17.11.2014 08:00 Werteverfall oder Freiheitsgewinn?

Ausstellung in Leipzig: "Schamlos? Sexualmoral im Wandel" - neue Ausstellung im Zeitgeschichtlichen Forum Leipzig

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In der Bundesrepublik Deutschland sind Sexualität und Moral häufig Gegenstand öffentlicher Debatten; Bild 1: Foto: Stiftung Haus der Geschichte/Axel Thünker

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Bild 2: Foto: Punctum/Bertram Kober

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Bild 3: Foto: Stiftung Haus der Geschichte/Axel Thünker

Von: GFDK - Zeitgeschichtliches Forum Leipzig

Die Schauspielerin Hildegard Knef erregte Anfang der 1950er Jahre noch Aufsehen, als sie in einer Filmszene kurz nackt zu sehen war. Heute erreichen die Schilderungen sadomasochistischer Praktiken in dem Buch „Shades of Grey“ Millionenauflagen. Noch 1973 protestierten Demonstranten vermummt gegen die Entlassung eines homosexuellen Lehrers, weil sie nicht erkannt werden wollten, heute gibt es in vielen deutschen Städten den Christopher Street Day, homosexuelle Paare können heiraten.

Ausstellung in Leipzig

Die Beispiele offenbaren einen tiefgreifenden Wandel der Sexualmoral und des Miteinanders der Geschlechter in Deutschland seit Ende des Zweiten Weltkriegs. Mit rund 900 Objekten beleuchtet die neue Ausstellung im Zeitgeschichtlichen Forum Leipzig vom 14. November 2014 bis 6. April 2015 Veränderungen gesellschaftlicher Leitbilder und moralischer Normen.

Partnerschaft und Sexualität gehören zum Intimsten des Menschen. Gleichwohl unterliegen sie gesellschaftlichen Rahmenbedingungen und sind damit auch Spiegel der Zeit. Sexualmoral und Geschlechterbeziehungen haben sich seit 1945 stark verändert. Den damit verbundenen Wertewandel beklagen die einen als Verlust von Moral und sittlicher Ordnung, andere begrüßen ihn als Ausdruck zeitgemäßer Liberalisierung und Pluralisierung der Lebensformen.

Werteverfall oder Freiheitsgewinn?

In der Bundesrepublik Deutschland sind Sexualität und Moral häufig Gegenstand öffentlicher Debatten. Beispiele wie der Kampf gegen den vermeintlichen „Schmutz und Schund“ in den 1950er Jahren, der Streit um die Reform des „Abtreibungsparagraphen“ 218 in den 1970er Jahren oder die bis in jüngste Zeit geführte Diskussion um Homosexualität zeigen anschaulich, dass bei diesen Themen nicht zuerst um Privates, sondern vielmehr um soziale Ordnungsvorstellungen und das Selbstverständnis der Gesellschaft gerungen wird.

„Sozialistische Moral“

Die DDR gilt im Vergleich zur Bundesrepublik bis heute vielen als weniger prüde. Doch auch hier herrschen eindeutige Normen und Regeln, vorgegeben von der SED. „Unsere DDR ist ein sauberer Staat“, erklärt die Partei 1965. Sie verbietet Prostitution und Pornografie, weil die Menschen „anständig“ leben sollen. Voreheliche Sexualität gilt zwar als natürlich, doch soll eine Beziehung in die Ehe münden. Frauen und Männer sind formal gleichberechtigt, aber auch in der DDR prägen traditionelle Rollenbilder die Geschlechterbeziehungen.

Sexualmoral im Wandel

Die Trennung von Sexualität und Fortpflanzung, die Änderung von Rollenbildern sowie die zunehmende Kommerzialisierung von Erotik und Sexualität sind nur einige Aspekte der Ausstellung. Film- und Tondokumente, Plakate und Objekte wie ein als Geheimversteck für einen Erotikversand-Katalog umgebautes Buch, eine von Feministinnen getragene lila Latzhose oder ein in der DDR ausschließlich für den Export produziertes erotisches Kartenspiel veranschaulichen die Bandbreite der Themen und lassen rechtliche und kulturelle Veränderungen im Bereich Sexualität und Moral deutlich werden.

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