche, die offenbar werden. Ihre Installationen sind wie Ergänzungen für das unsichtbare, nur gebrochen wahrnehmbare Ganze – sind Bausteine und Versatzstücke. Indem sie verschieben, verstellen, verdoppeln, vervielfachen oder verlängern erzeugen sie Brüche mit den gewohnten Ordnungen, machen sie als Strukturen sichtbar, greifbar, reflektierbar.

Ausstellung in Münster

Im Sommer 2014 feiert die Kunsthalle Münster ihr zehnjähriges Jubiläum im Speicher II. Im fünften Stock des sanierten Kornspeichers im städtischen Industriehafen gelegen hat sich die Kunsthalle in dem vergangenen Jahrzehnt zu einem Ausstellungsort mit überregionaler Ausstrahlung entwickelt. Drei bis viermal im Jahr erhalten internationale Künstler die Gelegenheit, den 800 qm großen Ausstellungsraum für ihre ortsbezogenen Visionen umzubauen und zu verwandeln. Die den Raum zergliedernden Stahlstützen sind dabei immer wieder Herausforderung – und Anlass zu gedanklicher Unruhe. Maik und Dirk Löbbert sind eingeladen, eine neue Installation für die Kunsthalle Münster zu realisieren. Das ortsbezogene Projekt wird die Ausstellungsräume auf ihre Qualität als Erinnerungsort und auf ihr Potential als Reflexions- und Produktionsort befragen.

Maik und Dirk Löbbert haben in den vergangenen 20 Jahren ein Œuvre geschaffen, das die besonderen Bedingungen spezifischer Orte und ihre codierten Bestimmungen zum Gegenstand künstlerischer Wahrnehmung macht. Ihre minimalistischen, manchmal spielerischen Setzungen bleiben dabei immer auch den Grundtechniken von Skulptur und Plastik verpflichtet – indem sie weglassen und/oder hinzufügen. Als Professoren der Kunstakademie Münster sind die Löbberts der kulturellen Entwicklung vor Ort eng verbunden. In gewisser Weise sind sie auch Zeitzeugen der Entwicklung der Kunsthalle und ihrer Vorgängerin: Hatten sie doch bereits 1996 im Rahmen der Ausstellung „Transfer – Aktuelle Kunst aus Italien und NRW“ in der „Ausstellungshalle am Hawerkamp“ ein ortsbezogenes Projekt realisiert.

Für das Projekt in der ehemaligen Hawerkamphalle (bis 2003 Städtische Ausstellungshalle am Hawerkamp, Vorgängerin der AZKM, heute Kunsthalle Münster) hatten Maik und Dirk Löbbert die vormalige Nutzung des Gebäudes als Gemüselager zum Ausgangspunkt ihrer Überlegungen genommen. Von Interesse war für sie das im Gebäude eingeschriebene Spannungsverhältnis zwischen dem gleichermaßen einfachen wie schnellen Warenaustauschs in Verbindung mit der geschützten Aufbewahrung des Handelsguts.

Freunde der Kunst

Für die Situation zwischen Stillstand und Bewegung sowie deren Funktionalität fand das Künstler-Duo in dem riesigen Rolltor der Halle ein Sinnbild. In schwarzer Dispersionsfarbe malten sie dort zwei einfache geometrische Formen auf: ein Quadrat direkt am Rand des Tors und davon leicht versetzt, ein Rechteck auf dem Tor selbst. Bei geschlossenem Tor sah man zwei von einander getrennte, unterschiedliche  geometrische Umrisse;  wurde das Tor einen Spaltweit geöffnet, vereinten sich die Formen zu einem großen Rechteck. Die Inszenierung wurde zu einer Metapher für Situationen von Unvereinbarkeit. In diesem Themenspektrum wird das neue Ausstellungsprojekt von Maik und Dirk Löbbert im Jubiläumsjahr die Räume der Kunsthalle auf beides befragen: auf ihre Qualität als Erinnerungsort und auf ihr Potential als Reflexionsort.

Biografisches: Maik (*1958 in Gelsenkirchen) und Dirk (*1960 in Wattenscheid) Löbbert. Studium der Fotografie (Maik) und Bildhauerei (Maik+Dirk) in Kassel, Düsseldorf, Köln. Lehraufträge und Gastprofessuren in Leipzig, München und Münster. Seit 2001 gemeinsame Professur für Bildhauerei und Kunst im öffentlichen Raum an der Kunstakademie Münster; seit 2005 Rektorat (Maik Löbbert). Maik und Dirk Löbbert leben und arbeiten in Köln und Münster.

7. Juni bis 21. September 2014

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