03.05.2014 08:00 Streifen als Wege

Ausstellung in München: Zwischen Streifen - neue Ausstellung im Kunstpavillon

doron polak ausstellung muenchen

Die Werkschau ist dem vor einem Jahr allzu früh verstorbenen Münchner Künstler Stefan Moritz Becker gewidmet; (c) Doron Polak

Von: GFDK - Kunstpavillon

Streifen als Wege, als Grenzen auf einer Landkarte. Oder auf einer Nationalflagge.

Streifen auch als Schienen, worauf volle Züge fahren. Streifen auf Strafgefangenenanzügen. Symbolhafte Begriffe, die Doron Polak, international agierender Künstler, Kunstproduzent und Kurator aus Israel mit dem viel bedeutenden Wort assoziiert. Ein Ausdruck, der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft in sich birgt und eine besonderen Wert für ihn, Sohn eines Shoah-Überlebenden, annimmt.

Ausstellung in München

In seiner Performance, die den ersten Abschnitt des Projekts füllt, das im April/Mai 2014 im Kunstpavillon im Alten Botanischen Garten vorgestellt wird, rückt die Verbindung zwischen ihm, seinem Körper und dem Körper seines der Vernichtung entronnenen Vaters in den Mittelpunkt, während die Erinnerung an das Trauma im Rahmen der eigenen Familie, im Zuge der Generationen wie auch in ihrer heutigen Wirkung analysiert wird. Daraus entsteht ein endloser Dialog über die Spuren und die Folgen des Krieges, worin Fotos, alltägliche Gegenstände Bücher, Zeitungsausschnitte, Bauwerke, Motive von Licht und Schatten und vieles mehr einfließen.

Zwei Videos derin Berlin und Tel Aviv lebenden Künstlerin Norma Drimmer, in denen sich die Verbindung zwischen Körpern und Eisenbahnschienen eindrucksvoll materialisiert, begleiten die Darbietung und bilden ein spannungsreiches Ganzes.

Freunde der Kunst

Norma Drimmer gehört zu der Künstlergruppe an, die Doron Polak in den letzten fünf Jahren auf seiner dramatischen Fahrt in die Dimension des Rückblicks begleitet haben. Die Empfindungen und Gedanken dieser mit unterschiedlichen Medien arbeitenden Kunstschaffenden gehen in eine facettenreiche Multimedia-Schau über, in der sich die komplexen Ergebnisse ihres Experimentieren zeigen.

So die Bilder des Fotografen Eitan Vitkon, der Doron Polak bis nach Riga folgte, wo seine ganze Familie ausgelöscht wurde, oder Shalom Neumans sensible Papierfaltboote mit Bleistiftzeichnungen, die die Shoah thematisieren. Dazu noch die Aufnahmen des jungen Ran Shevi, auf denen Reaktionen auf Bilder einer verschollenen Familie festgehalten wurden, deren Körper sich - unzertrennlich geworden - aneinander drücken wie auch Roni Ben Aris Videos mit sozialkritischem Inhalt. Nähe und Verdrängung, Berührung und Körperbeherrschung nehmen schließlich Gestalt in den Bildern von Polaks engstem künstlerischen Partner Michael Lazar an, in denen Körper und Erde wechselseitig als Sinnbilder für Leben und Tod stehen.

Bildende Kunst

Die Werkschau ist dem vor einem Jahr allzu früh verstorbenen Münchner Künstler Stefan Moritz Becker gewidmet, der großen Einfluss auf Polaks vorausgegangenem Projekt „Bodies“ ausübte. Zum Gedenken an den verlorenen Freund werden zum ersten Mal zwei Videos von Norma Drimmer und Amir Cohen vorgeführt.

Doron Polak: Performance

Norma Drimmer: Videos

und Werkschau der israelischen Künstler Michael Lazar, Eitan Vitkon, Ran Shevi, Roni Ben Ari und Shalom Neuman

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