05.04.2013 09:00 die vollständige Wandarbeit The Americans von Saul Steinberg

Ausstellung in Köln: Saul Steinberg - The Americans - eine insgesamt über 70 Meter lange Collage bis zum 23.6.2013 im Museum Ludwig

ausstellung in Köln: Saul Steinberg - The Americans - eine insgesamt über 70 Meter lange Collage bis zum 23.6.2013 im Museum Ludwig

© The Saul Steinberg Foundation / VG Bild-Kunst 2013

Von: GFDK - Museum Ludwig - 5 Bilder

Das Museum Ludwig zeigt erstmals seit ihrer Entstehung zur Weltausstellung in Brüssel im Jahre 1958 die vollständige Wandarbeit The Americans von Saul Steinberg - eine insgesamt über 70 Meter lange Collage. Ergänzt wird die Präsentation durch thematisch verwandte Zeichnungen und Collagen aus den fünfziger Jahren sowie zahlreiche Zeitschriftenillustrationen des Künstlers, der die Grenzen zwischen freier und angewandter Kunst immer wieder in Frage stellte.

Der in Rumänien geborene Steinberg (1914-1999) emigrierte nach einem Architekturstudium in Mailand 1942 nach New York, wo er mit seinen Covergestaltungen für die Zeitschrift The New Yorker und andere Magazine schon früh bekannt wurde (lange vor dem berühmten New Yorker-Cover View of the World from 9th Avenue von 1976).

Für die in Brüssel stattfindende Expo 58 - die erste große Weltausstellung nach dem Zweiten Weltkrieg, geprägt von der Rivalität der West- und Ostmächte, die auch in ihren Pavillons zum Ausdruck kam - gestaltete er eine großformatige Collagearbeit aus freistehenden Wandtableaus für den amerikanischen Pavillon. Die acht Tafeln, welche addiert eine Gesamtlänge von über siebzig Metern aufweisen, zeigen ein Panorama des amerikanischen Alltags zwischen großstädtischer Hektik und scheinbar ländlicher Idylle. Fotografisch reproduzierte Zeichnungen bilden die Hintergrundfolie für Auftritte zahlreicher collagierter Figuren, die mal vereinzelt, mal in dichter Reihung die Bildvordergründe dominieren.

Sie zeugen von Steinbergs vielfältiger Verarbeitung künstlerischer Einflüsse ebenso wie von seinem Einsatz einer Vielzahl unterschiedlicher Medien, beispielsweise Zeichnung, Fotografie, Tapetenmuster, ausgerissenes Packpapier und Comicfetzen. Steinbergs künstlerischer Blick auf Amerika und dessen charakteristische Eigenheiten ist von liebe- und humorvoller Art, verschweigt jedoch nicht so manche Schattenseite. Er schaut mit dem wachen Blick eines Immigranten auf die Vereinigten Staaten und registriert in unverwechselbarem Stil Phänomene wie Automobilisierung und städtebauliche Veränderung, aber auch Anonymität und Maskenhaftigkeit. Faszination und leichte Skepsis gehen dabei stets Hand in Hand.

Nicht nur thematisch steht The Americans in engem Bezug zu künstlerischen Strömungen, welche die 1950er Jahre prägten - vom Abstrakten Expressionismus und der aufkommenden Pop Art bis zum faux-naiven Stil von Paul Klee oder Jean Dubuffet, bei denen sich Vorläufer für seine „primitiven" Figuren finden lassen. Durch ihre immense Größe erinnern die Tafeln auch an die plakatwandgroßen Werke von James Rosenquist, während die ausfransenden, gigantischen Pappfiguren auf The Americans ebenso Claes Oldenburgs The Street vorwegzunehmen scheinen. Mit dem Medium der Collage, in dem er oftmals populäres Material wie Ausschnitte aus Sonntagszeitungen verarbeitet, durchbricht er auf spielerische Weise die Grenze zwischen „High" und „Low Art". Diese Grenzüberschreitung ist charakteristisch für Steinbergs Schaffen, der einmal bekannte: „Die Kunstwelt weiß nicht, wo sie mich hinstecken soll".

Nach Ende der Weltausstellung wurden die acht großen Tafeln vertikal in 84 Teile zerschnitten, um Transport und Lagerung zu erleichtern. Trotzdem war es zunächst schwierig, ein Museum zu finden, das bereit war, die Tafeln zu übernehmen. Schließlich gelangte das umfangreiche Werk in die Sammlung der Musées Royaux des Beaux-Arts in Brüssel. Selten wurden einzelne Tafeln ausgestellt, zu einer Gesamtpräsentation kam es  seitdem nicht mehr.

Die Ausstellung präsentiert zudem viele Zeichnungen, Collagen, Papiertüten-Masken und Magazinbeiträge aus den fünfziger Jahren. Sie verorten das große Wandbild im Gesamtwerk des Künstlers und spiegeln Steinbergs unterschiedliche Facetten wider: seine raffinierte Collagetechnik, seine Faszination für die vielfältige Alltagskultur der Amerikaner und seinen geschulten Blick für typisch amerikanische Architekturen.

Während Steinbergs Arbeiten sich in den Sammlungen zahlreicher Kunstmuseen in den USA befinden, wurde er in Europa primär von Häusern gesammelt und ausgestellt, die sich auf angewandte Kunst, Comic, Illustration und Karikatur spezialisiert haben. Das Museum Ludwig bietet nun mit seiner reichhaltigen Sammlung amerikanischer Kunst den idealen Ort und Rahmen, um Steinbergs umfassendes Werk in räumlicher Nähe zu dem zahlreicher Künstler aus Pop Art und abstrakten Tendenzen der Nachkriegszeit zu kontextualisieren und so neu erfahrbar zu machen.

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