16.08.2012 07:08 Aspekt des Erinnerns und des Niederschreibens

Ausstellung in Koblenz: Anselm Kiefer - MEMORABILIA im Ludwig Museum von 19.08. bis 28.10.2012

siehe text

Von: Dubravka Monreal - 2 Bilder

Die Ausstellung MEMORABILIA im Ludwig Museum versammelt an die 25 Werke des
international gefeierten Künstlers Anselm Kiefer, die den Aspekt des Erinnerns und des Niederschreibens exemplarisch veranschaulichen. Dazu zählen die „unfruchtbaren Landschaften“, wie auch seine Bleibücher, seine mythologischen Interpretationen und skulpturalen Installationen. Mit Werken aus musealen Sammlungen, aus Privatbesitz und aus der Sammlung Ludwig präsentiert sie wichtige Aspekte des OEuvres von Anselm Kiefer.

Wie kaum ein anderer Künstler verkörpert Anselm Kiefer die Sehnsucht nach mythischer Durchdringung von Geschichte, Naturereignissen und Erzählungen, die sich in die Menschheitsgeschichte eingeschrieben haben. Seine zumeist großformatigen Werke behandeln Motive der deutschen Literatur, zentrieren Themen der Historie von der Antike bis zum Kalten Krieg und greifen dabei Sujets der Weltgeschichte auf, die in mythischen Gestalten wie der „Europa“ oder den „Frauen in der Antike“ eine Deutung erfahren. Zudem umkreist er das Thema der Natur, der entleerten, unfruchtbar gewordenen Landschaften.


Oft treffen in seinen Bildern und Installationen sowohl Bildsprache als auch Schriftsprache in ebenbürtiger Weise zusammen. Wie auch die Bildende Kunst, so vermag auch das Lesen den Betrachter bzw. den Leser eindrucksstarke Bilder zu vermitteln und ist in der Lage kulturverbindende Geschichten für die Nachwelt wach zu halten. Die kindlich anmutende Schreibschrift und die ungelenken Großbuchstaben werden zu erzählerischen Bildelementen, während zugleich einige Bildpartien wiederum zu rätselhaften Zeichen werden. Literatur und Schrift sind für Anselm Kiefer von besonderer Bedeutung. Er nennt Namen von Orten und Menschen, deren Erinnerungen im kollektiven Bewusstsein mehr und mehr zu verschwinden drohen und wirkt auf diese Weise wider dem Vergessen.


Neben der inhaltlichen Faszination, die von Anselm Kiefers komplexen Bildwelten
ausgehen, beeindrucken seine Arbeiten auch durch ihre raumausfüllenden Formate, die den Betrachter geradezu physisch in den Bann ziehen und ihn zur aktiven Teilhabe herausfordern. Der hoch gelagerte Horizont und die vielen rätselhaften Details lassen den Betrachter in mehrerlei Hinsicht zum Erforscher seines eigenen Standpunkts werden.


Verstärkt wird dieser Aufforderungscharakter durch die außergewöhnliche Mal- und
Arbeitstechnik. Dick aufgetragene Farb- und Tonschichten, Relikte aus Stroh, Erde,
Asche, Blei und Assemblagen aus Modelflugzeugen oder U-Booten lassen das Bild aus der Zweidimensionalität herauswachsen und als körperhaftes Relief erscheinen.

Seine Bildwelten wirken oftmals aufgrund ihrer Größe und ihrer lebendigen Plastizität wie erzählerische Theaterinszenierungen, stets mit nachhaltig aufwühlender Wirkung. So ist es kaum verwunderlich, dass Anselm Kiefer 2009 anlässlich des 20-jährigen Bestehens der Pariser Opéra Bastille mit der künstlerischen Leitung einer Inszenierung beauftragt wurde. Ausgehend von den Texten des Alten Testaments, entwickelte er nicht nur das Konzept, sondern führt auch Regie und gestaltet das Bühnenbild und die Kostüme.


Neben vielen anderen hochrangigen Auszeichnungen wurde Anselm Kiefer 2009 in Paris mit dem Adenauer-de Gaulle-Preis ausgezeichnet, der sein Engagement um den kulturellen Dialog zwischen Deutschland und Frankreich würdigt. In diesem Sinne bildet Anselm Kiefers OEuvre einen Brückenschlag zwischen Deutschland und Frankreich und steht nicht zuletzt deshalb im Fokus zum 20-jährigen Bestehen des Ludwig Museums.

Das Museum in Koblenz konzentriert sich mit seiner Sammlung auf zeitgenössische Positionen aus Frankreich und ehrt im Jubiläumsjahr bewusst diesen großen Ausnahmekünstler, der im französischen Nachbarland seine Wahlheimat gefunden hat.


Zur Ausstellung erscheint ein umfassender Katalog. Rund um MEMORABILIA bietet das Ludwig Museum ein abwechslungsreiches Veranstaltungs-programm für Kinder und Erwachsene an. Außerdem können Sie jeden Sonntag um 15:00 Uhr an einer kostenlosen Führung teilnehmen.


Die Ausstellung wird unterstützt durch die Ludwig Stiftung in Aachen und dem
Medienpartner SWR.


Katalog zur Ausstellung:
Anselm Kiefer - Memorabilia, hrsg. von Dr. Beate Reifenscheid, mit Texten von Prof. Klaus Honnef und Prof. Dr. Dieter Ronte, Mailand 2012.


Bildlegende:
1. „Ich halte alle Indien in meiner Hand, 2005“, Copyrights Anselm Kiefer, Fotorechte Dr. Marita Ruiter, Luxembourg

2. „Phryne, 1995-1998“ aus der Serie Frauen der Antike, Copyrights Anselm Kiefer, Fotorechte Hannes Norberg

 

 

Dubravka Monreal M.A.

Wissenschaftliche Mitarbeiterin

Ludwig Museum
Danziger Freiheit 1 (am "Deutschen Eck")
D - 56068 Koblenz
Tel.: 0049 261 30 40 40
Fax: 0049 261 30 40 413
info@ludwigmuseum.org 

  


Di-Sa 10.30 - 17.00, So 11.00 - 18.00 Uhr

Eintritt:
Erw. 4 Euro, erm. 2 Euro, Kinder und Jugendliche frei.

 

Weiterführende Links:
http://www.ludwigmuseum.org/