27.02.2012 07:54 DIE ist ein Kooperationsprojekt der drei Künstler

Ausstellung in München: DIE – Leo Lencsés, Jannis Marwitz, Christian Rothmaler, Philipp Schwalb bis 1. April 2012

(c) Kunstraum München

Von: Ann-Kathrin Strecker

DIE ist ein Kooperationsprojekt der drei Künstler Jannis Marwitz, Christian Rothmaler und Philipp Schwalb aus Hamburg und dem Münchner Leo Lencsés. Mit der Ausstellung stellt der kunstraum muenchen nach langer Zeit wieder Positionen aktueller Malerei vor. 

Im ersten Stock des kunstraums präsentieren die Künstler Einzelarbeiten: Bilder, gemalt vorzugsweise in den Primärfarben und ihren Komplementären, mit dem Grundvokabular geometrischer Formen bzw. abstrahierter Gegenständlichkeit, durchsetzt von Symbolen und Schriftzeichen. Die zusammenhangslosen Farben und formalen Bildelemente erzeugen mehr oder weniger eindeutige Gestalten und machen deutlich, dass es nicht um die Art der Darstellung, sondern um das ‚Wie’ des Sehens geht. Der Berliner Kunsthistoriker Christian Malycha attestiert dieser Malerei eine Spannung zwischen frühmodernem Pathos, das auf jene reinen, weltumgestaltenden Formen hoffte, und der Ernüchterung, die etwa Holocaust und Fast Food unwiderruflich in die Welt brachten. Leo Lencsés zeigt eine Serie von dünnen Betonplatten mit grafischen Motiven und eine großformatige Papierarbeit.

Im Erdgeschoss ist eine gemeinsam erarbeitete Installation zu sehen, deren Konzeption vom Motiv des Fraktals ausgeht. Benoît Mandelbrot bezeichnet damit die Selbstähnlichkeit von natürlichen oder künstlichen Gebilden bzw. geometrischen Mustern; bekanntestes Beispiel dürfte das sogenannte „Apfelmännchen“ sein. Den Begriff des Fraktals setzen die Künstler zu dem der Mnemosyne von Aby Warburg in Beziehung. Dieser griechischen Göttin der Erinnerung hatte er sein unvollendet gebliebenes Atlas-Projekt gewidmet, eine Sammlung visueller Beispiele verschiedener Zeiten und Gattungen, die motivische Ähnlichkeiten aufweisen. 

In Anlehnung an diesen Bilder-Atlas haben die Künstler Material gesammelt, das mit Fokussierung auf das Motiv der Landkarte Begriffe wie Verortung, Überkreuzung, Begegnung, Messung oder Standortbestimmung veranschaulicht. Das Bildmaterial stammt aus unterschiedlichen Quellen, wurde in divergenten Formen zusammengetragen und ist in der Installation aufbereitet. 

Die Bedeutung Aby Warburgs für die eigene Theoriebildung verdeutlicht auch die Arbeit des Kartoffelverlags, den die Hamburger betreiben. Die Publikationen gehen über konventionelle Ausstellungskataloge weit hinaus: neben Abbildungen der originalen Bildwerke und Ausstellungsansichten beinhalten sie eine dichte Materialsammlung aus Texten – literarischen, wissenschaftlichen, lexikalischen, etc. – und Bildern aus den unterschiedlichsten Bereichen, aus den Printmedien und dem Internet, found footage und Reproduktionen bekannter Kunstwerke. Die Mixtur ist jedoch keineswegs chaotisch angelegt; im Gegenteil sind Verwandtschaften zu erkennen. Die Aufhebung der Grenzen von high and low unterwandert dabei hartnäckige Klischees, um sich ernsthaft mit Kunst auseinandersetzen und Kulturgeschichte anders schreiben zu können. 

Auch diese Ausstellung soll am Ende in einer Publikation die Ergebnisse der Recherchen versammeln und die eigene Malerei den gefundenen Bildern gegenüberstellen. Der interdisziplinäre Diskurs wird in Textbeiträgen sowohl von den Künstlern selbst sowie von Gastautoren aus Kunstwissenschaft, Soziologie und Kartografie erweitert und vertieft. 

Die Ausstellung wird von Luise Horn und Sabine Weingartner kuratiert.

Leo Lencsés, geb. 1984 in Filderstadt, lebt und arbeitet in München

Jannis Marwitz, geb. 1985 in Nürnberg, lebt und arbeitet in Hamburg

Christian Rothmaler, geb. 1982 in Kiel, lebt und arbeitet in Hamburg

Philipp Schwalb, geb. 1984 in Filderstadt, lebt und arbeitet in Hamburg

Einzel- und Gruppenausstellungen seit 2008, Gründungen von Gruppierungen mit jeweils wechselnden weiteren Partnern (u. a. VANDEL, 8. Salon), von Galerien (The Galleries des 21. Jahrhunderts pour astrazione e immagine, Prince of Wales) und dem Kartoffelverlag. 

Ann-Kathrin Strecker

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