10.07.2013 07:00 Indonesien ist reich an textilen Traditionen

Ausstellung in Leipzig: Zeitgenössische Textilkunst aus Indonesienbis bis zum 31.08.2013 im Grassimuseum

Zeitgenössische Textilkunst aus Indonesien leipzig

In ihren Werken greifen die Künstler Traditionen ihres Heimatlandes auf und interpretieren diese in innovativer Weise. Sie tragen damit zugleich zur Bewahrung des kulturellen Erbes bei; (c) siehe Bild

Von: GFDK - Grassimuseum

Indonesien ist reich an textilen Traditionen. Insbesondere die javanische Batik ist weit über die Ländergrenzen hinausgehend bekannt. Völkerkundemuseen bewahren und präsentieren meist die traditionellen Werke. Die zeitgenössische Textilkunst Indonesiens ist jedoch in Deutschland kaum bekannt. Auf diese richtet nun die Sonderausstellung im Leipziger Völkerkundemuseum ihren Blick. Präsentiert werden Werke von sechs renommierten javanischen Künstlern, die alle zugleich in Forschung und Lehre tätig sind.

Im Mittelpunkt stehen Batik, experimentelle und angewandte Textilkunst. Ergänzt wird die Ausstellung durch Installationen eines international bekannten Multimediakünstlers. Sie bilden gleichsam einen Gegenpol zum textilen Schwerpunkt der Ausstellung.

In ihren Werken greifen die Künstler Traditionen ihres Heimatlandes auf und interpretieren diese in innovativer Weise. Sie tragen damit zugleich zur Bewahrung des kulturellen Erbes bei. Auch ihrem Wirken ist es zu verdanken, dass die javanische Batik im Jahr 2009 von der UNESCO in die Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit aufgenommen wurde. Die Ausstellung wurde von dem Berliner Batikkünstler Joachim Blank kuratiert.

Ausstellung in Leipzig

Vertretene Künstler:

Die Batik Tulis-Werke von Agus Ismoyo und Nia Fliam (ISNIA), die in der zentraljavanischen Stadt Yogyakarta die Brahma Tirta Sari Galerie und eine Batikmanufaktur betreiben, verbinden traditionelle Muster mit zeitgenössischen Entwürfen. Bemerkenswert am Schaffen des Künstlerpaares ist die Zusammenarbeit mit afrikanischen Batikern und australischen Aborigines-Künstlern, die ihren Niederschlag in „cross - over“ Bildlegenden findet. Agus Ismoyo lehrt Batik-Textilkunst an den Universitäten in Berkeley und Chicago, USA. Werke des Künstlerpaares wurden mehrfach im Textilmuseum in Washington DC ausgestellt.

Kahfiati Kahdar ist Professorin am Institut Teknologi Bandung in Westjava  und unterrichtet dort in den Fachrichtungen Batik und Fashion Design. Ihre Werke haben experimentellen Charakter. Werktechnischer Schwerpunkt ist die Kombination von Textilfasern mit Tonbändern, Kupfer- und Edelmetalldraht. Kahdars Werke wurden mehrfach in Malaysia, Korea, Japan und den USA gezeigt.

Bildende Kunst

John Martono, ebenfalls Dozent für Textilkunst am Institut Teknologi in Bandung verbindet Batik, Seidenmalerei und Handstickerei zu einer Bildeinheit. Seine abstrahierenden Bildinhalte nehmen Bezug auf die floral- ornamentalen Bildwelten seiner indonesischen Heimat. In der Ausstellung vertreten sind einige seiner frei im Raum hängenden Installationen aus feinster Organzaseide.

Lintu Tulistyantoro aus dem ostjavanischen Sidoarjo bei Surabaya gehört zur Generation junger Batikdesignern. Seine auf traditionelle Symmetrien ausgerichteten Batikdesigns sind eine kreative Weiterentwicklung traditioneller Batikmuster aus Ostjava. Seine textilen Kunstwerke sind überwiegend im Sarongformat gearbeitet. Tulistyantoro führt  eine eigene Batikmanufaktur und seine Entwürfe sind unter den jungen Fashiondesignern Javas sehr gefragt.

Der Maler, Batikkünstler und Modedesigner Ardiyanto Pranata lehrt am Institut für Kunst in Yogyakarta. Er führt ein eigenes Batik-Unternehmen und die „Ardiyanto-Gallery“ Galerie. Pranata hat maßgeblich zur Weiterentwicklung der traditionellen Batikkunst beigetragen und bedeutenden Anteil an der Steigerung ihrer Popularität im In- und Ausland.

Freunde der Kunst

Der Multimediakünstler Heri Dono aus Yogyakarta nimmt in seinen Werken Bezug auf Traditionen seines Heimatlandes wie auf das javanische Schattenspiel Wayang Kulit oder auch die beim Totenkult der Toraja von Sulawesi bedeutungsvollen Holzskulpturen. Künstlerisch setzt er sich aber auch mit den schwierigen Lebensumständen der einfachen Menschen Indonesiens auseinander. Seine Kunst ist politisch und greift Missstände seiner Heimat auf. 1998 erhielt Heri Dono den Prince Claus Award. Donos Werke sind regelmäßig auf großen Kunstmessen wie  der Art Basel oder der Art Hong Kong vertreten.

ute.uhlemann@ses.museum