07.06.2015 08:00 von seinen Freunden vergöttert

Ausstellung in München: Franz Josef Strauß. Die Macht der Bilder

Franz Josef Strauß  ausstellung

Fast drei Jahrzehnte nach seinem Tod ist Franz Josef Strauß unvergessen; Bild 1: © Münchner Stadtmuseum

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Bild 2: © Münchner Stadtmuseum, Archiv Stefan Moses

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Bild 3: © Archiv für Christlich-Soziale Politik der Hanns-Seidel-Stiftung

Von: GFDK - Münchner Stadtmuseum

Fast drei Jahrzehnte nach seinem Tod ist Franz Josef Strauß unvergessen. Kaum ein deutscher Bundespolitiker der Nachkriegszeit findet bis heute so sehr das öffentliche und mediale Interesse wie der ehemalige Bundesminister, CSU-Vorsitzende und Bayerische Ministerpräsident.

Ausstellung in München

Von seinen Freunden vergöttert, von seinen Gegnern verdammt, polarisierte er die öffentliche Debatte wie kein Zweiter. Im Jahr 2015 hätte Strauß seinen 100. Geburtstag begangen. Dieses Jubiläum nimmt das Münchner Stadtmuseum zum Anlass, in Kooperation mit der Hanns-Seidel-Stiftung, dem exponierten CSU-Politiker eine Kabinettausstellung zu widmen, die seine Darstellung in unterschiedlichen Bildmedien beleuchtet. Anhand von Fotografien, Plakaten, Zeitschriften und Filmdokumenten werden Strategien der medialen Darstellung wie auch der visuellen Demontage aufgezeigt. Eine zentrale Bedeutung kommt dabei den gestalterischen Mitteln zu, mit denen die inhaltlichen Aussagen transportiert werden. An ihnen lassen sich exemplarisch Fragen der Wirkungsästhetik und politischen Ikonografie behandeln, die weit über die Person Strauß hinausreichen.

Am politischen Lebensweg von Franz Josef Strauß lässt sich eindrücklich nachvollziehen, wie bereits seit den 1950er Jahren ein Trend zur Personalisierung einsetzte und sich dieser zunehmend verstärkte. Heute scheint von politischen Programmen immer weniger und von der Person und ihrer professionellen Inszenierung dagegen fast alles abzuhängen. Wenn nicht nur politische Prozesse hoch komplex, sondern gleichzeitig die zu regelnden Sachfragen immer komplizierter werden, dann erwachsen daraus ernsthafte Probleme. Die Person des Politikers schafft in dieser Situation Übersichtlichkeit, Zurechenbarkeit von Entscheidungen und insgesamt Wahrnehmbarkeit von Politik. Abstraktes Systemvertrauen wird auf dieser Ebene durch personales Vertrauen ergänzt. Vor diesem Hintergrund wird deutlich, wie wichtig die Imagebildung von Politikern für den Machterwerb und Machterhalt ist.

Spätestens seit 1953, als Strauß in der Funktion eines Ministers für besondere Aufgaben dem Bundeskabinett angehörte, wurde das Interesse auch überregionaler und internationaler Medien an seiner Person geweckt. Es entstand eine Beziehung, die ihn zu einer öffentlichen Person machte und die sein gesamtes politisches Leben hindurch bis weit über seinen Tod hinaus andauern sollte. Die Ausstellung spürt dem öffentlichen Bild des Politikers Strauß nach. Strategien der Imagebildung und die wichtigsten dabei genutzten Bildformeln werden anhand unterschiedlicher Bildmedien sichtbar gemacht. Viele der heute etablierten Bildstrategien der Repräsentation eines Politikers finden sich in den Darstellungen von Franz Josef Strauß wieder. Darunter klassische Rollen, wie die des Landesvaters, des „Mannes von nebenan“, die ihn in einer vorgeblich authentischen Privatsphäre zeigen, aber auch die des Visionärs und einflussreichen Staatsmanns.

Freunde der Kunst

Gespiegelt wird diese affirmative Welt repräsentativer Darstellungen durch die satirische Kritik, denen streitbare Politiker wie Strauß permanent ausgesetzt sind. Neben der Karikatur eignet sich gerade die Fotomontage dazu kritisch zu intervenieren und Fragen aufzuwerfen. Die mediale Konstruktion eines Images ermöglicht zudem auch dessen gezielte Dekonstruktion. Auf witzige oder provokante, insbesondere aber auch diffamierende Weise werden Person und Politik dargestellt. Dies führte mitunter zu Konflikten und sogar juristischen Auseinandersetzungen. Ein genauerer Blick auf die Inszenierung und Selbstinszenierung sowie Demontage von Franz Josef Strauß in den verschiedenen Medien gibt folglich nicht nur Aufschluss über seine Person und die Funktionsweisen politischer Werbung, sondern eröffnet auch Einblicke in unsere Mediengesellschaft.

stadtmuseum@muenchen.de