26.04.2012 07:11 präsentiert fünf Videoinstallationen

Ausstellung in München: Trisha Baga – World Peace vom 28. April bis 17. Juni 2012

(c) Trisha Baga

Von: Anja Lückenkemper

 

Eine logische Konsequenz aus der gegenwärtigen Verbreitung der Massenmedien besteht darin, dass der eigentliche Wert kultureller Erfahrung einfach durch die flüchtige Befriedigung ersetzt wird, die Besitztum mit sich bringt. Insofern konnte ein universelles Konzept wie „World Peace“ („Weltfriede“) kürzlich als Kulisse für den Popstar Madonna fungieren – in Form einer gigantischen medialen Landschaft aus Monitoren, die um ihre Bühne herum angeordnet waren. Eine solche Hightech-Veranstaltung ist weit weg von den instabilen Landschaften aus einzelnen Projektoren, Wasserflaschen und reflektierenden Materialien, wie sie sich bei der in New York lebenden Video- und Performancekünstlerin Trisha Baga (geb. 1985 in Venice, Florida, USA) finden. Und doch hat Baga genau diese Formulierung, „World Peace“, als Titel ihrer ersten institutionellen Einzelausstellung im Kunstverein München gewählt. Dahinter verbirgt sich die Einsicht, dass für einen Imagewechsel und die Neudefinition einer bekannten Trope ein Beamer und eine Wasserflasche völlig ausreichend sind.

Die Ausstellung „World Peace“ präsentiert fünf Videoinstallationen von Trisha Baga, die die Ausstellungsräume durch die Verwendung ungewöhnlicher Materialien in atmosphärische Landschaften aus Lichtreflexionen und Sound verwandeln. In ihrer Gesamtheit kennzeichnen sie die zwanglosen und in hohem Maße improvisierenden Vorgehensweisen, mit denen die Künstlerin die Muster hinter der heutigen Bildproduktion untersucht, die sich aus fast drei Jahrzehnten Videoclips, Dokumentationen, Konzerten und Interviews speist.

 

Trisha Baga steht für eine junge Künstlergeneration, die den konsumorientierten Aspekt heutiger Bildproduktion als gegeben hinnimmt und einfach die unendliche Zahl an Bildquellen, die das Internet und andere populäre Medien bereitstellen, anzapft. Dennoch besteht die Zielsetzung der Künstlerin nicht darin, die zunehmende Standardisierung der Bildproduktion in den heutigen Medien offenzulegen. Ihr geht es vielmehr um das Thema Komplexität. Anschaulich wird dies, indem sie durch die Veränderung des Präsentationskontextes immer wieder neue Darstellungsebenen und Blickwinkel bei der Entwicklung einzelner Videoarbeiten hinzufügt. Ein bestimmtes Video kann dann als Lecture-Performance oder als Hintergrund für eine Karaoke-Performance fungieren oder aber dazu eingesetzt werden, beliebige Objekte in einer Rauminstallation zu beleuchten. Diese formalen Adaptionen werden von der Künstlerin dokumentiert und fließen ihrerseits wieder in das entsprechende Video ein.

 

Im Kunstverein München besetzt Baga den Raum, indem sie ihre Videoinstallation durch die Hinzufügung der visuellen Metaphern Licht, Reflexion und Wasser in eine illuminierte Landschaft verwandelt. So zeigt ein Video mit geradezu dokumentarischer Präzision, wie Regen gegen ein Fenster prasselt (Rain, Video, 2012). In der Videoinstallation Body of Evidence, ebenfalls von 2012, nimmt eine Wasserflasche das Zentrum der Bühne ein. Zwischen Projektor und projiziertem Bild platziert, verdeckt sie die Mitte der Projektion. Der Vordergrund verwandelt sich dadurch in den Hintergrund und umgekehrt, sodass das mediale Bild destabilisiert wird.

Trisha Baga lebt und arbeitet in New York. Bisherige Ausstellungen ihrer Arbeiten fanden unter anderem statt im PS1, Artist’s Space, Electronic Arts Intermix (EAI), Anthology Film Archives, Greene Naftali und Gavin Brown’s enterprise in New York. Am 30. März 2012 präsentierte sie im Cornerhouse Manchester eine neue Performance mit dem Titel Pedestrian Mysticism (www.cornerhouse.org).

 

 

28. April – 17. Juni 2012

Eröffnung: Freitag, 27. April 2012

 

Anja Lückenkemper

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